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Ich kenne mein Kind nicht.

Hallo

Ich bin mit 19 das erste Mal Mama geworden und fühlte mich damals nicht bereit. Ich war gerade aus schwierigen familiären Verhältnissen raus in eine WG gezogen und wollte mein Leben quasi neu starten. Die Schwangerschaft war absolut nicht geplant und ich war mit dem Vater auch nie zusammen. Die ersten Anzeichen habe ich ignoriert, weil ich es nicht wahrhaben wollte und so wirklich mit der Tatsache auseinandergesetzt habe ich mir erst als es sichtbar wurde. Ich hatte mich dann dazu entscheiden das Kind zu Adoption zu geben und das habe ich dem Vater auch gesagt. Er hat ab da auf mich eingeredet. Keine Adoption. Das Kind soll zu ihm. Ich soll machen was ich will aber das Kind soll zu ihm. usw. Ich wusste dann nicht mehr was ich machen soll und was richtig ist und bin dann nach der Geburt einfach aus dem Krankenhaus weg.

Ich führe jetzt mittlerweile ein ganz normales Leben. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Ich habe meine erste Tochter nie vergessen. Ich würde sie gerne kennenlernen und habe daher zu dem Vater Kontakt aufgenommen. Er hat mir gesagt, dass er keinen Kontakt zu mir will aber ihr die Nachricht zeigt. Es kam von ihr dann folgender Text zurück:

Zu spät! 21 Jahre zu spät! Es wäre mir an deiner Stelle viel zu peinlich, mich jetzt zu melden. Ich weiß doch ganz genau, dass du das nicht für mich tust, sondern nur wegen deinem schlechtes Gewissen. Spoiler: Das werde ich dir niemals nehmen.

Möchtest du mir vielleicht sagen, wieso du damals gegangen bist? Das kannst du dir sparen, weil es dafür keine gute Erklärung und sowieso keinen guten Grund gibt. Du warst nicht bereit? Du warst doch bereit, ungeschützt Sex zu haben, also musst du logischerweise auch bereit für ein Kind gewesen sein. Du hast dich ja aktiv für diesen Sex entschieden. Er wird nicht versehentlich in dich reingefallen sein. Ist dir eigentlich bewusst, was du damals angerichtet hast? DU hattest das Sorgerecht und warst verschwunden. Nicht mal das Gericht konnte dich damals aufspüren. Respekt dafür! Nicht in der Lage, sich um das eigene Kind zu kümmern, aber sehr gut darin zu verschwinden. Papa musste das Sorgerecht beantragen, damit er überhaupt irgendetwas entscheiden durfte. Wir hatten jahrelang das Jugendamt im Nacken. Die dachten, wir sind Asis, weil du mit deinem Verhalten richtig reingeschissen hast. Und jetzt willst du auf Happy Family machen? Vergiss es!

Ich könnte jetzt ewig so weiter schreiben, aber fangen wir doch mal bei den Basics an. Wie heiße ich? Ach ja. Peinlich. Meine eigene "Mutter" weiß nicht, wie ich heiße. Was mache ich denn so im Leben? Arbeiten? Studieren? Welche Hobbies und Interessen habe ich? Wer sind meine Freunde? Sollte man das nicht als Mutter wissen?

Ich spreche übrigens nie von dir. Wenn es mal sein muss, dann nenne ich dich "Die Frau, die mich geboren hat". Du warst sowieso nie mehr als eine Gebärmaschine für mich. Den Titel Mutter oder Mama hast du freiwillige abgegeben. Deine eigene Schuld. Du hast in meinem Leben keine Daseinsberechtigung. Du musst mit deinem schlechten Gewissen leben. Ich werde dir kein Foto von mir zeigen, weil es dich nichts angeht, wie ich aussehe. Mein Name geht dich auch nicht an. Und nur zur Info: Ich habe mittlerweile zwei Nachnamen. Es gibt nämlich eine Person, die mich liebt wie ein eigenes Kind, obwohl ich nicht das eigene Kind bin. Das hast du ja nicht geschafft, obwohl du mich geboren hast. Lass mich in Ruhe. Und wenn du jemals auf die Idee kommst, mich zu suchen oder irgendwo bei mir aufzutauchen, dann garantiere ich für nichts ...


Ich möchte jetzt nicht so einfach aufgeben. Ich weiß aber auch nicht was ich machen soll. Vielleicht war es nur die erste Reaktion aus so einer Art Schock heraus weil ich mich jetzt plötzlich gemeldet habe.

Ich verstehe deine Situation damals, das vorab.
Was ich nicht verstehe: Dass du den Brief deiner Tochter hier in einem öffentlichen Forum einstellst.
Du musst damit rechnen , dass sie das liest - und sich ein zweitesmal verraten fühlt.
Damit wäre eine Kontaktmöglichkeit für immer zerstört.
 
Wenn die Tochter adoptiert wurde und ihren Namen nicht preis geben möchte, bezieht sie sich auf ihr Recht aus §1758 BGB:
(1) Tatsachen, die geeignet sind, die Annahme und ihre Umstände aufzudecken, dürfen ohne Zustimmung des Annehmenden und des Kindes nicht offenbart oder ausgeforscht werden, es sei denn, dass besondere Gründe des öffentlichen Interesses dies erfordern.

Ich möchte jetzt nicht so einfach aufgeben.
Wenn die Fundstelle oben zutreffend ist, solltest Du es , da sie die Zustimmung eindeutig verweigert hat.
 
Zuletzt bearbeitet:
Du lebst nun die Konsequenzen von deinem Handeln damals.
Deine Tochter auch.
Wer weiß, wie oft sie sich als Kind gewünscht hat, dass ihre Mutter sie lieben würde, dass sie sie kennenlernen würde.
Wie oft sie gefragt wurde ,wo ihre Mutter wäre und sie keine Antwort darauf hatte...

Du hattest bestimmt deine Gründe damals und später, als ein paar Jahre vergangen waren...
Wer weiß, wie es für dich war, bestimmt nicht leicht und einfach.
Deswegen tut es mir auch leid für dich.
Aber trotzdem musst du jetzt die Entscheidung von deiner Tochter akzeptieren, auch wenn es weh tut.
Vielleicht ändert sie irgendwann diese Entscheidung, vielleicht auch nie.

Du willst nicht aufgeben?
Du hast sie leider schon vor vielen Jahren aufgegeben.
Nun bleibt dir keine andere Wahl.
Jeder Versuch von dir dich anzunähern, wird das Gegenteil erreichen.
Gerne kannst du hier deine Gedanken ordnen, deine Gefühle beschreiben.
Hast du denn Verständnis für deine Tochter?
Kannst du ihre Gefühle nachvollziehen?
 
Der Wunsch bleibt doch respektiert im Moment. Ich finde es auch nicht übergriffig, zumindest zu schreiben, dass die Tochter jederzeit doch Kontakt aufnehmen kann, sollte sie es jemals doch wollen.

Bei aller berechtigten Entrüstung und auch Fragen zu Deinem Verhalten, @TE, finde ich es nicht richtig, Dir nun auch nur noch Verachtung und Häme entgegen zu bringen. Manche Entscheidungen im Leben waren falsch oder in der Situation nicht anders möglich (wie gesagt, schau das mal an, warum Du damals so gehandelt hast) und hier gibt es viele, die von ihren Eltern sehr schlecht behandelt wurden, so dass es ihnen nicht möglich ist, mit Dir empathisch zu sein.
 
100% Zustimmung.

@Sonnenblume84 Du hast deine Tochter damals nicht nur zurückgelassen, sondern du hast sie zurückgelassen, ohne zumindest sicherzustellen, dass ihr Vater sich kümmern konnte.

Das wäre ein Leichtes für dich gewesen, und ich kann mir keinen einzigen Grund denken, der das rechtfertigen könnte.

Insofern: Volles Verständnis für die klare Haltung der Tochter.

Was du jetzt machen sollst? Nichts; das Recht auf Dialog hast du meiner Meinung nach verwirkt.

Meine einzige Frage hierzu noch: Wissen die Halbgeschwister voneinander?

Ich kann all diese Reaktionen hier verstehen. Und vor allem die der Tochter, wenn sie den Text denn selbst geschrieben hat, das weiß ja niemand. Kann ja auch sein, dass da der Vater all seine Wut rauslässt und die Tochter weiß nichts davon.

Hast Du dieses "Probleme wegignorieren" in dieser Ausprägung mal irgendwie bearbeitet? Das erscheint mir schon pathologisch.

Wie geht es Dir denn mit dem Text? Kannst Du mit irgendwem darüber reden?


Das fände ich auch am besten.

Sehe ich auch so.

Ich nehme mal an, all die Sachen, die Dir hier geschrieben wurden, hast Du Dir auch schon selbst überlegt. Hast Du Antworten auf die warum-Fragen?

So berechtigt die Wut der jungen Frau ist, aber weh tut das sicher, das so zu lesen. Wie geht es Dir damit?

Ich könnte mir vorstellen, dass Deine Tochter vielleicht noch einmal ein bis zwei Jahrzehnte braucht, vielleicht selbst Mama werden muss und selbst im Leben straucheln muss, um sich etwas nachdenklichere Fragen zu stellen und dann vielleicht einem Kennenlernen etwas offener ist.

Wie alt sind Deine weiteren Kinder? Mach da reinen Tisch, wenn sie alt genug sind. Sonst baust Du Dir da die nächste Baustelle.
(...)
Ich will ihm gar keinen Vorwurf machen, dass er sich damals nicht genug um mich, die Schwangerschaft, meine Pläne usw. gekümmert hat. Ich war 19 und überfordert. Er war 20 und mindestens genauso überfordert. Ich stand plötzlich schwanger vor seiner Tür und habe von Adoption gesprochen.

Wir kamen beide auch schwierigen familiären Verhältnissen. Es wurde nach Außen immer der Schein gewahrt, aber zuhause lief gar nichts gut. Wir sind damals umgezogen und ich bin dann zu Beginn der Oberstufe auf die gleiche Schule gekommen wie er. Wir hatten da noch nicht so viel Kontakt. Ich kannte ihn nur so wie alle anderen in der Schule auch. Es war bekannt dass er Drogen nimmt und auch oft high in die Schule gekommen ist. Er war ein Rebell der viel Stress in der Schule verursacht hat. Wir hätten eigentlich gemeinsam Abitur gemacht aber er ist vorher sitzengeblieben. Ich wollte wahrscheinlich auch gegen meine Eltern rebellieren und das hat mich zu ihm hingezogen.

Wir hätten eigentlich beide Hilfe gebraucht um unsere Leben in den Griff zu bekommen. Es war damals wahrscheinlich auch grundlegend falsch sie bei ihm zu lassen. Ich hatte damals auch gar nicht darüber nachgedacht dass ich das Sorgerecht habe. Das wusste ich alles nicht. Ich dachte wenn ich gehe und sie bei ihm bleibt dann passt das schon irgendwie. Ich hätte mich natürlich mehr mit allem auseinandersetzen müssen aber ich konnte nicht. Ich wusste nicht wie ich überhaupt mein eigenes Leben geregelt bekomme.

Ich war gerade aus der katastrophalen Situationen bei meinen Eltern raus und in eine WG gezogen. Ich hatte bis dahin keine Ausbildung oder ein Studium. Ich wollte gerade ins Leben starten und musste mich mit den normalen erwachsenen Dingen auseinandersetzen. Ich wollte eine Ausbildung suchen usw. Ich war nicht in der Lage mich um ein Kind zu kümmern.
 
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