[....]Aber ist halt ein Unterschied, ob man irgendwo in einem Bergdorf lebt oder hier im Ruhrgebiet. Ich lade dich gern mal ein. Und dann gehen wir beiden mal nach 20 Uhr durch bestimmte Stadtteile. Dann wird dir ein Licht aufgehen.[/QUOTE]
Was mich immer sehr traurig macht, ist dass die Mehrheit der Deutschen sich nie klarmacht, aus welcher Bevölkerungsschicht die hier in Deutschland lebenden Türken eigentlich stammen.
Nicht alle, aber der größte Teil sind doch Nachkommen der eingewanderten Gastarbeiter. Welche soziale Gruppe von Türken entschloss sich, Familienmitglieder nach Deutschland zu schicken, damit diese dort in den Fabriken arbeiten sollten, und den Familien zuhause Geld schicken sollten? Na? Richtig: Einfache Bauern vom Land, höchstens noch Arbeiterfamilien.
(NIX GEGEN BAUERN UND ARBEITER; GELL !!)
WIe sah es in den 60er Jahren auf den deutschen Dörfern aus? Welche Werte und Vorstellungen haben dort vorgeherrscht? Die Türkei liegt in ihrer Entwicklung noch viel weiter zurück.
Alle damals machten sich vor, die Gastarbeiter würden zurückkehren, in die Türkei. Die Familien mischten sich also nicht unter's Volk, blieben für sich. Erzogen ihre Kinder, wie sie es zu Hause erlebt und gelernt hatten.
Und wenn sie dann die Sommerferien in der Türkei verbrachten (und das gilt zum Teil noch heute), sagten dort die Verwandten zu ihren Teenie-Kindern: Dein konservativer Onkel aus Deutschland kommt zu Besuch. Also die nächsten drei Wochen nix Disco, ja? Und dass du dich ja anständig aufführst.
Denn die in Deutschland lebende Gemeinde hatte vor lauter "Traditionen und Werte bewahren" nicht mal mitgekriegt, dass sich die Zeiten auch in der TÜrkei schon lange geändert haben.
Und die nächsten Generationen wollen bleiben, und müssen mit der verpatzen Integration (da hat keine Seite wirklich Schuld, dass das mit der Heimkehr nicht stattfinden würde, hat ja keiner damals geblickt) zurechtkommen. Und ich finde, viele machen das sehr gut. Andere - wahrscheinlich der größere Teil - haben massive Komplexe entwickelt, und schieben jedes Problem auf die angebliche "Ausländerfeindlichkeit" der Deutschen.
Und deren Kinder suchen ihre Identität eben teilweise (zu einem extremst geringen Teil, würde ich sagen) in der Zugehörigkeit zu Gruppen. Und da sie etwas konstruktives, Gutes tun wollen, sind sie eher gutgläubige Opfer für fundamentalistische Organisationen, als der durchschnittliche deutsche Jugendliche. So kann ich mir das zwar vorstellen, habe aber ehrlich gesagt in Deutschland noch keine religiös eifernden Jugendlichen persönlich getroffen.
Jedenfalls, um zum ursprünglichen Gedanken zurückzukommen, stimmt es mich traurig, dass viele Menschen in Deutschland ihr Türkei- und Türkenbild an den hier lebenden Türken orientieren. Das ist zwar verständlich, aber eben nicht richtig, da der größte Teil von ihnen Nachfahren der damaligen Gastarbeiter sind, und damit nicht repräsentativ für die Bevölkerung der Türkei.
Dass die (hoffentlich meinungsbildende.....) Elite in der Türkei durch und durch europäisch gesinnt ist, wissen wir ja , aber sie haben es eben schwer, das ist da drüben alles noch nicht so prima organisiert und kann noch ein wenig dauern.
Aber es wird !!!
Noch etwas: Ich werde oft gefragt, warum den meine "Landsleute" nicht auf den Strassen demonstiert hätten, nach dem elften September, oder zu ähnlichen Gelegenheiten, um zu zeigen, dass sie so eine himmelschreiende Ungerechtigkeit verurteilen.
Ganz einfach: Die politische Kultur, aus der wir stammen, ist noch nicht so weit, dass sich Bürger mal schnell so mir nichts, dir nichts, politisch engagieren. Entweder man ist ein POLITISCHER, oder man ist privat. Und aus der Politik halten sich die meisten lieber raus. (JA, ich geb's zu, es ist zu gefährlich.) Außerdem sind meine lieben Landsleute irgendwie falsch gepolt, was die Prioritäten angeht. Viele schaffen's ja noch nicht mal auf den Elternsprechtag. Naja, die heutigen ELtern sind schon viieeell besser. Bildung macht's möglich. Danke, Deutschland. Ich liebe dich.
GAST
P.S.: Mikenull, am meisten liebe ich übrigens Frankreich... Je l'ADORE, la France!