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Alltag, Akzeptanz, Freundschaft, Beziehung, Stigmatisierung mit Handicap: eure Meinung / Erfahrung?

Ich komme heute Abend gar nicht mehr dazu alle neuen Beiträge zu lesen aber ich finde es sehr gewinnbringend wie ihr euch über dieses oft tabuisierte Thema austauscht, das freut mich sehr und ich habe dabei schon Einiges gelernt!
 
Daher hilft es meistens, die Sachen offen anzusprechen.
Richtig, man sollte sich auch trauen die Menschen in so einem Fall (freundlich) anzusprechen.
Deswegen hatte ich damals auch mit der Frau gesprochen und gesagt dass sich Marie freuen würde mit ihrer Tochter zu spielen, kurz erklärt was sie hat, dass sie aber sonst völlig ok ist auf ihre Art.

Mit dem Ergebnis dass die Kinder ganz toll miteinander gespielt haben und die Dame und ihre Tochter (die auch öfter mal den Spielplatz besucht haben) für die Zukunft Bescheid wussten dass sie ganz normal mit ihr umgehen können.
 
Das war ihr sichtlich peinlich und sie hat dann Ausreden gesucht wie „ich wusste nicht ob sie das möchte? / wollte nicht dass sie ihr wehtut…“

Richtigstellen, aufklären- wie du siehst, das hat bei der Frau geholfen, wie du reagiert hast.

Man fürchtet sich, etwas falsch zu machen, daher guckt man weg.


Ich bin mal mit Rollstuhl und Halofixateur ( das ist ein Metallgestell, das an den Kopf geschraubt ist) in meinem Wohnort zum Essen gegangen, ( geschoben worden von meinen Kumpelinchen) das Lokal war tretend voll, als ich reinkam, verstummten alle, keiner sah her, alle waren stille...

Das ist mein Heiligenschein sagte ich laut zum Sitznachbarn und ab da rührten sie sich wieder und fragten und erkundigten sich und ich sah, wie sie sich alle entspannten. Wenn ICH damit klar komme, dann sie auch.

Genau das wünsche ich mir von allen- dass sie, auch wenn sie nicht genormt sind, gut klar kommen mit dem, was sie haben. Das überträgt sich auf die anderen.
Wenn mich jemand mit einem zugeklebten Auge normal anspricht, dann denke ich mir nichts, verlegen macht mich nur, wenn jener verlegen ist deshalb. Was denkt er über mich, etwa, dass er sich vor MIR schämen soll? Oder dass ich ihn deshalb verurteile?

Klar fällt das zuerst auf, dann steckt man das ein und integriert es. Sag das deinem Mädchen, die Welt muss sich daran gewöhnen, dass nicht jeder gleich hat und ist.
 
Ich hatte auch nie großes Interesse an anderen Menschen und tiefergehenden Freundschaften, denn "normale" Menschen waren mir schon immer ein Buch mit sieben Siegeln und haben mich früher sehr verunsichert.
Danke für deinen Beitrag!
Ich frage aus Interesse und weil ich wenig über Autismus weiß:
Würdest du dich möglicherweise auch mit nicht-Autistischen Menschen verstehen wenn diese offen für deine „Eigenheiten“ wären oder klappt das generell nicht?
Andere reden augenblicklich mit mir, als wäre ich geistig schwerstbehindert und würde nur Kindersprache verstehen.
Gott wie schrecklich, damit hat meine Tochter auch immer wieder Probleme!
Obwohl sie ein intelligentes Kind ist (sie hat sogar einen guten Notenschnitt im Gymnasium) muss sie sich oft so behandeln lassen!
Vermutlich wird sie wegen ihrer starken Brille (leider mit den auffälligen 2-Stärkengläsern, Gleitsichtbrille ist für sie nicht geeignet) und den Hörgeräten (soweit man die überhaupt bemerkt) gleich in die Schublade „zurückgeblieben“ eingeordnet?

Ich habe das auch schon miterlebt und einmal habe ich mich eingemischt und gesagt „Sie können mit meiner Tochter ganz normal sprechen, sie ist bereits 13!“

Somit kann ich sehr gut nachvollziehen was in dir vorgeht wenn du so behandelt wirst!
 
Was bedeutet das, wie hast du damit ( über)leben gelernt?
Ich glaube, die Störung wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Wenn du z.B. mein Kind fragen würdest, wie sie damit "überlebt", würde sie dich vermutlich ganz entgeistert angucken, weil sie gar nicht versteht, was daran jetzt so besonders herausfordernd sein soll. Als Behinderung nimmt sie das überhaupt nicht wahr; sehr hilfreich sind eben die Medis.
 
Mobbing in dem Sinne gibt es nicht soweit ich herausgefunden habe. Aber sie hat mir beschrieben dass sie sich sehr oft gar nicht gesehen fühlt. „Die behandeln mich als wäre ich Luft!“ Alleine das zu erleben muss sehr hart und frustrierend sein!

Hi, das tut mir leid. Ich kenne mich mit Mobbing nicht aus, aber es hört sich für mich auch schon nach Mobbing an. Ausgrenzung, nicht gesehen werden - das ist schon Diskreminierung.

Ich denke, dass Kinder und Jugendliche früher vielleicht natürlich, authentischer und unbeeinflusster waren. Heutzutage sind viele durch soziale Medien und das Bild von Schönheit und Perfektion, was ihnen dort vorgegaukelt wird, beeinflusst. Und werden vielleicht dadurch abwertender und selektiver was Menschen betrifft. Es gibt viel mehr Gruppenzwang durch soziale Medien, möglicherweise mehr Mobbing durch bessere Vernetzung als es früher möglich war.

Aber das ist auch nur eine These natürlich.

Da sind wirklich Eltern, Lehrer und alle Menschen eigentlich gefragt, besser aufzuklären, sich einzubringen und Dinge offen anzusprechen.
 
Würdest du dich möglicherweise auch mit nicht-Autistischen Menschen verstehen wenn diese offen für deine „Eigenheiten“ wären oder klappt das generell nicht?
Wenn sie auf meine Besonderheiten etwas Rücksicht nehmen würden, würde es wohl klappen. Aber das tun leider die wenigsten Menschen. Die meisten wollen viel Kontakt, viel zusammen unternehmen, schnelle Antworten, aber das kann ich nicht liefern. Wenn sich jemand ständig meldet, sich ständig treffen will und möglichst umgehend Antworten auf Nachrichten haben will, wird mir das schnell zu viel. Mir reicht es, wenn man sich einmal die Woche trifft oder miteinander telefoniert und man irgendwann innerhalb des Tages oder auch erst am nächsten Tag antwortet.

Ich bin durch meinen Autismus und mein ADS kein einfacher Mensch. Ich bin sehr unverblümt und geradeaus und sage meine ehrliche Meinung, wenn man mich danach fragt. Ich kann in der Hinsicht einfach niemandem Honig ums Maul schmieren. Es fühlt sich falsch an und hört sich auch falsch an. Meistens frage ich dann auch, ob derjenige wirklich meine ehrliche Meinung hören will oder lieber nicht. Die meisten Leute entscheiden sich für Ersteres, sind dann aber trotzdem beleidigt. Wieso wollen sie die ehrliche Meinung hören, wenn ihnen die Antwort dann nicht gefällt?

Ich verstehe auch oft nicht, wie etwas gemeint ist, weil ich z.B. nicht zwischen den Zeilen lesen kann und mir Gesichtsausdrücke nicht viel sagen. Mein Sprachverständnis ist sehr konkretistisch und ich verstehe vieles wörtlich, was dann aber oft keinen rechten Sinn ergibt. Das alles führt schnell zu Missverständnissen, von denen viele leider erst spät aufgeklärt werden können. Ja, ich kann natürlich nachfragen, aber dann reagieren viele Menschen schnell genervt und oft bekomme ich dann zu hören, was daran bitte nicht zu verstehen sein soll. Da mag man irgendwann natürlich nicht mehr nachfragen und zieht sich zurück.

Ich bin auch kein großer Smalltalk-Mensch (ich kann es zwar einigermaßen, mag es aber nicht und tue es nur, wenn es sein muss). Ich mag lieber tiefgründige Gespräche und diskutiere sehr gern. Aber bitte auch richtige Diskussionen und kein sinnloses Köpfe einschlagen, wo es nur darum geht, Recht zu haben.

Ich habe außerdem auch andere Interessen als die meisten Frauen in meinem Alter. Statt für irgendwelche Soaps, Promis, Castingshows, die (Enkel-) Kinder und solche Dinge interessieren ich mich eher für kreatives Gestalten, Umwelt, Dokumentationen, Quizsendungen, Tiere und ähnliche Themen.

Es ist schwer, Menschen zu finden, die mit meinen Eigenarten umgehen können und dieselben Interessen wie ich haben. Bisher habe ich solche Menschen nur unter anderen Autisten und AD(H)Slern gefunden.

Es ist wirklich, als ob es da unterschiedliche Betriebssysteme bei Autisten und "normalen" Menschen gibt. Autisten sind untereinander weitgehend kompatibel, aber mit "normalen" Menschen ist man einfach nicht wirklich kompatibel. Da müssen sich beide Seiten anpassen und selbst dann ist es schwierig und kommt zu beiderseitigen Fehlern.
 
Genau das wünsche ich mir von allen- dass sie, auch wenn sie nicht genormt sind, gut klar kommen mit dem, was sie haben. Das überträgt sich auf die anderen.
Wenn mich jemand mit einem zugeklebten Auge normal anspricht, dann denke ich mir nichts, verlegen macht mich nur, wenn jener verlegen ist deshalb. Was denkt er über mich, etwa, dass er sich vor MIR schämen soll? Oder dass ich ihn deshalb verurteile?
Ein gutes Beispiel wie relativ Alles ist!
Das Schielpflaster lief bei uns immer so nebenbei mit.
Wir trafen damals bei den unzähligen Kontrollterminen immer viele Kinder (und deren Eltern) die auch kleben mussten, und für die Meisten war das fast ein traumatisches Ereignis, für uns war es nur eine Sache mehr.
Bei Marie mussten wir das schon von kleinauf bis zu ihrer Augenoperation mit 9 immer Stunden- oder Tageweise machen.
Das tägliche Auge-zukleben war für sie und unser Umfeld so selbstverständlich wie Zähneputzen.
Viele Kinder die wir damals trafen haben durch sie erlebt dass Schielpflaster eigentlich keine große Sache sind.
Nur für Außenstehende, weil man damit eben wieder mal von der Norm abweicht.
Sag das deinem Mädchen, die Welt muss sich daran gewöhnen, dass nicht jeder gleich hat und ist.
Es ist wohl so dass es an den Betroffenen liegt sich auf die Füße zu stellen und den ersten Schritt zu machen.
Aber dazu ist nun mal ein starkes Ego erforderlich!
 

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