Puh. Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Altbau und gleichzeitig auch herzliches Beileid. Denn wie Du gemerkt hast, tun sich da viele Fragen auf und es liegt noch einiges an Arbeit vor Dir.
Ich sitze hier gerade in einem Haus, ebenfalls in den 1960ern gebaut, allerdings schon ziemlich gut durchsaniert. Wir haben da in den vergangenen Jahren einiges reingesteckt.
Grundsätzlich ist eine neutrale Beratung schon mal nicht schlecht. Das Problem ist dann eher, wo man anfangen will, weil eine Sanierungsmaßnahme in die andere greift. Aus meiner Sicht würde eine vernunftige Dämmung als erste Maßnahme Sinn machen, weil hier grundsätzlich schon mal ein Spareffekt an (teurer) Energie eintritt.
Gebäude aus den 1960er Jahren sind oft in doppelwandiger Bauweise gebaut. Man hat seinerzeit argumentiert, dass die in der doppelten Wand eingeschlossene Luft isolierend wirkt. Heutzutage sieht man das etwas anders, aber Doppelschalen lassen sich recht günstig mit einer Einblasdämmung isolieren. Das geht schneller und ist günstiger als eine aufgesetzte Fassadendämmung, bei der man auch aufpassen muss, dass die Wände nicht durchfeuchten, weil Feuchtigkeit, die vom Boden in der Wand aufsteigt, nicht mehr nach außen abdampfen kann.
Den Keller würde ich mir in Bezug auf Feuchtigkeit genauer ansehen. In den 1960ern waren meines Wissens Streifenfundamente en vogue und die Isolierung vor aufsteigender Bodenfeuchte kann dabei problematisch sein. Sollte der Keller feucht sein, und die Nässe tatsächlich durch den Sockel kommen, sollte man durch eine Fachfirma eine Sanierung durchführen lassen, sonst gammelt irgendwann das Mauerwerk weg. Wir hatten zunehmend Nässe im Keller und haben das durch eine Kunstharz-Injektion und feuchteisolierendem Zement am Mauerfuß in den Griff bekommen. Hier sollte man eine vertrauenswürdige Fachfirma engagieren.
Das Thema Heizung ist sicher ebenfalls ein zentrales. Von der Ansicht, dass eine Wärmepumpe für Altbauten nicht geeignet ist, kommt man immer mehr weg. Aber hier ist eben auch die Wärmedämmung entscheidend. Wir haben uns für eine Hybridheizung entschieden. Im Sommer und in der Übergangsphase sorgt eine Luft-Wärmepumpe für Warmwasser und Heizung. Wird es kälter, schaltet das System um auf Flüssiggas. Da die Heizkörper vor einigen Jahren auf moderne Flächenheizkörper umgestellt wurden, funktioniert das sehr gut. Moderne Wärmepumpen erreichen auch etwas höhere Vorlauftemperaturen. Eine Fußbodenheizung (es gibt auch Systeme, die einfach auf bestehende Böden aufgesetzt werden können, also eine Art doppelten Boden bilden) wäre noch besser, hat sich aber in unserem Fall nicht angeboten, da das vom notwendigen Aufwand her nicht umsetzbar war.
Nachdem bei Dir die alten Gusseisen-Heizkörper ohnehin irgendwann weichen müssen (die Nischen sollten sich dann auch ohne größeren Aufwand schließen bzw. isolieren lassen), kann man hier auch eine entsprechende Abstimmung vornehmen.
Eine Bohrung würde ich eher nicht in Betracht ziehen. Erstens ist das nicht überall möglich und zweitens wird das dann richtig teuer. Ich hatte das durchaus auch angedacht, aber dann nach Gesprächen mit Fachleuten und etwas oberflächlicher Rechnerei rasch verworfen.
An die Fenster würde ich erstmal nicht rangehen. Wenn Du relativ neue Fenster hast, sind die Rolladenkästen zwar tatsächlich eine Wärmebrücke, aber der Wärmeverlust dürfte sich in Grenzen halten und ein wenig Luftzirkulation ist nicht das Verkehrteste. Ich habe selbst ein KW-40-Haus gebaut, habe zehn Jahre darin gelebt und seitdem bin ich ein bekennender Altbau-Fan. Das Problem bei zu starker Isolierung ist, dass sich Feuchtigkeit im Haus sammelt, wenn man nicht ständig lüftet oder durch Pumpensysteme für Luftaustausch sorgt. Da beißt sich dann aber die Katze in den Schwanz, weil man eben auch wieder Wärme verliert. Die Alternative ist aber, Schimmel in der Bude (und das geht erstaunlich schnell). Von befreundeten Handwerken hört man auch immer wieder, dass das in modernen, hochisolierten Häusern teilweise wirklich ein Problem darstellt, insbesondere, wenn noch Baufeuchte in den Wänden ist (ein Problem, das man in Altbauten nicht hat)
Decken- bzw. Fußbodendämmung würde ich erher hintenan stellen. Das ist aufwendig und teuer und aus meiner Sicht eher das Tüpfelchen auf dem "i", wenn einem partout nichts einfällt.
Was in Kombination mit einer Wärmepumpe sicher Sinn macht, ist eine Photovoltaik-Anlage. Alternativ kann man auch Solarthermie zur Brauch- und Heizwassererwärmung nutzen.
Hier toben leider viele eher fragwürdige Unternehmen durch die Gegend. Wir haben unsere Anlage über ein Programm der Stadtwerke und mit lokalen Handwerksfirmen geplant und umgesetzt. Obwohl wir keine reine und optimale Südlage haben, bringen die modernen Module, die auch bei Teilverschattung noch arbeiten, eine gute Ausbeute und sollten sich innerhalb ihrer Lebensdauer locker amortisieren.
Und zum Thema Klimaschutz: Man muss meiner meinung nach nicht alles politisieren. Letztlich ist es unsinnig, die Umgebung, in der wir leben, zu verschmutzen. Oder anders gesagt: Kein Mensch, der halbwegs bei Sinnen ist, k*ckt in sein eigenes Wohnzimmer. Insofern sollte man aus purem Eigeninteresse umweltfreundliche Lösungen mit möglichst wenig Energieverbrauch und diesen dann möglichst aus regenerativen Quellen gedeckt nutzen. Allerdings muss es sich eben auch rechnen. Und deswegen steht für mich an erster Stelle die Reduktion des Verbrauchs, weil das dafür entscheidend ist, dass man wirklich Kosten spart und somit die Investitionen sich amortisieren. Der zweite Schritt sind dann eben Energieträger, die auch auf mittlere bis lange Sicht günstig und umweltfreundlich sind oder werden können (z.B. Gas durch Biogas-Einmischung). Das ist dann der Bereich, wo man auch mal pragmatisch und kompromissbereit sein muss. Gerade im Altbau.
Um einen Überblick zu bekommen, sind Modernisierungsmessen sicher kein schlechter Ort. Auch viele Stadtwerke bieten Beratungen und Programme an. Verbraucherzentrale hast Du selbst schon auf dem Schirm.
Wie gesagt: Viel Spaß und einen langen Atem. Es ist stressig, aber wenn man dann mit dem Gröbsten durch ist, auch sehr befriedigend 🙂
Edit: Typos eliminiert...
Ich sitze hier gerade in einem Haus, ebenfalls in den 1960ern gebaut, allerdings schon ziemlich gut durchsaniert. Wir haben da in den vergangenen Jahren einiges reingesteckt.
Grundsätzlich ist eine neutrale Beratung schon mal nicht schlecht. Das Problem ist dann eher, wo man anfangen will, weil eine Sanierungsmaßnahme in die andere greift. Aus meiner Sicht würde eine vernunftige Dämmung als erste Maßnahme Sinn machen, weil hier grundsätzlich schon mal ein Spareffekt an (teurer) Energie eintritt.
Gebäude aus den 1960er Jahren sind oft in doppelwandiger Bauweise gebaut. Man hat seinerzeit argumentiert, dass die in der doppelten Wand eingeschlossene Luft isolierend wirkt. Heutzutage sieht man das etwas anders, aber Doppelschalen lassen sich recht günstig mit einer Einblasdämmung isolieren. Das geht schneller und ist günstiger als eine aufgesetzte Fassadendämmung, bei der man auch aufpassen muss, dass die Wände nicht durchfeuchten, weil Feuchtigkeit, die vom Boden in der Wand aufsteigt, nicht mehr nach außen abdampfen kann.
Den Keller würde ich mir in Bezug auf Feuchtigkeit genauer ansehen. In den 1960ern waren meines Wissens Streifenfundamente en vogue und die Isolierung vor aufsteigender Bodenfeuchte kann dabei problematisch sein. Sollte der Keller feucht sein, und die Nässe tatsächlich durch den Sockel kommen, sollte man durch eine Fachfirma eine Sanierung durchführen lassen, sonst gammelt irgendwann das Mauerwerk weg. Wir hatten zunehmend Nässe im Keller und haben das durch eine Kunstharz-Injektion und feuchteisolierendem Zement am Mauerfuß in den Griff bekommen. Hier sollte man eine vertrauenswürdige Fachfirma engagieren.
Das Thema Heizung ist sicher ebenfalls ein zentrales. Von der Ansicht, dass eine Wärmepumpe für Altbauten nicht geeignet ist, kommt man immer mehr weg. Aber hier ist eben auch die Wärmedämmung entscheidend. Wir haben uns für eine Hybridheizung entschieden. Im Sommer und in der Übergangsphase sorgt eine Luft-Wärmepumpe für Warmwasser und Heizung. Wird es kälter, schaltet das System um auf Flüssiggas. Da die Heizkörper vor einigen Jahren auf moderne Flächenheizkörper umgestellt wurden, funktioniert das sehr gut. Moderne Wärmepumpen erreichen auch etwas höhere Vorlauftemperaturen. Eine Fußbodenheizung (es gibt auch Systeme, die einfach auf bestehende Böden aufgesetzt werden können, also eine Art doppelten Boden bilden) wäre noch besser, hat sich aber in unserem Fall nicht angeboten, da das vom notwendigen Aufwand her nicht umsetzbar war.
Nachdem bei Dir die alten Gusseisen-Heizkörper ohnehin irgendwann weichen müssen (die Nischen sollten sich dann auch ohne größeren Aufwand schließen bzw. isolieren lassen), kann man hier auch eine entsprechende Abstimmung vornehmen.
Eine Bohrung würde ich eher nicht in Betracht ziehen. Erstens ist das nicht überall möglich und zweitens wird das dann richtig teuer. Ich hatte das durchaus auch angedacht, aber dann nach Gesprächen mit Fachleuten und etwas oberflächlicher Rechnerei rasch verworfen.
An die Fenster würde ich erstmal nicht rangehen. Wenn Du relativ neue Fenster hast, sind die Rolladenkästen zwar tatsächlich eine Wärmebrücke, aber der Wärmeverlust dürfte sich in Grenzen halten und ein wenig Luftzirkulation ist nicht das Verkehrteste. Ich habe selbst ein KW-40-Haus gebaut, habe zehn Jahre darin gelebt und seitdem bin ich ein bekennender Altbau-Fan. Das Problem bei zu starker Isolierung ist, dass sich Feuchtigkeit im Haus sammelt, wenn man nicht ständig lüftet oder durch Pumpensysteme für Luftaustausch sorgt. Da beißt sich dann aber die Katze in den Schwanz, weil man eben auch wieder Wärme verliert. Die Alternative ist aber, Schimmel in der Bude (und das geht erstaunlich schnell). Von befreundeten Handwerken hört man auch immer wieder, dass das in modernen, hochisolierten Häusern teilweise wirklich ein Problem darstellt, insbesondere, wenn noch Baufeuchte in den Wänden ist (ein Problem, das man in Altbauten nicht hat)
Decken- bzw. Fußbodendämmung würde ich erher hintenan stellen. Das ist aufwendig und teuer und aus meiner Sicht eher das Tüpfelchen auf dem "i", wenn einem partout nichts einfällt.
Was in Kombination mit einer Wärmepumpe sicher Sinn macht, ist eine Photovoltaik-Anlage. Alternativ kann man auch Solarthermie zur Brauch- und Heizwassererwärmung nutzen.
Hier toben leider viele eher fragwürdige Unternehmen durch die Gegend. Wir haben unsere Anlage über ein Programm der Stadtwerke und mit lokalen Handwerksfirmen geplant und umgesetzt. Obwohl wir keine reine und optimale Südlage haben, bringen die modernen Module, die auch bei Teilverschattung noch arbeiten, eine gute Ausbeute und sollten sich innerhalb ihrer Lebensdauer locker amortisieren.
Und zum Thema Klimaschutz: Man muss meiner meinung nach nicht alles politisieren. Letztlich ist es unsinnig, die Umgebung, in der wir leben, zu verschmutzen. Oder anders gesagt: Kein Mensch, der halbwegs bei Sinnen ist, k*ckt in sein eigenes Wohnzimmer. Insofern sollte man aus purem Eigeninteresse umweltfreundliche Lösungen mit möglichst wenig Energieverbrauch und diesen dann möglichst aus regenerativen Quellen gedeckt nutzen. Allerdings muss es sich eben auch rechnen. Und deswegen steht für mich an erster Stelle die Reduktion des Verbrauchs, weil das dafür entscheidend ist, dass man wirklich Kosten spart und somit die Investitionen sich amortisieren. Der zweite Schritt sind dann eben Energieträger, die auch auf mittlere bis lange Sicht günstig und umweltfreundlich sind oder werden können (z.B. Gas durch Biogas-Einmischung). Das ist dann der Bereich, wo man auch mal pragmatisch und kompromissbereit sein muss. Gerade im Altbau.
Um einen Überblick zu bekommen, sind Modernisierungsmessen sicher kein schlechter Ort. Auch viele Stadtwerke bieten Beratungen und Programme an. Verbraucherzentrale hast Du selbst schon auf dem Schirm.
Wie gesagt: Viel Spaß und einen langen Atem. Es ist stressig, aber wenn man dann mit dem Gröbsten durch ist, auch sehr befriedigend 🙂
Edit: Typos eliminiert...
Zuletzt bearbeitet: