Der Ansatz ist verständlich!
Aber denken wir kurz nach was es bedeutet?
Wenn öffentlich Diskussion verhindert wird (und sich Betroffene nicht mehr ihre Anliegen zu äußern trauen) haben diese Rechts….. ihren ersten Teilerfolg erreicht!
Der erste Schritt zur Zensur!
Darin liegt das erste Missverständnis. Es gibt Bereiche des Lebens, die würde ich persönlich als Betroffener gerne artikulieren können, ohne sie diskutieren zu müssen.
Ich spreche es jetzt mal provokant aus: Gleichberechtigung ist en gros gar nicht gewünscht, sondern nur ein geheucheltes Ideal, welches gut klingt solange es a) nicht zuviel kostet und b) die Betroffenen nicht wirklich zu Mitbewerbern macht.
Beim Thema Dating mit Behinderung fängt die Problematik beispielsweise doch schon viel früher an, nämlich bei der Partizipation respektive den Teilhabemöglichkeiten. Ich könnte beispielsweise nicht mit meinem Elektrorollstuhl die einzige Diskothek meiner Stadt besuchen, weil diese eine Treppe hat.
Du musst ja auch an solche Orte gelangen können, um überhaupt flirten, tanzen, lachen und lieben zu können.
Dann gibt es noch eine Sportsbar, aber da könnte ich nicht die Toilette nutzen, weil diese ebenfalls im UG ist.
Was wäre die Lösung? Ein 40.000 Euro Rollstuhl der Treppen steigen kann? Umbaumaßnahmen für alle Barrierebereiche? In Zeiten leerer Kassen? Und ehe man sich versieht, da entscheiden Dritte darüber welche Lebensqualität Dir zusteht, und was für die Allgemeinheit an Belastung zumutbar ist.
Und das finde ich dann verletzend. Die schaffen es dann ganz normale menschliche Bedürfnisse so darzustellen, als wenn diese exotisch, extravagant und überheblich seien. "In anderen Ländern gibt es gar keinen Sozialstaat...."
Es ist hart behindert zu sein. Hart und beschissen. Jeder Tag ist eine einzige Herausforderung.
Sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen.
Du musst als Behinderter gar keine anderen Höchstleistungen erbringen, weil schon die Bewältigung des Alltags eine eben Solche ist.
Aber noch schlimmer als die sichtbaren Hürden sind die Mauern in den Köpfen. Weil das gesamte Leben durchökonomisiert ist. Eine einzige Gewinn- und Verlustrechnung. Es geht nicht um gespürte Bedürfnisse, sondern um den permanenten Vergleich mit anderen Leuten. Das ganze Leben muss Instagramtauglich sein. Man will dort in den Urlaub reisen können, wo die Nachbarn oder Freunde hinreisen. Um mitzuhalten. Gott bewahre, dass der Mensch mit Behinderung die Entfaltungsmöglichkeiten des Partners begrenzt. Lieber nicht: Das Risiko ist zu groß. Und was sollen die Leute sagen...
Menschen mit Behinderung können fantastische Liebhaber sein. Leidenschaftlich, unkompliziert, humorvoll. Viele "Menschen ohne Behinderung" verstehen gar nicht was ihnen entgeht, und wie sehr ein Mensch mit Behinderung die Antwort auf all ihre Gebete sein könnte. Aber wir sind machtlos gegen die Wand in den Gedanken.
Nein wir klammern nicht, nur weil wir eine Behinderung haben. Wir müssen auch nicht mit Samthandschuhen angefasst werden. Ganz normale Gleichberechtigung auf Augenhöhe wäre toll.
Ja es gibt Ausnahmen:
Ich habe beim Online Dating eine Frau kennengelernt. Die ist zum Glück tolerant genug, um mit meiner schweren Behinderung umgehen zu können. Aber so etwas ist leider eher - wie gesagt - die Ausnahme.
PS: Ich brauche trotzdem meine Freiräume. Anders als in den Ressentiments klammere ich nicht.
Im Gegenteil. Ich habe dreißig Jahre lang alleine gelebt, und mir fällt die Umgewöhnung an Nähe noch immer schwer. Und meine Standpunkte vertrete ich dennoch. (Das sage ich bewusst, weil ich weiß, dass viele Menschen ohne Behinderung denken, dass Menschen mit Behinderung fragile "Ja Sager" sind, die alles tun würden, um an einer Beziehung festzuhalten. Dem ist nicht so.)
Ich kann Dir
@Spinagirl nur einen Ratschlag geben: Kämpf um Dein Glück und gib nicht auf.
Mach' nicht den Fehler den ich gemacht habe. Ich habe schon mit knapp zwanzig Jahren kapituliert, und mich gar nicht mehr getraut Liebe einzufordern. Jede Zurückweisung tat weh. Und ich wollte mir Schmerzen ersparen. Aber dieses Bedürfnis läßt sich nicht unterdrücken. Es kommt zurück.
Erst mit 48 Jahren habe ich mich dann wieder getraut. Heute wünschte ich mir, dass ich die Zeit zurückdrehen könnte. Ich habe aus Furcht vor Zurückweisung sovieles im Leben verpaßt.