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Lohnt sich persönliches Coaching im Job – eure Erfahrungen?

alltaganker3

Mitglied
Liebe Community,

ich hoffe, ich bin hier richtig mit meiner Frage. 😀 Es geht eigentlich nicht direkt um mich, sondern um meinen Partner, bzw. etwas, dass uns beide gerade ziemlich beschäftigt.

Er ist vor ein paar Monaten befördert worden (wohoo!) und hat die Team-Leitung übernommen, nachdem sein Chef früher in Pension gegangen ist. Seit einiger Zeit merke ich aber, dass er oft gedrückt von der Arbeit nach Hause kommt. Er erzählt mir, dass zwei Mitarbeiter in seinem Team in letzter Zeit unkonzentrierter sind und immer wieder Fehler passieren, die er dann ausbessern muss. Die beiden sind schon lange in der Firma, kennen ihre Arbeit eigentlich in- und auswendig und sie als ersten Schritt zu kündigen kommt für ihn im Moment nicht infrage. Jetzt hab ich mich gefragt, ob ein persönliches Coaching oder ein Gespräch mit einer externen Person helfen könnte. Also jemand Dritter, bei dem man vielleicht offener reden kann als mit dem eigenen Chef.

Hat jemand von euch selbst schon einmal im Beruf/Büro „professionelles“ Coaching gemacht/machen müssen und was ist eure Meinung dazu? 🙂 Ich hab ihm den Gedanken schon vorsichtig gesagt, aber er ist unsicher, ob das wirklich etwas bringt oder eher unangenehm für die Mitarbeiter wäre.
 
Hallo alltaganker3,
als jemand, der schon seit fast 30 Jahren Beratungen und Coachings macht (nicht nur, aber immer wieder), kann ich dir vielleicht eine sinnvolle Antwort geben ...

Ganz wichtig: Es sollten nur diejenigen teilnehmen, die es selbst wollen, also einen Bedarf sehen. Dann: Es braucht Vertrauen! Deshalb wäre es optimal, wenn diejenigen, die das Coaching nutzen, die betreffende Person schon kennen – vielleicht aus einer Fortbildung? Und wenn der/die Coach/in aus dem gleichen Berufsfeld stammt oder darin Coaching-Erfahrung hat, ist das natürlich besser als jemand, der von den Abläufen in diesem Unternehmen keine Ahnung hat und sich erst eindenken muss.

Vielleicht kann dein Partner zunächst mal selbst einen Termin machen – es geht ja darum, neue Perspektiven zu bekommen und das eigene Verhalten zu reflektieren. Dafür müssen nicht alle Beteiligten mit am Tisch sitzen. Manchmal schadet das sogar, weil dann unnötig neue Themen aufkommen, die nichts zur Verbesserung der Situation beitragen.

Er kann natürlich auch mal hier schreiben 🙂 – es gibt hier einige sehr lebens- und berufserfahrene Menschen.
 
Hat er die beiden Mitarbeiter angesprochen - natürlich unter vier Augen, nicht im Teammeeting vor allen? Konkret die Fehler benannt, gefragt, woran es aus ihrer Sicht liegt? Manchmal ergibt sich dann eben, das jemand gerade privat Stress hat, eine Scheidung durchmacht etc. Oder ein neues Programm wurde nicht richtig geschult etc. Was auch immer als Antwort kommt, ich würde dann zunächst fragen, was der Mitarbeiter aus seiner Sicht braucht, um die Fehler abzustellen. Kurz: Eigentlich muss Dein Partner erstmal seine Aufgabe als Führungskraft wahrnehmen, bevor ein Externer hinzugezogen wird. Ein Coach ist auch kein Allheilmittel, abgesehen davon, dass die Mitarbeiter sich freiwillig drauf einlassen müssten.
 
Wenn er vorher bereits Teil des Teams war und nun zum Teamleiter befördert wurde, bringt das auch besondere Herausforderungen mit sich. Vom Kollegen zum Vorgesetzten zu werden erfordert auch Fingerspitzengefühl und eigentlich braucht er da ein Coaching, wie er mit z. B. der von dir beschriebenen Situation umgehen sollte.

Wenn er diese Kollegen schon lange kennt und ihre Fähigkeiten und Kenntnisse eigentlich sehr schätzt, sollte der erste Schritt ein Vier-Augen-Gespräch ohne Vorwurf sein, sondern im Sinne von "Ich habe das Gefühl, dass dich etwas belastet und du nicht die gewohnt hohe Qualität lieferst. Ich schätze dich sehr als Fachkraft und Stütze des Teams und frage mich, was wir als Arbeitgeber tun können, um dich zu unterstützen....."

Sowas in der Art.
 
Prinzipiell stimme ich dir komplett zu, @Survivor, aber diese Formulierung würde ich auf jeden Fall vermeiden:

und frage mich, was wir als Arbeitgeber tun können

Deutlicher kann man nicht ausdrücken, dass man jetzt auf der "anderen" Seite steht.

Ich hatte auch schon Kolleg:innen, die zur Führungskraft aufgestiegen sind, das ist tatsächlich heikel.

@alltaganker3, möglicherweise akzeptieren die Kollegen deinen Mann nicht als Chef und sind jetzt im Verweigerungsmodus.

Was auch immer als Antwort kommt, ich würde dann zunächst fragen, was der Mitarbeiter aus seiner Sicht braucht, um die Fehler abzustellen. Kurz: Eigentlich muss Dein Partner erstmal seine Aufgabe als Führungskraft wahrnehmen, bevor ein Externer hinzugezogen wird.

Erscheint mir auch sinnvoll.
 
Hat jemand von euch selbst schon einmal im Beruf/Büro „professionelles“ Coaching gemacht/machen müssen und was ist eure Meinung dazu?
Bei uns hier in Österreich gab es kürzlich eine Doku über Coaching, leider nichts Positives. Jeder darf sich so nennen, jeder darf seinem Ermessen nach kassieren, es wurden viele abgezockt und hingehalten.
Macht, wenn schon, die Augen genau auf bei privaten Anbietern.
 
Ich hatte auch schon Kolleg:innen, die zur Führungskraft aufgestiegen sind, das ist tatsächlich heikel.
Ja, das ist so. Ein Titel auf der Visitenkarte und das Vertrauen der Geschäftsleitung macht einen nicht zur Führungskraft und bringt nicht automatisch die Anerkennung des Teams mit sich.

Wer vom Kollegen zum Vorgesetzten befördert wird, muss sich das Vertrauen und die Unterstützung des Teams erst erarbeiten. Idealerweise bringt diese Person das Selbstverständnis mit, ein Leader und kein Boss sein zu wollen.

Ein Leader sieht sich als Teil des Teams und unterstützt bei Engpässen selbst, er ist wie ein Coach mittendrin und verschanzt sich nicht in seinem Einzelbüro.

Wenn tatsächlich wie im Ausgangspost angedeutet, bereits über Kündigung der 'Low Performer' nachgedacht wird, scheint er eher der Chef sein zu wollen als der Coach und Förderer.
 
Zuletzt bearbeitet:
Beim Übergang vom Kollegen zum Vorgesetzten kann einiges schief gehen.
An Stelle deines Partners würde ich zunächst betriebsintern um Unterstützung für den Übergang bitten. Zum Beispiel durch einen Coach oder einen Kurs speziell für neue FKs.
Führung ist eine ganz eigene Tätigkeit, die oft wenig mit dem zu tun hat, was man als Fachkraft leistet.
Nachdem ich selbst nach mehreren Jahren als Mitglied eines Teams dieses als Leitung übernommen habe, musste und durfte ich noch einmal ganz viel lerne und tu das nach drei Jahren immer noch.
Ich bekomme bei Bedarf Coachingstunden von der Firma und nehme die dann auch in Anspruch. Die Coachin kennt mich und die Firma gut.
Ist super für die Weiterentwicklung meiner Führungskompetenz und damit auch für meinen Umgang mit dem Team
 
Kurz: Eigentlich muss Dein Partner erstmal seine Aufgabe als Führungskraft wahrnehmen
Unbedingt! Dein Partner, @alltaganker3 , muss seine Funktion durchsetzen. Es ist nicht seine Aufgabe fehlerhafte Arbeit der Mitarbeiter auszubessern, sondern dafür zu sorgen, dass die MA saubere Arbeit abgeben. Er muss sich auf seine Leute verlassen können. Wenn das Endergebnis unbefriedigend ist, muss der entsprechende MA ausbessern und nicht der Chef. Dafür muss man nicht den Chef raushängen, das geht auch anständig aber resolut. Ich finde es nicht gut die MA mit Samthandschuhen anzufassen, ihnen hinterherzuhöseln und sie zu fragen...
was der Mitarbeiter aus seiner Sicht braucht, um die Fehler abzustellen
Dein Partner muss sagen was ER erwartet und nicht fragen ob die MA vielleicht bequemere Stühle brauchen um ihre Arbeit fehlerfrei machen zu können. Vorher hat es doch auch funktioniert. Es ist sehr gut möglich, dass die MA deinen Partner austesten wie weit sie gehen können. Wenn sich dein Partner nicht durchsetzt und stattdessen selber ausbessert macht er sich nur lächerlich und verliert den Respekt der MA völlig. Irgendwann tanzen sie ihm auf der Nase herum. Wehret den Anfängen!

Nicht jeder ist als Führungskraft geboren. Es gibt top Mitarbeiter, die aber als Vorgesetzte völlig fehl am Platz sind. Sie sorgen mit ihrer Unfähigkeit nicht nur für schlechtere Arbeit, sondern auch für eine schlechte Stimmung im Team. Es schlägt ihnen auf's Gemüt, belastet ihr Privatleben und das Ergebnis ist dann oft Burnout.

Wenn seine Firma ein Coaching oder ein Seminar bezahlt, würde ich ihm auf jeden Fall empfehlen dies auch zu nutzen. Allerdings sollte er zuerst mit seinem Chef über die Probleme reden. Könnte ja sein, dass er ihm für den Anfang ein wenig unter die Arme greift und Tipps gibt.

Ein Bekannter von mir bekam nach seiner Beförderung schnell psychische Probleme, weil es nicht in seiner Natur lag hart durchzugreifen und er sich wohler fühlte einfühlsamer Kumpel zu sein als ein Vorgesetzter, der seinen Leuten auch mal den Marsch blasen muss. Er hat nur zwei Monate durchgehalten.
 

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