Sie hat Dir einen klaren Grund genannt, nämlich daß sich die Qualität Eurer Beziehung seit dem Zusammenziehen verändert hat. Weniger Abwechslung, weniger Leichtigkeit, weniger Spontanität. Ich würde das ernst nehmen. Du sagst ja selbst, daß sich das verändert hat.
Der Knackpunkt ist wahrscheinlich, dass sie diese Veränderung als negativ empfindet und ich als okay bis positiv.
Ich denke, dass man daran zum Teil arbeiten kann. Wir haben auch in den letzten Jahren in der warmen Jahreszeit mehr unternommen, waren mehr unterwegs als in der kalten. Denke, dass es wieder etwas mehr wird.
Zu einem Teil finde ich es aber auch schön, nach Hause zu kommen und einfach zu Hause zusammen zu sein. Ich muss nicht jeden Tag ausgehen, unterwegs sein, da und dort jemanden treffen oder etwas unternehmen.
Ein Punkt ist dabei sicher, dass unser Arbeitsalltag unterschiedlich ist. Bei ihr hauptsächlich Schreibtischarbeit, phasenweise 100%, phasenweise weniger und sie ist auch unterwegs. Sie ist also die, die zu Hause ist und dann raus will, wenn sie Feierabend hat. Ich habe oft 12h-24h Schichten und manchmal Wochen in denen ich 60 Stunden arbeite (ist nicht die Regel, aber kommt vor allem im Winter und in speziellen Zeiten gehäuft vor). Für mich ist nach Hause kommen schön, ich freue mich auf unser gemeinsames Reich und vor allem meine Freundin.
Was sich verändert hat: mein Arbeitspensum war schon immer so, früher eher noch mehr. Mir hat das früher weniger ausgemacht, ich war auch nach einer langen Schicht noch bereit, mit ihr essen zu gehen und etwas zu unternehmen, konnte die Müdigkeit übergehen. Das fällt mir jetzt schwerer, wahrscheinlich weil ich älter bin und nicht mehr so belastbar wie noch vor ein paar Jahren.
Das was ihr aktuell fehlt in ihrem Leben und der Beziehung, das Leichte, Unbeschwerte, viel unterwegs sein, Spontane... Wird sie noch viel viel weniger haben, wenn Kinder da sind. Dann ist diese Freiheit und Umbeschwertheit erst mal vorbei. Das ist ihr sicher klar. Sie ist auch älter geworden. Wenn ein Kind aus dem Haus wäre und sie ihr Leben so wie sie es mag wieder aufnehmen könnte, wird sie 60 sein.
Gute und richtige Gedanken. Danke!
Vielleicht hat sich ihre Priorität dahingehend wirklich verändert? Vielleicht möchte sie inzwischen die Einschränkungen, die eine Familiengründung mit sich bringt nicht mehr in Kauf nehmen. 5 Jahre sind eine lange Zeit. Da können sich Pläne ändern. Vielleicht mag sie sich das selbst noch nicht so eingestehen, weil es für sie immer so klar war, daß das ihr Lebensplan war?
Vielleicht ist das so. Das ist auch okay, sowas darf sich ändern. Aber es wäre für uns als Paar sehr traurig, weil wir dann so unterschiedliche Dinge vom Leben wollen, die sich nicht mit einem Kompromiss lösen lassen.
Ansonsten ist mir noch aufgefallen, daß Ihr in den letzten Jahren oft über längere Zeit getrennt wart, außerdem ja sowieso getrennt gewohnt habt, daß Ihr weniger Routine und Alltag miteinander erlebt habt als nach Eurem Zusammenzug. Vielleicht hat sich die Beziehung tatsächlich dadurch lebendiger und für sie angefühlt. Und jetzt fühlt sie die Routine und Berechenbarkeit vielleicht auch als Langeweile. Dazu würde passen, daß im Urlaub alles schön und easy war, zuhause im Alltag aber wieder nicht.
Das stimmt schon, wobei ich die letzten rund 1,5 Jahre vor dem Zusammenziehen eigentlich schon fast wie gemeinsam Wohnen betrachtet haben. Wir waren vielleicht eine Nacht pro Woche getrennt, oft wenn ich einen Nachtdienst hatte, aber so meistens beieinander und hatten in den jeweiligen Wohnungen einen eingespielten Alltag. Mehr in ihrer, als in meiner, aber trotzdem.
Das ist ja auch eine Veränderung, wenn eine Beziehung aus den aufregenden abwechslungsreichen Anfangszeiten in ruhigeres Fahrwasser kommt und statt aus gemeinsamen Verabredungen und Unternehmungen überwiegend aus Alltag besteht.
Das stimmt.