Habe jetzt mal nach diesem Buch geschaut und eine Leseprobe gefunden.
"Ichhaftigkeit
Man stelle sich vor, daß ein alter Mann auf der Straße hin-
gefallen ist und daß ein jüngerer herbeieilt, um ihm zu hel-
fen. Eine solche Hilfeleistung kann zwei verschiedenen
Zwecken dienen. Entweder ist ihr Zweck, daß dem Ver-
unglückten geholfen werde, oder aber, daß der Helfer sich
durch seine gute Tat ein Verdienst erwerbe.
Überwiegt der erste Zweck, so nennen wir die Funktion des Handelnden„sachlich" oder „wirhaft", überwiegt der zweite, so nen-
nen wir sie „ichhaft" oder „unsachlich".
Freilich werden immer beide Zwecke zugleich wirksam
sein. Aber welcher von ihnen überwiegt, läßt sich leicht
angeben, wenn man sich vorstellt, die Hilfeleistung sei
nicht zustande gekommen. Dann wird der Helfer in bei-
den Fällen ein Bedauern spüren. Aber der sachlich Einge-
stellte wird an den Gegenstand seiner erfolglosen Be-
mühungen denken, an den verunglückten alten Mann. Er
wird sich etwa fragen, wie es ihm weiterhin ergangen sein
mag und ob er wohl allein nach Hause gehen konnte.
Der ichhaft Eingestellte wird darunter leiden, daß er seine gute
Tat nicht hat tun können. Er wird sich Vorwürfe machen
oder sich zu entschuldigen suchen. Auf jeden Fall werden
seine Gedanken sich mit ihm selber beschäftigen. Der
eigentliche Gegenstand seiner Bemühungen war vorher
derselbe, der er jetzt ist: sein liebes Ich."
Was denken die anderen über mich, bin ich gut genug, tue ich das richtige usw. Alles dreht sich nur um's Ich.
Sagt man so jemanden, er solle nicht nur an andere denken um ihnen zu gefallen, sondern auch mal an sich, verstärkt sich dieses Problem noch umso mehr.
An andere Denken von sich losgelöst hilft ungemein.
Anderen helfen zu wollen aus Mitgefühl und nicht weil man sich dadurch als besserer Mensch fühlen will.
Dann geht man irgendwohin und schaut wie man etwas zum Wohlbefinden aller beitragen kann. Einfach weil es einen freut wenn es jemand anderem evtl ein Stück weit besser geht.
In der Bahn jemandem zu lächeln, der Person an der Kasse zu lächeln und freundlichen grüßen. Das macht den Tag für jeden schöner und angenehmer.
So bin ich von der Angst weg gekommen. Es geht nicht mehr nur um mich.
Anderen etwas zu geben, wenn auch nur minimal, erschafft eher dieses Gemeinschaftsgefühl. Die anderen sind keine Feinde mehr vor deren Bewertung ich Angst haben muss. Sie sind genauso wie ich.
Sich in andere hinein zu versetzen, hilft auch.