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Messerangriff in Hamburg: Polizeigewerkschaft fordert Änderung des Datenschutz und Aufweichung der ärtzlichen Schweigepflicht für psychisch Kranke

Bingenervt

Aktives Mitglied
Hallo Ihr Lieben,
es wundert mich, dass hier noch keiner einen Thread zu diesem Thema aufgemacht hat.
Ich war ehrlich gesagt ziemlich entsetzt über diesen erst einmal sehr lapidar in den Raum gestellten Vorschlag. Dazu noch eine engmaschigere Überwachung von bereits gewalttätig gewordenen psychisch Erkrankten.

Was meint ihr dazu?
 
Ich glaube, das ist ein ganz heißes Eisen. Auf der einen Seite steht natürlich das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt/Therapeuten sowie die persönlichen Freiheitsrechte. Beides wäre bei so einem Vorgehen natürlich sehr stark beeinträchtigt.
Auf der anderen Seite steht der Schutz der Allgemeinheit und ggf. der erkrankten Person selbst.
Ich denke, hier käme es sehr stark auf die Umsetzung an. Geht es wirklich nur um Personen, die bereits gewalttätig geworden sind, oder auch um Leute die evtl. durch ihre psychischen Erkrankung gewalttätig werden könnten (denn das trifft ja auch oft auf Menschen zu, die keine Erkrankung haben)? Geht es um den ersten Fall, würde ich durchaus zustimmen, beim zweiten Fall, oder wenn es noch weiter gehen sollte, nicht.
Bin bei dem Thema selbst hin und her gerissen.
 
Hä?

Ich habe ein Grundrecht auf körperliche und seelische Unversehrtheit. Wenn sich "der Staat" nicht darum kümmert, dann werden es Bürgerwehren, AfD und sonstige krude Vereinigungen tun. Es geht wohlgemerkt nicht gegen psychisch Kranke, sondern um mehrfach tätig gewordene Gewalttäter. Das ist noch ein kleiner, aber feiner Unterschied!
 
Naja, als chronisch unheilbar psychisch kranker und dadurch behinderter Mensch kriege ich sowas durchaus mit, soweit ich überhaupt Nachrichten mitbekomme.
Bezüglich solcher und anderer für uns wichtiger Infos folge ich auch der Arbeit des

BPE - Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V..​

Zwar sehe ich auch die Initiativen durchaus kritisch, aber die für uns als Betroffenen wichtigen Infos bekomme ich da.
Was soll ich also zu diesem Thema sagen...
vieles könnte ich sagen, will ich aber nicht.
de facto ist auch diese Sache, wie so vieles, ein zweischneid*ges Schw*rt. Das wird sicher noch mehr und mehr in der Richtung umgesetzt, hat besonders für uns chronisch kranke, mit dem Risiko, auch, wiederholt, in die Psychiatrie zu müssen, und für die psychiatrische Behandlung enorme Risiken...
Und - ganz persönlich - finde ich es überhaupt ganz und gar besorgniserregend und ungut, dass heutzutage die meisten Straftäter einfach mal mit dem Stempel ,psychisch krank' versehen werden, auch das wird und tut es schon, sich bitter bitter rächen...
Aufhalten kann ich diese Entwicklung nicht.
Für uns Betroffene wirklich wichtige Initiativen sind sowas wie der BPE.

Bei diesem Thema kann ich nebenbei auch darauf aufmerksam machen, dass es die Möglichkeit gibt, einer Patientenverfügung mit Auswirkungen auf die psychiatrische Unterbringung und Behandlung, eine sehr wichtige Sache, von der ich selbst noch keinen Gebrauch gemacht habe, die ich aber für wirklich gut einschätze.
 
Ach, noch etwas fällt mir dazu ein. Der BPE berichtet auch gelegentlich von Todesfällen die dadurch bedingt sind, dass Polizeibeamte leider nicht ausreichend geschult sind und in einer akkuten Situation, wenn jemand durch ein psychisches Problem wirklich abdreht, was es ja ausreichend geben kann, nicht damit passend umgehen können. Was sie da vorhaben, könnte zu noch mehr Gefährdung von psychisch kranken in einer totalen Krisensituation führen.
Wobei ich mich aber distanziere von der Sichtweise des BPE, alle, die den Stempel ,psychisch krank' aufgedrückt bekommen, gleich anzusehen.
Ich habe so viele verschiedene Mitpatienten kennen gelernt.
Ja, aus einer psychiatrischen Krankheit kann man gew*lttätig werden. Oder auch gefährdet für Am*kgedanken.
Und ja, leider ist die Situation hier im Land super schlimm, dass jeder, der sich mit derartigen Problem in Behandlung begeben und Hilfe suchen möchte, ohne Probleme frei rum laufen kann.
Ich finde es aber absolut unpassend und nicht in Ordnung, perse einen M*sserstecher oder Am*kläufer der sich Straffällig gemacht hat, ohne Vorgeschichte und die anderen in einen Topf zu werfen.
Da macht es sich unsere Gesellschaft, die psychiatrische Medizin und das Rechtswesen noch viel zu einfach und jeder weist im Grunde jede Verantwortung von sich.

Eins kann ich mit Sicherheit berichten, für jemanden mit Am*gedanken, der nicht mehr jung ist, gibt es nicht eine Anlaufstelle. Es gibt nur die Möglichkeit, sich einzuweisen oder eingewiesen zu werden, und wenn man aber gerade für niemanden eine Gefahr darstellt, kann man auch genausogut wieder gehen.

Die Gefährdungslage und die psychiatrische Versorgung hier im Land in gegenseitiger Wechselwirkung sind katastrophal.
 
P.S.
Immerhin gibt es erste Initiativen an Unikliniken, dass sich Menschen mit ungesunden Trieben in Therapie & Behandlung begeben können, bevor etwas passiert.
Für Menschen mit einer Problematik, die zu Gewalttaten führen könnte, gibt es das so nicht.
 

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