Wie gesagt, ich vermute, dass die Polizisten das gar nicht böse gemeint hatten, sondern das eher als "Lektion fürs Leben" sahen. Recht machen können sie es ohnehin nicht. Greifen sie mal durch, wird es kritisiert, hätten sie ihn aber lieb mitgenommen, würde wohl wieder gemeckert, dass Straftäter (ja, Diebstahl ist eine Straftat) mit Samthandschuhen angefasst werden. Ich meine, man liest es ja häufiger, dass bei Wiederholungstätern lamentiert wird, dass es vielleicht nie so weit gekommen wäre, hätte man schon bei den ersten Taten härter durchgegriffen. Jetzt tun es mal welche und es ist auch wieder nicht recht...
Daher war es vielleicht sogar gut gemeint weil die Polizisten ihn einfach nur abschrecken wollten. Denn als reuiger Ersttäger kommt er - wenn es überhaupt zu einer Verhandlung kommt - noch mit einer derart milden Strafe davon, dass es noch nicht im Führungszeugnis steht, ihm also auch nix verbaut wird.
Die Hauptdemütigung ist doch ohnehin, dass er ausgerechnet die Klassenkasse geklaut hat. Ich denke nicht, dass die Handschellen da (zumindest aus Klassensicht) einen nennenswerten Unterschied machen. Unten durch wird er nun so und so sein.
Und das ist in meinen Augen auch das viel größere Problem - denn "der kleine Dieb" wird er jetzt für den Rest seiner Schulkarriere dort sein, mit entsprechenden Folgen wie sozialem Ausschluss oder dass immer, wenn etwas fehlt (das vielleicht nur zu Hause liegen gelassen wurde) erst mal davon ausgegangen wird, dass dein Sohn wieder was hat mitgehen lassen (und wenn es nur als Dauerscherz genutzt wird aka "schau mal in der Tasche von *NameSohn" nach, haha". In heutigen Social-Media-Zeiten bin ich mir nicht einmal sicher, dass sich das im Fall eines Schulwechsels nicht sogar bis dorthin rumsprechen würde.
Edit: Ich würde mich tatsächlich eher darauf konzentrieren, deinen Sohn da raus zu holen. Einen Anwalt kontaktieren, der ihn da möglichst schadfrei rausboxt. Vielleicht hat dein Sohn ja Glück und ein Anwalt kann im Fall eines Prozesses darlegen, dass dein Sohn durch die ruppige und demütigende Abführung schon gestraft genug gewesen sei und auch ohne nennenswerte weitere Strafen seine Lektion gelernt hat. Mit etwas Glück lassen die Richter dann Milde walten oder die Staatsanwälte stellen das Verfahren mit der Begründung (und ggf. ner Auflage, 100€ in die Klassenkasse zu geben) sogar ein.