Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Umgehen mit Stigmatisierung...

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 129299
  • Datum Start Datum Start
Hey @Löwenhase
ja, das ist sehr komplex mit dem Outing und weil jeder Mensch mit einer psychischen Erkrankung und jeder Mensch, der keine hat und mit dieser Information umgehen muss, ganz individuell ist, gibt es wohl auch keine allgemeingültige Lösung.

Man muss da ein bisschen Zeit vergehen lassen und hinspüren, wie die Leute dazu stehen und dann abwägen, ob man sich outet. Ich habe zum Beispiel einen sehr lieben Freund, den ich wirklich gerne mag, der aber im Zusammenhang mit psychischen Krankheiten von "Irrenhaus" spricht. Na ja, es ging um eine historische Geschichte und einen Musiker, der in den 50er Jahren in der Psychiatrie war. Vermutlich hat sich der Freund gar keine weiteren Gedanken gemacht, wie man das benennt. Er fragte dann mich auch, wie nennt man das eigentlich (obwohl er nicht weiß, dass ich eine Diagnose habe, glaube ich zumindest). Ich denke, vor ihm würde ich mich nicht outen. Das bringt ja nichts. Da müsste ich ein dreitägiges Seminar halten, damit er alle Zusammenhänge versteht.

Ich habe da schon ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht mit dem Outing, das hing immer davon ab, wie ich mich geoutet habe und wie viele Details meiner Krankheit Menschen mitbekommen haben und natürlich an der Unvoreingenommenheit und Offenheit der Menschen. Ich wurde schon ausgelacht, eine Freundin sagte einfach, Sachen gibt's und dann ging es weiter wie vorher, Menschen haben Angst bekommen vor mir, manche verlieren das Vertrauen oder werden tatsächlich überfürsorglich. Es ist ein Trauerspiel. Ich oute mich kaum noch deswegen.

Viele Fragen gestellt werden nicht. Ich glaube, die Menschen trauen sich das eventuell nicht, weil sie überfordert sind und Angst haben, dass da jetzt ganz schreckliche Geschichten dahinterstecken, mit denen sie gar nicht umgehen können.

Mein größtes Problem ist, dass ich wegen der Krankheit unterschätzt werde. Ich bin nicht unintelligent, ich bin fleißig, einigermaßen organisiert, kreativ, und kann mich in viele theoretische und praktische Dinge gut reinarbeiten und bin (ein bisschen zu) lieb und lustig. Aber man glaubt mir das nicht, weil ich doch ab zu ein wenig nervös bin, unsicher, zu emotional vielleicht.

Wenn jetzt noch ein Outing dazukommt, dann kippt das doch vollständig. Und ich glaube, das ist bei dir passiert, Löwenhase, eventuell hat deine Bekannte ein bisschen gespürt, dass du anders bist und dann kam die Diagnose dazu und jetzt ist sie vollständig verunsichert und überfordert, wie sie mit dir umgehen soll.

Wie kannst du ihr die Angst nehmen, ich weiß auch nicht. Das ist gerade auch ein Thema von mir. Nimm es ihr nicht übel vielleicht. Wenn sie sagt, wie soll ich denn mit einer psychisch Kranken reden, dann lach vielleicht und sag, hey, wie mit jedem anderen auch, ich bin immer noch dieselbe, die Diagnose macht mich nicht zu einem anderen Menschen, versuch das zu verstehen bitte. Ich finde, das ist eine gute Strategie. Vielleicht kannst du sie erreichen und wenn sie nicht, vielleicht kannst du andere so erreichen. Mehr kann man doch im Alltag nicht machen gegen die Stigmatisierung von psychisch Kranken, nur selbst versuchen, ein gutes Beispiel zu sein. 🙂
 
A

Anzeige

Re: Umgehen mit Stigmatisierung...
Ich denke, euer Problem ist auf der persönlichen Ebene und wäre vermutlich früher oder später auch ohne Erkrankungen oder Störungen aufgeploppt.

Davon abgesehen würde ich persönlich max. von meinem allerengsten Umfeld - sprich meinem Partner - erwarten, dass er die Zusammenhänge meiner zeitweisen gesundheitlichen Einschränkungen versteht.

Wozu soll das ansonsten gut sein? Wenn man Ü50 oder noch älter ist, haben doch die meisten irgendwas.....ich hab auch nicht "auf dem Schirm", wer im Detail welche Beschwerden hat.

Ich sehe das so, ganz allgemein: Wenn eine Person Verständnis erwartet, weil sie sich in einer Thematik nicht auskennt, mit der sie sich bewusst nicht auseinander setzen möchte, ist das eine - die Person hatte damit nie etwas zu tun, ist unwissend, kann nichts dafür - das andere eine bewusste Entscheidung - man möchte davon nichts wissen, nichts verstehen usw.
Oder kurz gesagt, die andere Person möchte auf dem Stand der Unwissenheit stehen bleiben.

Wie gesagt, das ist vollkommen okay. Aber dann finde ich sollte man auch kein Verständnis erwarten, dass man sich "überfordert fühle" oder "keine Ahnung habe", denn man hat sich selbst bewusst dafür entschieden.

So sehe ich das zumindest, dass man sich dann nicht beschweren sollte, wenn man dann mit Vorurteilen um sich wirft, denn man könnte manches ja verstehen, will es aber nicht verstehen.

Ist vielleicht hart.
Aber meine Sichtweise dazu.
Zu egal welchem Thema. Also nicht nur psychischen Krankheiten und Vorurteilen. Sondern auch andere Themenbereiche wie Zb wenn man Vorbehalte wegen anderen Glaubensrichtungen hat, gegenüber Homosexuellen, Vorbehalte wegen anderer Nationalitäten.

Ich denke mir dann immer: Die Person entscheidet sich bewusst für ihre Vorurteile.
 
Hey @Löwenhase
ja, das ist sehr komplex mit dem Outing und weil jeder Mensch mit einer psychischen Erkrankung und jeder Mensch, der keine hat und mit dieser Information umgehen muss, ganz individuell ist, gibt es wohl auch keine allgemeingültige Lösung.

Man muss da ein bisschen Zeit vergehen lassen und hinspüren, wie die Leute dazu stehen und dann abwägen, ob man sich outet. Ich habe zum Beispiel einen sehr lieben Freund, den ich wirklich gerne mag, der aber im Zusammenhang mit psychischen Krankheiten von "Irrenhaus" spricht. Na ja, es ging um eine historische Geschichte und einen Musiker, der in den 50er Jahren in der Psychiatrie war. Vermutlich hat sich der Freund gar keine weiteren Gedanken gemacht, wie man das benennt. Er fragte dann mich auch, wie nennt man das eigentlich (obwohl er nicht weiß, dass ich eine Diagnose habe, glaube ich zumindest). Ich denke, vor ihm würde ich mich nicht outen. Das bringt ja nichts. Da müsste ich ein dreitägiges Seminar halten, damit er alle Zusammenhänge versteht.

Ich habe da schon ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht mit dem Outing, das hing immer davon ab, wie ich mich geoutet habe und wie viele Details meiner Krankheit Menschen mitbekommen haben und natürlich an der Unvoreingenommenheit und Offenheit der Menschen. Ich wurde schon ausgelacht, eine Freundin sagte einfach, Sachen gibt's und dann ging es weiter wie vorher, Menschen haben Angst bekommen vor mir, manche verlieren das Vertrauen oder werden tatsächlich überfürsorglich. Es ist ein Trauerspiel. Ich oute mich kaum noch deswegen.

Viele Fragen gestellt werden nicht. Ich glaube, die Menschen trauen sich das eventuell nicht, weil sie überfordert sind und Angst haben, dass da jetzt ganz schreckliche Geschichten dahinterstecken, mit denen sie gar nicht umgehen können.

Mein größtes Problem ist, dass ich wegen der Krankheit unterschätzt werde. Ich bin nicht unintelligent, ich bin fleißig, einigermaßen organisiert, kreativ, und kann mich in viele theoretische und praktische Dinge gut reinarbeiten und bin (ein bisschen zu) lieb und lustig. Aber man glaubt mir das nicht, weil ich doch ab zu ein wenig nervös bin, unsicher, zu emotional vielleicht.

Wenn jetzt noch ein Outing dazukommt, dann kippt das doch vollständig. Und ich glaube, das ist bei dir passiert, Löwenhase, eventuell hat deine Bekannte ein bisschen gespürt, dass du anders bist und dann kam die Diagnose dazu und jetzt ist sie vollständig verunsichert und überfordert, wie sie mit dir umgehen soll.

Wie kannst du ihr die Angst nehmen, ich weiß auch nicht. Das ist gerade auch ein Thema von mir. Nimm es ihr nicht übel vielleicht. Wenn sie sagt, wie soll ich denn mit einer psychisch Kranken reden, dann lach vielleicht und sag, hey, wie mit jedem anderen auch, ich bin immer noch dieselbe, die Diagnose macht mich nicht zu einem anderen Menschen, versuch das zu verstehen bitte. Ich finde, das ist eine gute Strategie. Vielleicht kannst du sie erreichen und wenn sie nicht, vielleicht kannst du andere so erreichen. Mehr kann man doch im Alltag nicht machen gegen die Stigmatisierung von psychisch Kranken, nur selbst versuchen, ein gutes Beispiel zu sein. 🙂
Ja, kann sein, dass Humor da hilfreich ist.
In dem Moment, wie gesagt, war ich eher perplex, sodass ich mich für Rückzug entschieden hatte.
Das Gespräch wollte ich dann auch nicht weiter führen.

Und wie gesagt, ich wollte dann auch nicht den Erwachsenen spielen, der dann wieder nachfrägt wie das gemeint war. Oder der dann sagt: "Wenn du Fragen hast, kannst du sie gerne jederzeit stellen, wenn du dir bei etwas unsicher bist."

Für mich ist das eben wegen negativer Vorerfahrungen auch nicht mehr so leicht mich dann doch zu öffnen, das Gespräch zu suchen, nachzufragen usw.

Deshalb erzähle ich das auch so gut wie niemandem mehr.
Habe zB eine Bekannte, die eine Weiterbildung zur Heilerzieherin für Psychotherapie macht und ständig bei sich und anderen was diagnostiziert.
zb sagt sie, wenn sie emotional und pampig in ihrer Beziehung reagiert gegenüber ihrem Partner, dass das ja typisch Borderline wäre usw.
Und ich denke mir: Es gibt kein typisch Borderline. Nicht jeder mit der Erkrankung reagiert nach außen gerichtet usw.

Ähnlich wie in dein Beispiel mit dem Freund, der von "Irrenhaus" spricht.
Da denke ich mir auch, sie setzt sich zwar damit auseinander, aber es wirkt doch recht stereotyp.
 
Wie gesagt, das ist vollkommen okay. Aber dann finde ich sollte man auch kein Verständnis erwarten, dass man sich "überfordert fühle" oder "keine Ahnung habe", denn man hat sich selbst bewusst dafür entschieden.

So sehe ich das zumindest, dass man sich dann nicht beschweren sollte, wenn man dann mit Vorurteilen um sich wirft, denn man könnte manches ja verstehen, will es aber nicht verstehen.
Ach, kennst du das nicht bei den Menschen. Den meisten fällt es doch ungeheuer schwer, zuzugeben, dass sie mal etwas nicht wissen, dass sie auch mal überfordert sind, hilflos. Ich weiß gar nicht, woran das liegt, an unserer unguten Leistungsgesellschaft vielleicht, in der wir gar keine Schwächen zugeben dürfen.

Ich finde das immer viel angenehmer und entspannter, wenn jemand, wenn er keine Ahnung hat, das dann auch zugibt und einfach sagt, ach Mensch, da weiß ich gar nichts darüber, erklär doch mal. Und auch viel souveräner. Zu seinen Schwächen zu stehen, das ist doch wahre Stärke?

Vielleicht ist deine Bekannte so ein Typ. Sie kann ihre Überforderung nicht zugeben, reagiert deshalb auf diese Information, die du ihr gegeben hast mit Vehemenz aber spontan falsch, weil ihr eigentlich Informationen fehlen, um richtig zu reagieren. Sie traut sich aber nicht nachzufragen, weil sie dann Schwäche zugeben müsste. Ein ganz unguter Kreislauf...
 
Zuletzt bearbeitet:
Ach, kennst du das nicht bei den Menschen. Den meisten fällt es doch ungeheuer schwer, zuzugeben, dass sie mal etwas nicht wissen, dass sie auch mal überfordert sind, hilflos. Ich weiß gar nicht, woran das liegt, an unserer unguten Leistungsgesellschaft vielleicht, in der wir gar keine Schwächen zugeben dürfen.

Ich finde das immer viel angenehmer und entspannter, wenn jemand, wenn er keine Ahnung hat, das dann auch zugibt und einfach sagt, ach Mensch, da weiß ich gar nichts darüber, erklär doch mal. Und auch viel souveräner. Zu seinen Schwächen zu stehen, dass ist doch wahre Stärke?

Vielleicht ist deine Bekannte so ein Typ. Sie kann ihre Überforderung nicht zugeben, reagiert deshalb auf diese Information, die du ihr gegegeben hast mit Vehemenz aber spontan falsch, weil ihr eigentlich Informationen fehlen, um richtig zu reagieren. Sie traut sich aber nicht nachzufragen, weil sie dann Schwäche zugeben müsste. Ein ganz unguter Kreislauf...
Könnte sein.
Ich weiß, dass sie sich mit dem Thema null auskennt und Fragen stellt sie auch nicht.

Dennoch habe ich dann noch weniger Verständnis für ihre Reaktion.
Denn zwischen meinem "Outing" und ihrer Reaktion lagen einige Monate.
Und wie gesagt, ich habe auch nicht Lust ständig der Erwachsene zu sein, der das dann wieder anspricht, geduldig ist, Verständnis zeigen muss usw.

Ich möchte von meinem Gegenüber auch mal erwarten können Schwächen oder Ängste selbst anzusprechen, statt dass ich mir auf wiederholte Nachfrage 4 Mal anhören darf, es sei nichts, und wenn ich sage, okay, dann komm klar, es doch heißt "es ist doch was".
So ein Verhalten finde ich mega nervig inzwischen.
 
Könnte sein.
Ich weiß, dass sie sich mit dem Thema null auskennt und Fragen stellt sie auch nicht.

Dennoch habe ich dann noch weniger Verständnis für ihre Reaktion.
Denn zwischen meinem "Outing" und ihrer Reaktion lagen einige Monate.
Und wie gesagt, ich habe auch nicht Lust ständig der Erwachsene zu sein, der das dann wieder anspricht, geduldig ist, Verständnis zeigen muss usw.

Ich möchte von meinem Gegenüber auch mal erwarten können Schwächen oder Ängste selbst anzusprechen, statt dass ich mir auf wiederholte Nachfrage 4 Mal anhören darf, es sei nichts, und wenn ich sage, okay, dann komm klar, es doch heißt "es ist doch was".
So ein Verhalten finde ich mega nervig inzwischen.
Ja, das finde ich aber gut, wenn du das so benennst. Deine Bekannte hat keine Ahnung von psychischen Krankheiten, fragt aber auch nicht nach und reagiert deswegen dir gegenüber falsch, unangebracht. Das muss man so festhalten und das nervt, tatsächlich. Lass du dir nur nicht einreden, dass du irgendwie falsch bist. Der einzige Fehler, den du gemacht hast, war, dich zu outen. Das hast du falsch eingeschätzt, dass sie damit gut umgehen kann. Sie kann es halt nicht...
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
F Wie mit starker innerer Leere umgehen? Ich 32
M Wie mit dem Gefühl umgehen niemals einen Job zu finden? Ich 31
M Kann nicht mehr mit menschen umgehen Ich 12

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben