Ich hab ihn so lieb und will nicht, dass er leidet. Wenn ich irgendwie wüsste, wie das für ihn am leichtesten wird.
Ich weiß es nicht.
Ein wenig Hoffnung setze ich in meine Schwester. Die wohnt hier im Ort, hat ein Kind in seinem Alter, ist Hausfrau und Mutter. Die kann vielleicht einiges auffangen, wenn ich arbeite. Wir haben ein sehr inniges Verhältnis und da sagt seit einiger Zeit, dass ich gehen soll.
Trotzdem ist das alles so traurig.
Natürlich frag ich mich ständig, was ich falsch gemacht habe. Manchmal will ich einfach die Frau zurück, die sie mal war. Manchmal will ich einfach mich neben sie setzen, rauchen, trinken, damit ich diesen riesigen Schritt von ihr weg nicht machen muss. Aber das wäre falsch und das wäre ich nicht.
Ob sie Alkoholikerin ist, hat jemand gefragt? Ich weiß es nicht. Sie wirkt nicht immer nüchtern, wenn ich nach Hause komme. Das ist aber erst seit ein paar Wochen so. Vorher war es nur abends. Ich hab sie mehrmals gebeten, zum Arzt zu gehen.
Hi,
natürlich ist das alles hier aus der Ferne schwer einzuschätzen. Aber so, wie du die Situation beschreibst, kommt es mir eher so vor, dass du Dinge auf dich beziehst, die gar nicht primär mit dir zu tun haben.
Es erscheint mir zum Beispiel ziemlich unwahrscheinlich, dass jemand 10 Jahre lang Sport macht, nur um dem Partner zu gefallen, um dann auf einmal damit aufzuhören und ordentlich an Gewicht zuzulegen, um sich von ihm psychisch zu distanzieren und ihm zu trotzen.
Zum einen fühlt man sich mit mehr Gewicht ja selbst schwerfälliger, hat nicht mehr so viel Energie und das Schönheitsideal in unserer Gesellschaft ist ja auch eher auf athletisch - sportlich - schlank ausgerichtet.
Mit Rauchen anzufangen ist für Nichtraucher gar nicht mal so einfach, da braucht man schon Disziplin zu. Klar, Teenager kriegen das locker hin, v a wenn sie in Kreise geraten, wo sie damit Anerkennung gewinnen - aber eine erwachsene Frau? Warum sollte sie sich das antun?
Und wieso nimmt sie zu, wenn sie angefangen hat zu rauchen? Die meisten nehmen mit Nikotin ab oder halten zumindest ihr Gewicht.
Trinken? Legales Betäubungsmittel Nr 1? Und spielen auf dem Smartphone, Ablenkungsmittel Nr 1 heutzutage?
Du zeichnest hier ein Bild von einer Frau, die auf einmal einen Job hinwirft, der ihr jahrelang Spaß gemacht hat, plötzlich noch nicht mal die Energie für den Haushalt hat (so, wie ich dich verstanden habe, hatte sie das früher), nicht mal mehr die Energie hat für Dinge, die sie früher gerne gemacht hat (Sport) und sich massiv mit allem betäubt, was leicht und legal zur Verfügung steht (Alkohol, Nikotin, Essen, Internet). Ausserdem zeigt sie Tendenzen zur Aggression dir gegenüber (hoffentlich nicht gegen euer Kind?) und degradiert sich selbst.
Kann sein, dass ich falsch liege, aber dieses Verhalten ist mit 'sich gehen lassen' meiner Meinung nach nicht präzise beschrieben; das klingt für mich (vermutlich unabsichtlich) selbstzerstörerisch. Es würde mich sehr wundern, wenn da wirklich nur eine Midlifecrisis oder der wieder belebte Kontakt mit einer alten Freundin dahinter steckt.
Was ich dir anbieten kann, sind Fragen, die ich mir stelle. Vielleicht magst du sie dir (nicht mir oder überhaupt im Forum) bei Gelegenheit beantworten. Es sind einfach nur Fragen, die ich mir stellen würde, wenn ein Bekannter mir sowas erzählen würde (die Antwort geht mich nichts an, aber vielleicht dich, wenn es dich interessiert) :
Bist du sicher, dass sie selbst gekündigt hat und nicht gekündigt wurde? Verlust des Arbeitsplatzes kann ebenfalls depressiv machen, v a wenn sie keine Stelle mehr gefunden hat.
Oder hat sie sich damals dazu entschieden, Hausfrau zu werden? Warum?
Hat sie in den letzten 2-3 Jahren einen Schicksalsschlag erlitten wie Tod oder schwere Krankheit einer Bezugsperson (guter Freund, Großelternteil, andere Personen)?
Hatte sie in dem genannten Zeitraum eine Abtreibung? Oder vielleicht sexuelle Gewalt erlitten?
Hat sie vielleicht eine schwere Krankheit diagnostiziert bekommen (wie z B Krebs) oder eine leichtere, die aber eine Medikamenteneinnahme nötig macht?
Was ist mit Ihrem Freundeskreis? Hat sie da nur noch diese alte reaktivierte Freundin?
Wie war euer Kommunikationsverhalten früher? Konntet ihr da offen sprechen? Wünsche offen äußern?
Und eine praktische Frage, die ich enorm wichtig finde, auch wenn sie mit dem möglichen Grund für ihre Verhaltensänderung gar nichts zu tun hat:
Wer kümmert sich um euer Kind, wenn du Vollzeit arbeitest und sie 0 Energie hat und sich betäubt?
Ist es nachmittags bei Freunden oder bei deiner Schwester oder in der Kita?