Und ich wunder mich, warum so viele über die Statistiken nicht reden wollen.
Also ich würde gerne über Statistiken reden, aber eben WIRKLICH reden und nicht nur eine Denkweise zulassen: Zum REDEN gehört für mich dann schon auf die Überlegung, was zb Stärken und Schwächen einer Statistik sind, wo sie nützlich und wo sie nicht nützlich sind usw.
Und vor allem finde ich absolut wichtig, zu betonen, dass Statistiken keine Aussage über das EIGENE persönliche Schicksal treffen können.
Statistisch gesehen gewinnt man nicht im Lotto: Und was macht der Lottogewinner mit dieser Info?
Nichts!
Statistisch gesehen ist ein Mensch zu soundso viel Prozent mit 18 Jahren nicht mehr Jungfrau/Jungmann, aber was macht jemand, der mit 15 schon sein erstes mal hatte mit dieser Aussage?
Statistisch stirbt ein Mann mit knapp unter 80 Jahren: Und was hilft das demjenigen ,der mit 40 eine tödliche Krankheit hat und weiß, dass er mit 99prozentiger Wahrscheinlichkeit eben NICHT knapp unter 80 wird?
Statistik ist nur EINER unter ganz vielen Aspekten, wie man eine Sache beschreiben kann und genau deswegen macht es überhaupt garkeine Sinn, zB die eigene Partnerlosigkeit mit der Verteilung der Geschlechter erklären zu wollen.
Du kannst dir zwar ausrechnen, dass Du zB als Mann von Anfang 20 mit soundso viel prozentiger Wahrscheinlichkeit keine Partnerschaft hast und als Frau mit Anfang 20 vielleicht ein paar Prozentpunkte wahrscheinlicher, aber was nützt das wenn Du zB eine Frau, die nie das Haus verlässt mit einem Mann, der jeden Abend auf der Piste ist, vergleichst?
Sagst Du dann auch nicht: Statistisch gesehen hat dieser Mann eine höhere Wahrscheinlichkeit, allein zu sein, während die Frau bessere Chancen hat?
Das wäre Quatsch, denn die für DIESE Situation relevante Zahl wäre eine ganz andere: Dann wäre zB eine Statistik interessant, die die Wahrscheinlichkeit untersucht, mit der man einen Partner/in findet, wenn man rausgeht, im Vergleich zu nicht rausgehen. DAS wäre dann die gesuchte Statistik, die hier Erklärungen liefern würde.
Und genau das ist es, was ich hier vermisse: nackte Zahlen können noch so wissenschaftlich ermittelt sein: Die Schlüsse, die daraus gezogen werden sind es leider nicht immer. Und auch passt nicht jede Statistik auf jede Fragestellung.
Das hat uns doch auch die Coronakrise gezeigt: Plötzlich hatte es jeder mit Statistik und Wissenschaft, aber was da teilwesie für Schlussfolgerungen aus haargenau den gleichen zahlen gezogen wurden war doch hahnebüchen und mancher Wissenschaftler hat sich seine Zehennägel dabei bis zum Stehkragen aufgerollt.
Hier ist es ähnlich: Ja, mag ganz interessant sein, zu sehen, wie die Geschlechterverteilung in der Gesellschaft ist, aber um das riesen Thema Einsamkeit oder Partnersuche auch nur annähernd zu erklären, ist das doch nur ein Mini-Puzzleteil.
Manche Posts, die ich hier lese suggerieren aber, als wäre das quasi die einzige und alles entscheidende Info und damit wäre das Phänomen (und nebenbei auch die eigene Partnerlosigkeit) komplett geklärt. Und das ist einfach nicht der Fall.
Eine ganz simple Überlegung, die eigentlich das ganze schon erklärt:
Wenn man die Frage aufwirft: "Es gibt mehr Männer als Frauen, drum bleiben mehr Männer allein", trifft man zB automatisch folgende Annahme mit: Ein Mensch hat einen einzigen Partner und ist dann "besetzt": DH es findet kein Wechsel statt.
Und dass das Quatsch ist, wissen wir.
Wenn wir aber die Frage beantworten wollen: Erklärt der Überschuss an Männern die Tatsache, dass es Männer gibt, die zu einem gewissen Zeitpunkt GARKEINE Partnerin jemals hatten, dann müssen wir sagen: NEIN tut er nicht!
Denn rein logisch gesehen könnte auch bei einem Männerüberschuss von 30 zu 70 jeder Mann mal eine Phase der Beziehung gehabt haben: Die Frauen würden dann nur häufiger wechseln und quasi mehrere Partner abdecken.
Diese Überlegung zeigt, dass der entscheidende Faktor eben NICHT die Geschlechterverteilung sein KANN: Zumindest eben nicht wissenschaftlich haltbar, solange die Annahme, dass Menschen ihre Partner wechseln nicht ausgeschlossen ist.
DH es müssen andere Faktoren einbezogen werden.
Selbst in Gesellschaften wie China, wo es ja wirklich einen extremen Männerüberschuss gibt, ist dies nicht der alleinige Faktor dafür, dass viele Männer allein bleiben. Viele Frauen in solchen gesellschaften ziehen es eben auch vor, allein zu bleiben, weil sie inzwischen unabhängiger sind und sich ihr eigenes Leben aufbauen können: Auch in solchen Ländern "braucht" eine Frau keinen Mann mehr und das hat zur Folge, dass das Alleinsein offenbar für viele Frauen ein gangbarer Weg ist.
Also auch solche Aspekte spielen mit rein und wiegen vor allem bei uns mehr als das reine Zahlenverhältnis. Offenbar ist dauerhaftes Alleine leben für Frauen viel vorstellbarer als für Männer.
Oder was ist zB mit dem Faktor der lokalen Veteilung? Gerade in Strukturschwachen Regionen gibt es eine sehr viel stärkere Abwanderung von Frauen als von Männern, was dazu führt, dass es Männer dort schwerer haben, als Männer an anderen Orten.
DAS wären zB auch Punkte, die man diskutieren könne: Warum ist das so? wie ist das bei uns und was kann ein Mann im Hinblick darauf tun, um SEINEN persönlichen Weg zu finden?
Also WENN wir schon statistisch und wissenschaftlich diskutieren wollen, dann bitte RICHTIG!
Wir können auch über die individuelle Wahrnehmung und die Gefühle bei dem ganzen reden (fände ich sinnvoller), aber bitte nicht beides vermischen.
Das ist unwissenschaftlich.
Und WENN wir sachlich reden wollen, müssten wir schon erstmal die Fragen richtig formulieren: Warum Männer keine Frau bekommen ist doch keine richtige Frage. Um was geht es? Darum, jemals in seinem Leben eine Beziehung gehabt zu haben? Jemals in seinem Leben eine langdauernde Beziehung gehabt zu haben? Jemals verheiratet zu sein? Bis an sein lebensende verheiratet zu sein? Sex zu haben? oder um was?
Nicht mal diese total grundliegende Frage wird hier präzisiert, wie soll man dann anhand so grober Zahlen überhaupt eine Aussage treffen oder die am Ende sogar noch diskutieren?
Also DAS müsste man schon als aller erstes mal klären: Was ist hier überhaupt gemeint?
Aber wie ich schon geschrieben habe: Ich persönlich halte es für total sinnlos, die eigene Partnerlosigkeit aus der Geschlechterverteilung erklären zu wollen, oder zB untermauern zu wollen, ein Geschlecht hätte es leichter: Was bringt das? Wissenschaftlich ist es in dieser Einfachheit nicht haltbar (egal wie sehr man das möchte und sich auf den Kopft stellt)
Viel viel sinnvoller fände ich es, von seiner EIGENEN Warte aus zu sprechen und quasi seine eigene "Quote" zu analysieren und zu verbessern.
Also ein Mensch, der sich nicht unter Leute begibt, hat eine Chance von nahezu null, einen Partner zu finden: Selbst die steilste Blondine mit Traummaßen und Millionenerbe hat dann keine Chance ,wenn sie nicht das Haus verlässt und auch sonst nicht sucht.
Da hat dann eben auch der kleine untersetzte Sparkassenangestellte mit dicker Brille größere Chancen, wenn er halt ein Typ ist, der gesellig ist und mit dem man Pferde stehlen kann.
Und DARUM geht es doch letztlich, oder?
So viele Menschen sinnieren über die Ungerechtigkeit der Natur, der Biologie und des anderen Geschlechts und sehen dabei nicht das Naheliegndste: Nämlich einfach mal bei SICH anzufangen und zu schauen, wie sie IHRE persönliche Ausgangslage verbessern können.
Also wenn ich ein Mann- Typ: PC-Nerd bin, in einem 200 Seelen-Kaff wohne, am Wochenende mit den Kumpels zocke und nicht mal zur Arbeit mein Homepffice verlasse, dann habe ich auf jeden Fall mehr davon, wenn ich an meinem Leben was ändere, als wenn ich mir einhämmere, ich würde ja eine Frau finden, wenn es nur mehr Frauen gäbe und wenn die nicht so oberflächlich wären.
Ich habe keine Ahnung, was es einem bringt, wenn man sich einredet, man könne daran nichts verbessern, weil quasi die Natur gegen einen wäre und weil das so ist, kann man es gleich lassen. Außer die Bestätigung des eigenen Misserfolg bringt es nichts, also sollte man es beizeiten bleiben lassen...finde ich.
Besser beraten ist dann der, der sich halt mal ehrlich betrachtet und dann halt den Stier bei den Hörnen packt: Also seinen Weg mal beginnt zu gehen. Und dann kann einem irgendwelches Zahlenzeugs auch komplett wuppe sein.
Mir tut es sehr leid, dass manche diesen Schritt offenbar nicht zu gehen bereit sind...ich sehe schon die "ja aber...." und "nein da liegst du falsch" Antworten unter meinen Beitrag.
Aber letztlich kann so eine Statistik vor allem halt EINS leisten: Es kann zur eigenen Beruhigung beitragen und einem helfen, sich einzureden, man könne halt nicht tun und guten gewissens vom PC hocken bleiben. Stimmt zwar nicht, aber ich denke, das ist das, wozu diese Zahlen leider hauptsächlich herangezogen werden.