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Alltag, Akzeptanz, Freundschaft, Beziehung, Stigmatisierung mit Handicap: eure Meinung / Erfahrung?

Hey @SalmaPlus ich zähle mich zu den Betroffenen, da durch schon ewig lange - gefühlt immer schon - psychische Krankheit, die chronisch ist, behindert und ich bin dadurch auch im Alltag und in der Lebensbewältigung behindert.
Erlebe es ganz genauso, wie Du beschreibst.
Erstaunlicherweise erlebe ich sogar gelegentlich Diskriminierung durch Behinderte. Das war eine ganz neue Entdeckung.
Und das Erleben bezeiht sich einerseits auf mich und meine persönliche Situation, aber auch mitbetreffend andere Menschen.
Also ja, das geschieht wirklich durch die Bank weg.
Ja, es gibt auch andere Menschen bzw. Menschen, die sich nicht so verhalten. Aber die Ausgrenzung ist schon sehr stark verbreitet und nimmt meiner Beobachtung nach auch zu.
Meine Beobachtungen einerseits Erleben im Alltag und Beobachtung, andererseits was ich in Kontakten von anderen Betroffenen höre, was die erleben, und dann aber auch durch Kontakte im Internet. Also weiß ich von Erleben in meiner Stadt und hauptsächlich Deutschlandweit.
 
Eben noch in dein anderes Thema geschaut. Da fiel mir noch was hierzu ein.
Die ,,Behinderten-Comunity" macht sich ja auch stark dafür, gesehen zu werden, gegen Ableismus und für Inklusion und bemängelt öffentlich die vielen Barrieren hier im Land.
Zuerst stiegs ich da als Ally mit ein für erste Freunde mit Behinderung. Dann stellte ich fest, dass ich auch mit betroffen bin und spreche für uns quasi.
Das passiert auch online und ich mach das aber auch im Alltag. hab ich mir angewöhnt. In fast jeder Situation sag ich was oder schalte mich ein... Weil Schweigen für mich irgendwann keine Option mehr war. Und weil ich mir das kleine Stückchen Welt, wo ich gerade bin, so gestalten will, wie es mir gefällt (Pippi 😉 )
 
Wieder so eine steile These.
Mag sein.
Aber da ich über meine Tochter seit über 13 Jahren mit dem Thema beschäftigt bin wage ich die These aufzustellen!

Ich brauchte nur den Umgang der Kinder untereinander zu beobachten!
Im Vorschulalter gab es null Berührungsängste, andere Kinder haben manchmal gefragt „was hast du da?“, sie hat irgendetwas geantwortet, akzeptiert und weiter ging das Spielen!
Im Grundschulalter haben sich einige schon etwas distanziert, aber Alles war immer noch recht entspannt.
Und nun in der Pubertät merkt man echte Ressentiments, teils sogar von den selben Kindern! „Du kannst das wahrscheinlich nicht“, „wir müssen immer Rücksicht nehmen“ oder „sie sieht / hört / braucht das ja nicht“ und plötzlich ist sie außen vor bei Dingen die früher selbstverständlich waren!
In ihrer Klasse wurde mal über Musik diskutiert und als sie sich eingebracht hat bekam sie zu hören „warum interessiert dich das überhaupt wenn du so schlecht hörst?“ - nur ein Beispiel!

Woher kommt das wohl wenn es nicht erlerntes Verhalten ist?
 
hallo Binchy und danke dass du dich beteiligst!
viele sind aber auch etwas hilflos. Sie wissen nicht genau, wie sie Menschen mit Behinderungen begegnen sollen
Das beobachte ich auch sehr oft!
In den meisten Fällen sind gerade die Menschen wie meine Tochter extrem relaxt wenn man freundlich nachfragt!
Bei ihr ist es so dass sie plötzlich ganz befreit reagiert weil sie merkt dass sich endlich mal jemand für sie interessiert!
Ich versuche es immer so zu vermitteln: Geht so mit ihr um wie ihr selbst behandelt werden möchtet wenn ihr betroffen wäret!
Ev. auch mal überlegen, ob eine psychologische Hilfe für Deine Tochter gut wäre.
Darüber habe ich auch schon nachgedacht!
Ich dachte imm sie packt das locker, denn sie war immer selbstsicher und positiv. Allerdings hat sich das mit der Pubertät schon stark verändert!
Du bist als Mutter sehr betroffen, manchmal kann man da keine gute Hilfestellung geben, da das Kind Dinge verschweigt, um einen nicht zu belasten.
Genau das hat mich wirklich getroffen! Sie schluckt Dinge runter weil sie niemanden damit „belasten“ möchte!

Mobbing in dem Sinne gibt es nicht soweit ich herausgefunden habe. Aber sie hat mir beschrieben dass sie sich sehr oft gar nicht gesehen fühlt. „Die behandeln mich als wäre ich Luft!“ Alleine das zu erleben muss sehr hart und frustrierend sein!
 
Ich war oft dabei.
In diesem Moment natürlich nicht.
Aber ich habe wirklich keinen Grund das anzuzweifeln, da sie mir ja aus falschem Scham solche Dinge fast nie erzählt!
Wenn man nicht dabei ist, ist es schwierig in der Situation jemanden zu sensibilisieren.
Das ist klar. Kinder können grausam sein. Das zu verhindern halte ich für schlicht unmöglich.
Im Gegenteil, in Zeiten von social media ist es natürlich noch übler.
In meiner Schulzeit gab's das auch.
Was würde ich gehänselt wegen dem Hochwasser meiner Hosen.
Ich bin sehr groß und damals gab's nicht die Zwischengrößen.
Ich denke jeder kann da was erzählen, ohne dass er behindert o.ä. ist.
 
Ich vermute, das ist seinem Elternhaus zu verdanken, dass er so stark in sich ist und war.
Ganz sicher!

Du machst dir Sorgen
JA! Weil ich denke sie hat genau wie Andere eine möglichst unbeschwerte Jugend verdient!
sie wird von dir bemitleidet
NEIN! Absolut nicht! Vielleicht habe ich das auch übertrieben aber ich habe ihr immer vermittelt dass sie nicht schwächer, weniger wichtig, weniger fähig weniger liebenswert als Andere auch ist!

Das Motto war immer: JA du brauchst die Brille, die Hörgeräte und die Orthese, aber damit kannst du auch Alles was die Anderen können! Also gehe raus und mach mit!
Ich habe bewusst darauf geachtet kein Helikopter zu sein und sie so selbstbestimmt wie möglich aufwachsen zu lassen!
Ich habe mir dafür auch Fragen anderer Mütter gefallen lassen müssen.
Und bis vor kurzem hat das auch wirklich gut geklappt!
 
Ich bin ja hörgeschädigt, also so richtig und nicht nur ein bisschen.. daher kann ich so einige Schilderungen sehr gut nachvollziehen. Gut, ich bin erwachsen und auch nicht auf den Mund gefallen. Trotzdem bin ich auch schon mit einigem konfrontiert worden... und musste heftig schlucken.

Da war z.B. der Projektleiter-Kollege, der trotz meiner Bitte, ein persönliches Meeting anzusetzen statt einer Telefonkonferenz (weil ich durch die akustische Verzerrung der damals noch gängigen Telefonspinnen nichts verstehen konnte) auf das Meeting per Telco bestand mit dem Hinweis, "das sei für ihn nicht zielführend". - Ich wollte mich dann aus dem Projekt zurückziehen, da es keinen Sinn machte, dabei zu bleiben, wenn ich nichts verstehe. Als meine Chefin den Grund erfuhr gab es die ultimative Ansage für den Kollegen. Für mich war er ab da aber unten durch. Ein menschliches Arxxxloch. Und ich dachte nur "Du kommst auch noch dran."

Dann eine vermeintliche Freundin, die mich beim Doppelkopf-Spielen wie aus heiterem Himmel anbrüllte, es ginge ihr auf den Keks, dass ich so häufig nachfragen würde. Da hab ich dann einfach meine Jacke angezogen und bin gegangen. Habe sie nie wiedergesehen.

Das Highlight war dann aber meine Katastrophenbeziehung, aus der mein Partner mich nicht gehen lassen wollte, ich aber schon alle Weichen zum Abflug gestellt hatte. Da gab er mir dann noch die "taube Sau" mit, die "eh keinen anderen mehr abkriegen würde". Klar wusste ich, das das Quatsch und reine Boshaftigkeit war, weil ich alles an mir habe abprallen lassen. Trotzdem dringt immer doch ein bisschen durch und - wie bei deiner Tochter die Beschimpfung als Krüppel - ist das schon verdammt hart. Man versucht, sich einen Panzer zuzulegen und eben auch oft, sein Handicap zu verdecken, um nicht angreifbar zu sein. Selbstbewusstsein klappt nicht immer.

Noch heute entscheide ich wohldurchdacht, wem ich mein Handicap offenbare und wo ich mich eben so durch die Situation laviere.

Manchmal brauche ich Hilfe - in den Skiurlsub fahre ich z.B. mit einer Freundin, die für mich mithört und mein Handicap kompensiert. Wir sind ein eingespieltes Team.

Man sieht mir mein Handicap noch nicht einmal an, meine langen Haare verdecken die Höris. Sitzt mir mein Gesprächspartner gegenüber und ich kann unterstützend von den Lippen ablesen, verstehe ich eh alles. Wenn ich mich dann doch mal outen muss, damit ich in Situationen adäquat reagieren kann, heißt es erstaunt "Ach, das hab ich gar nicht gemerkt. Ist doch nicht schlimm." Das hasse ich.. und ich denk dann "Das kannst du doch gar nicht beurteilen. Klar ist das schlimm. Unsere Sinne sind der Schlüssel zur Teilhabe am Leben!" Aber ich diskutiere dazu nicht. Ich ziehe mich zurück. Dieser Rückzug ist ein ständiger Kampf, da ich eigentlich ein sehr geselliger und kommunikativer Mensch bin. Es passt aber nicht mehr gut und ich will mich nicht stressen.

Ich will auch oft keine Hilfe. Will viel seltener darüber reden als mich das Leben dazu zwingt. Will mich nicht erklären müssen. Ein Handicap zu haben ist ätzend - wobei es ja viel schlimmere Handicaps gibt als meins. Trotzdem reicht es mir schon. Deine Tochter hat ja ein noch viel schwereres Los gezogen. Und das als Kind - bei mir begann es viel später. Ein tapferes Mädchen!

Und nein, wir sind von einer inklusiven Gesellschaft noch ganz weit weg. Man möchte, dass die Menschen riechen, was man braucht. Nicht darum bitten müssen, nicht entmündigt werden durch übereifrige Helfer. Nicht mehr Hilfe bekommen als man braucht. Das wäre super, ist aber natürlich zuviel verlangt.

Als Hörgeschädigte freue ich mich über Menschen, die mich beim Reden anschauen... und die deutlich sprechen. Schwerhörigkeit ist nämlich nur bedingt eine Frage der Lautstärke, sondern vielmehr eine Frage von Klarheit. Und ich bin auch noch 10 Minuten später schwerhörig. Leider wird das schnell wieder vergessen und dann bin ich wieder gezwungen nachzufragen. Mache ich, klar, aber es nicht machen zu müssen, wäre schon schöner.

Ach, ich könnte noch so viel dazu schreiben...
 

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