Hallo
@Spinagirl, ich möchte deine Frage gerne hier beantworten da ich denke das es ein sehr gutes Beispiel für den Umgang mit gehandicapten Menschen generell ist!
... und was hat der so anders gemacht im Vergleich? (also wenn du das erzählen magst?)
Ich muss Erfahrungen vorausschicken die ich alltäglich machte:
Meine Tochter war zwar damals schon ein aufgewecktes smartes Kind, nur war sie eben sichtbar „anders“ und wurde dadurch abgestempelt.
Sie trug ihre Orthese und hinkte natürlich ein wenig, plus starke Brille und Hörgeräte. Außerdem mussten wir damals noch ihr Auge abkleben (Schielpflaster, 5 Tage pro Woche) und die Reaktionen waren immer von der Sorte „die arme Kleine!“
Die Mehrzahl der Menschen gingen uns eher aus dem Weg, selbst Nachbarn oder Eltern aus der KiTa - Gruppe! Auch ich galt immer als „die mit dem behinderten Kind“ und somit als andersartig!
Darum hat mich diese Begegnung mit einem bis dato Fremden derart von den Socken gehauen!
Natürlich hat es sich im Warteraum eines Arztes zugetragen, wo wir damals (sie war knapp vor der Einschulung) einen guten Teil der Zeit verbrachten.
Das Warten war langweilig, sie lief ein wenig auf und ab und wir guckten immer wieder in ihre Kinderbücher.
Der Mann saß neben mir und sie zeigte ihm immer etwas aus dem Buch, sodass ich schon fürchtete es fühlte sich belästigt!
Jedoch begann er ganz entspannt mit ihr zu plaudern, ohne Scheu oder geheucheltem Mitleid! Als ich fragte ob das okay wäre meinte er nur in meine Richtung dass das völlig in Ordnung ist und sie wäre ja eine ganz bezaubernde junge Dame!
Dann fragte er sie (!) ob sie ihm verraten würde weshalb sie ein zugeklebtes Auge hat?
„Das ist damit mein Anderes richtig sehen lernt!“ hat sie geantwortet und sich offensichtlich gefreut dass sich mal jemand mit ihr unterhält.
Das würde ja gut klappen meinte er da sie ihre Bücher schon so gut lesen kann! Nachdem sich die beiden so gut verstanden haben kam ich natürlich auch mit ihm ins Gespräch und er fragte mich nach ihrem Bein, ob sie sich verletzt hätte?
Da ich schon Vertrauen gefasst hatte sagte ich ihm den Hintergrund für ihre Handicaps und er meinte „alle Achtung, da habt ihr Einiges zu stemmen“ und dass sie dafür doch ganz toll unterwegs sei und ich stolz sein könnte dass sie so ein aufgewecktes Mädchen geworden ist!
Resümee der Begegnung: Wir bleiben in Kontakt, er ist seit über 8 Jahren mein Chef und wir pflegen seither ein freundschaftliches Verhältnis!