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Tagebuch - Sanierung Haus (Baujahr 1965)

Puh. Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Altbau und gleichzeitig auch herzliches Beileid. Denn wie Du gemerkt hast, tun sich da viele Fragen auf und es liegt noch einiges an Arbeit vor Dir.

Ich sitze hier gerade in einem Haus, ebenfalls in den 1960ern gebaut, allerdings schon ziemlich gut durchsaniert. Wir haben da in den vergangenen Jahren einiges reingesteckt.

Grundsätzlich ist eine neutrale Beratung schon mal nicht schlecht. Das Problem ist dann eher, wo man anfangen will, weil eine Sanierungsmaßnahme in die andere greift. Aus meiner Sicht würde eine vernunftige Dämmung als erste Maßnahme Sinn machen, weil hier grundsätzlich schon mal ein Spareffekt an (teurer) Energie eintritt.
Gebäude aus den 1960er Jahren sind oft in doppelwandiger Bauweise gebaut. Man hat seinerzeit argumentiert, dass die in der doppelten Wand eingeschlossene Luft isolierend wirkt. Heutzutage sieht man das etwas anders, aber Doppelschalen lassen sich recht günstig mit einer Einblasdämmung isolieren. Das geht schneller und ist günstiger als eine aufgesetzte Fassadendämmung, bei der man auch aufpassen muss, dass die Wände nicht durchfeuchten, weil Feuchtigkeit, die vom Boden in der Wand aufsteigt, nicht mehr nach außen abdampfen kann.

Den Keller würde ich mir in Bezug auf Feuchtigkeit genauer ansehen. In den 1960ern waren meines Wissens Streifenfundamente en vogue und die Isolierung vor aufsteigender Bodenfeuchte kann dabei problematisch sein. Sollte der Keller feucht sein, und die Nässe tatsächlich durch den Sockel kommen, sollte man durch eine Fachfirma eine Sanierung durchführen lassen, sonst gammelt irgendwann das Mauerwerk weg. Wir hatten zunehmend Nässe im Keller und haben das durch eine Kunstharz-Injektion und feuchteisolierendem Zement am Mauerfuß in den Griff bekommen. Hier sollte man eine vertrauenswürdige Fachfirma engagieren.

Das Thema Heizung ist sicher ebenfalls ein zentrales. Von der Ansicht, dass eine Wärmepumpe für Altbauten nicht geeignet ist, kommt man immer mehr weg. Aber hier ist eben auch die Wärmedämmung entscheidend. Wir haben uns für eine Hybridheizung entschieden. Im Sommer und in der Übergangsphase sorgt eine Luft-Wärmepumpe für Warmwasser und Heizung. Wird es kälter, schaltet das System um auf Flüssiggas. Da die Heizkörper vor einigen Jahren auf moderne Flächenheizkörper umgestellt wurden, funktioniert das sehr gut. Moderne Wärmepumpen erreichen auch etwas höhere Vorlauftemperaturen. Eine Fußbodenheizung (es gibt auch Systeme, die einfach auf bestehende Böden aufgesetzt werden können, also eine Art doppelten Boden bilden) wäre noch besser, hat sich aber in unserem Fall nicht angeboten, da das vom notwendigen Aufwand her nicht umsetzbar war.
Nachdem bei Dir die alten Gusseisen-Heizkörper ohnehin irgendwann weichen müssen (die Nischen sollten sich dann auch ohne größeren Aufwand schließen bzw. isolieren lassen), kann man hier auch eine entsprechende Abstimmung vornehmen.
Eine Bohrung würde ich eher nicht in Betracht ziehen. Erstens ist das nicht überall möglich und zweitens wird das dann richtig teuer. Ich hatte das durchaus auch angedacht, aber dann nach Gesprächen mit Fachleuten und etwas oberflächlicher Rechnerei rasch verworfen.

An die Fenster würde ich erstmal nicht rangehen. Wenn Du relativ neue Fenster hast, sind die Rolladenkästen zwar tatsächlich eine Wärmebrücke, aber der Wärmeverlust dürfte sich in Grenzen halten und ein wenig Luftzirkulation ist nicht das Verkehrteste. Ich habe selbst ein KW-40-Haus gebaut, habe zehn Jahre darin gelebt und seitdem bin ich ein bekennender Altbau-Fan. Das Problem bei zu starker Isolierung ist, dass sich Feuchtigkeit im Haus sammelt, wenn man nicht ständig lüftet oder durch Pumpensysteme für Luftaustausch sorgt. Da beißt sich dann aber die Katze in den Schwanz, weil man eben auch wieder Wärme verliert. Die Alternative ist aber, Schimmel in der Bude (und das geht erstaunlich schnell). Von befreundeten Handwerken hört man auch immer wieder, dass das in modernen, hochisolierten Häusern teilweise wirklich ein Problem darstellt, insbesondere, wenn noch Baufeuchte in den Wänden ist (ein Problem, das man in Altbauten nicht hat)

Decken- bzw. Fußbodendämmung würde ich erher hintenan stellen. Das ist aufwendig und teuer und aus meiner Sicht eher das Tüpfelchen auf dem "i", wenn einem partout nichts einfällt.

Was in Kombination mit einer Wärmepumpe sicher Sinn macht, ist eine Photovoltaik-Anlage. Alternativ kann man auch Solarthermie zur Brauch- und Heizwassererwärmung nutzen.
Hier toben leider viele eher fragwürdige Unternehmen durch die Gegend. Wir haben unsere Anlage über ein Programm der Stadtwerke und mit lokalen Handwerksfirmen geplant und umgesetzt. Obwohl wir keine reine und optimale Südlage haben, bringen die modernen Module, die auch bei Teilverschattung noch arbeiten, eine gute Ausbeute und sollten sich innerhalb ihrer Lebensdauer locker amortisieren.

Und zum Thema Klimaschutz: Man muss meiner meinung nach nicht alles politisieren. Letztlich ist es unsinnig, die Umgebung, in der wir leben, zu verschmutzen. Oder anders gesagt: Kein Mensch, der halbwegs bei Sinnen ist, k*ckt in sein eigenes Wohnzimmer. Insofern sollte man aus purem Eigeninteresse umweltfreundliche Lösungen mit möglichst wenig Energieverbrauch und diesen dann möglichst aus regenerativen Quellen gedeckt nutzen. Allerdings muss es sich eben auch rechnen. Und deswegen steht für mich an erster Stelle die Reduktion des Verbrauchs, weil das dafür entscheidend ist, dass man wirklich Kosten spart und somit die Investitionen sich amortisieren. Der zweite Schritt sind dann eben Energieträger, die auch auf mittlere bis lange Sicht günstig und umweltfreundlich sind oder werden können (z.B. Gas durch Biogas-Einmischung). Das ist dann der Bereich, wo man auch mal pragmatisch und kompromissbereit sein muss. Gerade im Altbau.

Um einen Überblick zu bekommen, sind Modernisierungsmessen sicher kein schlechter Ort. Auch viele Stadtwerke bieten Beratungen und Programme an. Verbraucherzentrale hast Du selbst schon auf dem Schirm.
Wie gesagt: Viel Spaß und einen langen Atem. Es ist stressig, aber wenn man dann mit dem Gröbsten durch ist, auch sehr befriedigend 🙂


Edit: Typos eliminiert...
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo liebe Community,

ich weiß nicht ob es ins Finanzforum passt, aber es geht zumindest dabei um Geld ^^
Ich gehe jetzt mal davon aus:

Was ist denn dein Bedarf ?
Hat das Haus irgendwo ein defekt:
Ist das Dach undicht, leckt die Heizung, fällt der Putz von der Wand oder ist der Keller feucht ?
oder
"drückt dich das Geld auf der Bank"

Die 100K hast du doch vermutlich "so mal über".

Wenn die Inflation das Geld auffrißt, ist es im Haus besser investiert.

Wer wird das Haus mal erben ?

Ich stehe mit meiner Heizung an einem ähnlichen Punkt und werde mir jetzt vermutlich wieder Öl einbauen lassen.
Nicht weil ich will, weil ich "muß", da mein Brauchwasser derzeit im Schnitt bei 39° liegt, am Gerät, nicht das was am Hahn ankommt 😉🙁

An deiner Stelle würde ich über 3-Fach verglaste Fenster nachdenken, dabei falls noch nicht geschehen, Rollladenmotoren mit einbauen.

Wir haben die alten Kunststoffrollläden vor vier Jahren drin gelassen (die waren wie neu, keine Schäden etc.), da lt. Fensterbauer die Energieersparniß mit neuen verschwindend gering ist.

Evtl. eine Fassadendämmung, danach kannst du auch gut eine Wärmepumpe einbauen.
Wobei unsere Viessmann noch von 1982 ist, ok... 2017 hat sich kein Handwerker gefunden, der den Brauchwasserkreislauf reparieren wollte/konnte.

Also...
"Bedarf" hast du in dem Sinne keinen 😉🙂
 
Zuletzt bearbeitet:
Leichtes Off-Topic.

Bitte nicht so sehr pauschalisieren:
Weil diese alten Rippenheizkörper Wärme nur sehr ineffizient abgeben und eine sehr hohe Vorlauftemperatur benötigen.
Ich hatte vier Heizungsbauer u. a. für Wärmepumpen im Haus.

Es müssten bei zwei Angeboten zwei Rippenheizkörper getauscht werden 😉

Weiterhin sind in den 60er Jahren ff. nicht "alle" Häuser zweischalig gebaut worden.

Als Maurer habe ich einen gewissen Blick dafür, ich sehe in unserem Wohngebiet nicht sehr viele, da die Bauweise auch finanziell kostspieliger ist/war.
 
Leichtes Off-Topic.

Bitte nicht so sehr pauschalisieren:

Ich hatte vier Heizungsbauer u. a. für Wärmepumpen im Haus.

Es müssten bei zwei Angeboten zwei Rippenheizkörper getauscht werden 😉

Weiterhin sind in den 60er Jahren ff. nicht "alle" Häuser zweischalig gebaut worden.

Als Maurer habe ich einen gewissen Blick dafür, ich sehe in unserem Wohngebiet nicht sehr viele, da die Bauweise auch finanziell kostspieliger ist/war.
Ich kann hier nur meinen Wissensstand weitergeben. Und der ist schlicht, dass moderne Flachheizkörper die Wärme effizienter abgeben und dadurch auch eine geringere Vorlauftemperatur benötigen, weil sie konstruktionsbedingt wohl auch eine grössere Fläche zur Wärmeabgabe haben. Was konkret in deinem Fall die Heizungsbauer bewogen hat, die alten Heizkörper drin zu lassen, vermag ich nicht zu beurteilen.

Im übrigen habe ich nicht behauptet, dass in den 1960ern "alle" Häuser doppelschalig gebaut wurden, sondern, dass das "oft" der Fall war und es entsprechen lohnend wäre, das nochmal zu prüfen, weil das die Dämmung erleichtern kann.
 
Ich gehe jetzt mal davon aus:

Was ist denn dein Bedarf ?
Hat das Haus irgendwo ein defekt:
Ist das Dach undicht, leckt die Heizung, fällt der Putz von der Wand oder ist der Keller feucht ?
oder
"drückt dich das Geld auf der Bank"

Die 100K hast du doch vermutlich "so mal über".

Wenn die Inflation das Geld auffrißt, ist es im Haus besser investiert.

Wer wird das Haus mal erben ?

Ich stehe mit meiner Heizung an einem ähnlichen Punkt und werde mir jetzt vermutlich wieder Öl einbauen lassen.
Nicht weil ich will, weil ich "muß", da mein Brauchwasser derzeit im Schnitt bei 39° liegt, am Gerät, nicht das am Hahn ankommt 😉🙁

An deiner Stelle würde ich über 3-Fach verglaste Fenster nachdenken, dabei falls noch nicht geschehen, Rolladenmotoren mit einbauen.

Wir haben die alten Kunststoffrolläden vor vier Jahren drin gelassen (die waren wie neu, keine Schäden etc.), da lt. Fensterbauer die Energieersparniß mit neuen verschwindend gering ist.

Evtl. eine Fassadendämmung, danach kannst du auch gut eine Wärmepumpe einbauen.
Wobei unsere Viessmann noch von 1982 ist, ok... 2017 hat sich kein Handwerker gefunden, der den Brauchwasserkreislauf reparieren wollte/konnte.

Also...
"Bedarf" hast du in dem Sinne keinen 😉🙂
Sehe ich auch so. Aktuell habe ich keinen dringenden Bedarf.

Ich sehe das eher langfristig. Also was ist wenn meine Heizung in 10 Jahren kaputt geht? Ich möchte den energetischen Stand meines Hauses überhaupt erstmal kennen. Ich möchte wissen, wo die energetischen Schwachstellen meines Hauses sind. Ich möchte wissen wo eine Sanierung wirtschaftlich Sinn macht und wo nicht.

Die von mir in den Raum geworfenen "bis zu 100.000 €" bedeuten nicht, dass ich das Geld ausgeben will, sondern Investitionen müssen sich lohnen. Mein Gasverbrauch liegt wie gesagt derzeit bei unter 2.000 € im Jahr. Selbst wenn mir eine energetische Sanierung 50% spart, sind das gerade mal 10.000 € in 10 Jahren. Ok, steigende Gaspreise und bla bla, aber ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass eine Vollsanierung mit Außenwanddämmung und alles drum und dran wirtschaftlich Sinn macht.

Aber genau solche Sachen muss ich klären. Hat mein Haus eine zweischalige Mauer, dann kann mit Einblasdämmung relativ günstig gedämmt werden und es könnte(!) vielleicht Sinn machen. Tatsächlich möchte ich aber nichts rausreißen, was ich nicht muss. Wie du völlig zurecht sagst, ich habe keinen dringenden Handlungsbdarf und mein Geld weiß ich auch woanders gut zu investieren.

Ich bin teilweise auch verunsichert, weil ich überall -auch hier- sehr unterschiedliche Meinungen höre, von "kein Handlungsbedarf" bis "Vollsanierung im 6stelligen Wert". Mir geht es daher drum Meinungen einzuholen, sowohl hier als auch von Fachexperten und mich nicht blind auf nur eine Stimme zu verlassen.

Für mich wäre auch das Ergebnis ok zu sagen: vielleicht neue Kellerfenster oder (wie du sagst) generell Dreifachverglasung und Rolladenkästen, somit die schlimmsten Wärmebrücken schließen und mit der Heizung warten wir nochmal 10 Jahre.
 
Weil diese alten Rippenheizkörper Wärme nur sehr ineffizient abgeben und eine sehr hohe Vorlauftemperatur benötigen.
Bei der Disskussion Heizen in Altbauten stelle ich mir immer die Frage ob sich das Investment lohnt. Klar kann man Dämmen, Wärmepumpe einbauen, neue Heizkörper oder noch besser alles für ne Fussbodenheizung aufreißen. Aber überschlagen wir das mal:
Fassadendämmung: 40.000
Wärmepumpe: 20.000
neue Fenster: 15.000
neues Dach: 25.000
neue Heizkörper: 10.000
Bodendämmungen: 10.000
Sonstiges: 10.000
130.000 € gaaaanz grob gerechnet.

Warum nicht einfach eine Heizung, die mit höheren Vorlauftemperaturen klar kommt? Pelletheizung, Wärmepumpe mit Tiefenbohrung oder nochmal Öl/Gas. Die kostet zwar dann mehr als die 08/15 Wärmepumpe aber sagen wir ne Hochleistungswärmepumpe mit Tiefenbohrung kostet 50.000 €. Dann wäre das immer noch 80.000 € weniger als im obigen Beispiel.

Ich kann mir bei Altbauten einfach kaum vorstellen, dass solche großen Sanierungen wirtschaftlich Sinn machen.
 

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