Liebe Enie,
ich habe Dein Eingangsposting gelesen und dachte: "Ja, Himmel, das ist doch wirklich kein Wunder." Du hast gerade eine sehr schwierige Trennung hinter dir. Das wundert mich nicht, dass Du keine Kraft mehr hast.
An Deiner Stelle würde ich auf der Couch liegen, Decke über dem Kopf und mir die Augen ausheulen.
Hm. Wie meinst du das mit dem Mitleid?
Hast Du nicht gerade im Moment allen Grund an der Welt zu verzweifeln? Vielleicht ist es im Moment einfach nicht die Zeit, dagegen zu kämpfen, sondern dich auf der Couch einzukuscheln oder eine Zeitung zu zerreißen?
Das mit dem nicht glauben klingt abstrakt für mich. Was soll ich dann glauben?
In der Borderline-Therapie lernt man zwei wichtige Sätze:
Ich bin nicht meine Gefühle. Ich bin nicht meine Gedanken.
Unsere Gefühle sind Botschaften darüber, wie unser Stand in der Welt gerade ist. Trauer, Depressionen können dafür stehen, dass man überfordert ist. Depression ist oft das Zeichen für "ich brauche eine Veränderung".
Aus unseren Gefühlen entstehen die Gedanken. Wenn wir dunkle Gefühle haben, haben wir auch dunkle Gedanken. Und wenn wir uns in dunkle Gedanken begeben, uns zu viel mit den negativen Dingen des Lebens beschäftigen, werden aus dunklen Gedanken dunkle Gefühle.
Beides beeinflusst einander.
Ich weiß, man geht mit Depressionen nicht einfach raus und verbringt einen lustigen Tag. Es fehlt an der Stelle die Verbindung von Gedanken und Gefühle. Dem Gehirn fehlen entsprechende Botenstoffe. Aber der Gedanke kann dabei helfen, die Schwere vorbei ziehen zu lassen und sich nicht damit zu identifizieren.
Wir sagen "ich
bin traurig". Im Irischen heißt es "die Traurigkeit ist mit mir".
Ich denke, das ist das, was hier gemeint ist.