Also um ehrlich zu sein klingt das für mich auch mehr nach Bequemlichkeit als psychischen Problemen.
Ich glaube durchaus, dass er diese Diagnosen hat. Und auch, dass sie ihm die Arbeit grundsätzlich erschweren. Aber: erschwert heißt in der Regel nicht unmöglich. Dann soll er eben nur 25h auf Teilzeit arbeiten oder sich eine Arbeit suchen, bei der er sich nicht so konzentrieren muss.
Stell ihn vor die Wahl: Entweder er geht arbeiten, zumindest Teilzeit. Fühlt er sich dazu nicht in der Lage, soll er ne Therapie machen, einschließlich aller verschriebenen Medikamente. Denn wer krank ist, der soll gefälligst zum Arzt. Dass du wenigstens Hoffnung haben kannst, dass sich mal was bessert. Und wenn er sich da auch weigert, dann eben die Trennung. Und sollte er dann arbeiten und wieder schmeißen oder zur Therapie gehen, aber auch nur für 2 Wochen, dann auch die Trennung.
Ich fürchte aber, dass er seine Krankheiten eher bequem findet. Denn Arbeit ist ätzend, für alle, auch für Gesunde. Nur wenige haben das Glück, einen Job zu haben, der ihnen Spaß macht. Die meisten leben von Wochenende zu Wochenende, Urlaub zu Urlaub und zählen die verbleibenden Jahre bis zur Rente.
Und dann ist es so: kriegt man eine psychische Diagnose, dann kann man die für 2 Dinge nutzen: man kann es machen wie du, sich darüber freuen, dass man jetzt wenigstens weiß, was mit einem los ist, und die Diagnose dazu nutzen, um für sich Wege zu finden, dennoch für sich selber sorgen zu können und im Leben irgendwie zurecht zu kommen. Oder man macht es wie er: freut sich über die Diagnose, weil man jetzt endlich eine Ausrede hat, um alle unangenehmen Aufgaben des Alltags mit Hinweis auf die Krankheit von sich weisen zu können. Da will man dann auch gar nicht gesünder werden, denn dann fiele ja die Ausrede weg.
Wenn du mich fragst, liebt er dich nicht. Sonst wäre es ihm nicht egal, was deine Eltern - also seine potenziellen Schwiegereltern - über ihn denken. Oder dass du als ebenfalls Kranke umso mehr Lasten tragen musst.
Vielleicht wäre eine Trennung da wirklich hilfreich, auch für ihn. Bei manchen macht es dann Klick und sie ändern doch was (macht man davor nicht, weil erst mit der Trennung der Leidensdruck groß genug wird). Bzw. weil einem nichts anderes übrig bleibt. Weil das Jobcenter einem irgendwann aufs Dach steigt, das dreckige Geschirr schon Beine kriegt und davonläuft und man mangels sauberer Kleidung auch nicht mehr mit den Freunden raus kann. Gerade muss er nichts davon tun. Um Wäsche und dreckige Teller kümmerst du dich und dank Bedarfsgemeinschaft bleibt das Jobcenter - so du nicht ohnehin für alles zahlen musst - auch gechillter als wenn sie alles ganz zahlen müssten. Wozu also was tun?