Marisol
Sehr aktives Mitglied
Ich war auch schon bei unzähligen T/herapeuten, aber die Probleme blieben trotzdem.
Ich sage dir jetzt, wie ICH vorgehen würde. Ohne Garantie für irgendwas. Lies einfach und guck, ob du damit etwas anfangen kannst.ich leide seit vielen Jahren unter einer Sozialphobie und die einfachsten Sachen wie einkaufen oder mit der Bahn fahren fallen mir zurzeit ziemlich schwer. Sobald ich unter Menschen muss, fühle ich mich total schlecht, ich habe andauernd das Gefühl von allen beobachtet zu werden und denke immer irgendwas ist falsch an mir. Es gibt keinen Tag, wo ich mal nicht nervös oder angespannt bin.
Zunächst würde ich mir eine Tafel vorstellen und auf der Tafel steht in Großbuchstaben "SOZIALPHOBIE". Nun nimmst du einen Schwamm, tauchst ihn in Wasser, drückst ihn aus und wischst das Wort weg. Ratzekahl. Dann trocknest du die Tafel und drehst dich um.
Das Wort ist wie ein Etikett, welches dein Verhalten eigentlich nur benennen soll, es jedoch verstärkt.
Stelle dir vor, was passieren würde, wenn TATSÄCHLICH irgendein Mensch in Bus, Bahn oder an der Kasse innerlich über dich richten würde. Denken würde. "Boah, was hat die denn für eine Jacke an!?" oder "Was für eine hässliche Frisur!" oder "Warum glotzt die so blöd?" Weißt du, was passieren würde? Richtig! Exakt NICHTS. Es ist wurstegal, was irgendwelche Menschen in diesem Kontext über uns denken. Wir kriegen es gar nicht mit, aufgrund sozialer Übereinkünfte sprechen wir solche Dinge nicht aus. Es ist vollkommen irrelevant, was jeder so vor sich hindenkt.
Du hast Angst, von anderen Menschen als "nicht gut genug" wahrgenommen zu werden. Vielleicht wurde dir schon als kleines Mädchen beigebracht, nicht aufzufallen, nicht zu nerven, brav zu sein, weil du sonst eventuell nicht gemocht wirst. Typische Muster, die leider ins Maßlose wachsen können und gekappt gehören.
Versuche, parallel zum Training der Indifferenz, dir behagliche Momente mit Menschen zu verschaffen. Ich bin keine Kirchgängerin, weiß aber, dass Kirchen Gruppen anbieten für alle Altersgruppen, innerhalb derer man sehr nett miteinander umgeht. Oder stärke dein Gefühl für dich, indem du im Tierheim nach einer Tätigkeit anfragst. Oder im nächsten Altenheim.
Zarte, introvertierte Menschen haben oft erstaunliche Talente. Magst du singen? Zeichnen? Gar tanzen? Noch etwas zum Trost: Wir sind als Menschen Lebewesen, die sich immer auf ihre Artgenossen beziehen. Wir gucken uns an und denken so vor uns hin. Und haben manchmal Angst und manchmal Mut. So sind wir ALLE. Kein Mensch ist NUR selbstbewusst und strong. Und keiner besteht nur aus Angst. In jedem Menschen, der verzagt und ängstlich zerdenkt, was die anderen über ihn denklen könnten, steckt ein Kind, welches einfach nur raus möchte, sich Wind um die Nase wehen lassen und - leben. Das ist jetzt dran. Ich wünsche dir, dass du deine Ängste relativieren kannst und für eine Weile das Etikett "Sozialphobie" mal weglässt.
(Ich fahre täglich mit Bus und Bahn und verrate dir noch schnell mein persönliches Geheimrezept: Ich wurde tatsächlich mehrfach in den Öffis angesprochen und habe mir angewöhnt, es wie mit den Horoskopen zu halten: Nur das, was mir Freude macht, nehme ich mit. Der Rest juckt mich nicht.)