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Wenn die Traurigkeit kein Ende findet............

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 124942
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Im Grunde mutet mir mein Partner ja aufgrund seiner fehlenden Einsicht in die Notwendigkeit, sich ärztlich untersuchen zu lassen, bevor es zu spät war, auch einiges zu:
Ich muss jetzt mit seinem Tod fertig werden, dabei obendrein noch in Vollzeit einen stressigen Führungsjob ausüben, und ob ich das noch drei Jahre lang durchhalte, steht auch noch in den Sternen. Ich werde meinen gesamten Lebensabend, falls ich ihn überhaupt noch erleben werde, jetzt ohne Partner verbringen müssen, darf mir aber an Weihnachten Storys von anderer Leute Heiratsanträgen, Hochzeiten und Familienleben anhören. Ich kann mir im Moment überhaupt nicht vorstellen, noch jemals im Leben auch nur ansatzweise wieder glücklich zu sein.

Bin ich wirklich ein derart schlechter Mensch und war ich eine so lieblose Partnerin, dass ich so etwas verdient habe?
 
"Bin ich wirklich eine derart schlechter Mensch und war ich eine so lieblose Partnerin, dass ich so etwas verdient habe?"

Das Schicksal geht seine eigenen Wege, welche wir nicht nachvollziehen können. Es fragt nicht danach, ob wir etwas verdient haben oder nicht. Es ist und bleibt, so lange wir leben, für uns unergründlich.
 
"Bin ich wirklich eine derart schlechter Mensch und war ich eine so lieblose Partnerin, dass ich so etwas verdient habe?"

Das Schicksal geht seine eigenen Wege, welche wir nicht nachvollziehen können. Es fragt nicht danach, ob wir etwas verdient haben oder nicht. Es ist und bleibt, so lange wir leben, für uns unergründlich.
Leider ist das so. Aber im Moment bin ich wütend auf Menschen, die ein leichteres Schicksal haben oder sogar besondere Glücksmomente und mir diese auch noch trotz ihres Wissens um meinen Schicksalsschlag unter die Nase reiben müssen.

Ich kann mich nicht zwingen, mich mit ihnen zu freuen; denn es freut mich nicht. Und wenn ihnen etwas Ähnliches widerfahren würde wie mir, wäre ich auch nicht tieftraurig deswegen. Wie es mir damit geht, interessiert sie ja auch nicht.
 
Ich denke, dass mit zunehmender Zeitdauer das Ungelöste auch bei dir immer mehr in den Hintergrund treten, wenn auch nicht völlig verschwinden wird. Deine Frau ist ja noch kein halbes Jahr tot.

Wir können noch so viel grübeln, unsere Partner werden davon nicht wieder lebendig.

Klar - wäre ich beruflich nicht so gestresst gewesen und wäre meine damalige Putzfrau nicht auch noch über Monate ausgefallen, hätte ich vielleicht aufmerksamer registriert, was mit meinem Partner los war, und weniger gereizt reagiert. Aber ob er dann eher zum Arzt gegangen wäre und ob ich bei mehr innerer Gelassenheit und einem geringeren eigenen Stresslevel eher auf die Idee gekommen wäre, einfach gegen seinen Willen den RTW oder ärztlichen Bereitschaftsdienst zu rufen, kann ich nicht mit Gewissheit sagen.

Wenn mein Partner in all den Jahren sich mal hätte ärztlich durchchecken lassen, wenigstens alle zwei Jahre, und wenn er nicht so häufig über Wehwehchen wie Verstopfung oder Rückenschmerzen geklagt hätte, ohne dass je was Schlimmes daraus entstanden wäre, hätte ich das alles auch viel ernster genommen.Mir ist unbegreiflich, wie man sich, wenn es einem so schlecht geht, immer noch gegen eine ärztliche Untersuchung sträuben kann. Vom Verstand her weiß ich, dass das Verhalten meines Partners, aber auch meine eigene Stressbelastung, maßgeblich zu meiner Fehleinschätzung und meinem gereizten Verhalten beigetragen haben. Aber auch noch andere Dinge kamen hinzu, wie insbesondere der Umstand, dass meine Hausärztin ausgerechnet da keine neuen Patienten mehr annahm. Es war eine ganz unglückliche und tragische Verkettung extrem ungünstiger Umstände.

Ich habe mir zwar Sorgen gemacht und ihn am 2. Krankheitstag auch zwischendurch von meiner Arbeitsstelle aus angerufen. Aber da bat er mich direkt, den Anruf zu beenden, da er auf den Rückruf von meiner Arztpraxis wartete. Abends erfuhr ich dann, dass sie keine neuen Patienten mehr annahm. Einen Termin mit meinem früheren Arzt zu machen, dazu konnte sich mein Partner auch nicht aufraffen. So ging das von Tag zu Tag. An einem Abend machte er sogar selber eine Andeutung, dass er vielleicht einen Herzinfarkt erlitten hätte, hatte aber immer noch keinen Arzttermin gemacht. Da bin ich dann sehr ärgerlich geworden, habe die Beherrschung verloren und mit ihm geschimpft, zumal ich auch beruflich Probleme hatte und selber schon den ganzen Tag niedergedrückter Stimmung deswegen gewesen war. Ich konnte nicht verstehen, wie man, wenn man selber meint, man ist froh, dass man die Nacht und evtl. einen Herzinfarkt überlebt hat, dann immer noch jede ärztliche Behandlung ablehnt. Da hat doch jeder normale Mensch viel zuviel Angst vor dem Tod! Und so dramatisch wirkte sein Zustand auf mich auch nicht, weil er bei klarem Bewusstsein war und ganz normal wie sonst mit nur sprach. Das passte alles nicht richtig zusammen nach meiner Wahrnehmung.

Jetzt werfe ich mir das aber immer wieder vor.
Auch, dass unser allerletztes Telefonat in einer zwar nicht allzu schlimmen, aber eben doch leichten Missstimmung endete. Es war eine Missstimmung, die ich beim nächsten Telefonat direkt wieder aus dem Weg geräumt hätte, wenn er zu dem Zeitpunkt noch gelebt hätte.

Er hat ja wenige Stunden vor seinem Tod sogar noch hier im Forum geschrieben und nach einem Stück von Bach gesucht. Da hätte sicher von den UnserInnen auch niemand gedacht, dass er so schnell sterben würde. Am Abend vor seinem vermutlichen Todestag hatte er noch mit der Schwester seiner Tante telefoniert, einer netten, älteren Dame, die uns für September zu sich eingeladen hatte. Nach seinem Tod lud diese Dame mich dann auch allein für ein paar Tage zu sich ein. Er hatte ihr zwar in dem Telefonat auch etwas von seinen gesundheitlichen Problemen mitgeteilt, aber auch ihr war das anhand der Beschreibung nicht sooo dramatisch erschienen. Sie hatte ihm noch geraten, es erst mal mit Schmerztabletten zu versuchen. Wenn es dann nicht besser würde, könne er ja immer noch zum Arzt gehen. Sie offenbarte mir dann bei meinem Besuch, dass sie sich nun auch noch mitschuldig fühlte, aber ich sagte ihr: "Das brauchst du nicht, ich habe ihm in der Woche mehrfach Druck gemacht, sich zum Arzt bringen zu lassen, aber er konnte sich trotzdem nicht dazu überwinden."

Klar, rückblickend gesehen, hätte ich mich auf seine Verweigerung nicht einlassen dürfen. Ich habe das total falsch eingeschätzt.

Es ist sehr schwer, sich selbst zu verzeihen, dass man in einer Situation nicht optimal reagiert hat, wenn der Partner kurz danach so plötzlich verstorben ist. Aber mein Partner war intelligent, medizinisch durch seine Heilpraktikerausbildung auch bis zu einem gewissen Grad vorgebildet, selbst kurz vor seinem Tod noch bei klarem Bewusstsein und hatte doch auch eine Verantwortung für sich selbst! Warum nur hat er sich nicht schnellstens in ärztliche Behandlung begeben?! Es gab doch beileibe nicht nur diese eine Möglichkeit bei meiner Hausärztin!

Und was das Schlimmste ist: Er ist jetzt tot und hat alles hinter sich. Ich mache mir immer wieder Vorwürfe und habe Schuldgefühle, mal mehr, mal weniger. Und ich hatte sogar damals angesichts seiner Verweigerung noch zu ihm gesagt: "Ich kann für die Folgen keine Verantwortung übernehmen. Selbst dann nicht, wenn sie tödlich sein sollten." Aber selbst diese Bemerkung führte nicht dazu, dass er bereit war, sich untersuchen zu lassen.
Das "ungelöste" wird sich bei mir nie lösen. Denn das trage ich mit mir.
 
Ja, bei mir bleibt es im Hinterkopf bestehen, dieses Schuldgefühl was sich immer mehr verstärk das die Schuld an Ihrem Tod bei mir liegt zumindest Mitschuld.
Ich hätte es melden müssen das SIE unter Übelkeit litt. Aber im nachhinein auch der Gedanke, wozu liegt oder lag meine liebe Frau im KH. !
 
Es tut mir sehr leid, was ihr durchmachen müsst. Das ist verdammt hart. Jemanden gehen zu lassen kann sich über Jahre hinziehen. Mir hat die Erkenntnis geholfen, dass ich nichts mehr daran ändern kann, egal wie sehr ich mich auch anstrenge. Diese Aufgabe in eurem Leben ist beendet und abgeschlossen. Jetzt darf euer Schmerz heilen. Nur noch das zählt.

@Jape Dass Du das "Ungelöste" in Dir trägst ist nur ein Bild, an dem Du festhältst. Es ist nur ein Gedanke. Auch dieser Gedanke verändert oder bessert nichts. Er macht es nur schwerer für Dich, wirkt wie ein Mühlstein um Deinen Hals. Du darfst ihn ablegen, darfst damit abschließen, denn auch Dein schlimmstes Leiden bringt niemanden zurück.
 
Ich hätte es melden müssen das SIE unter Übelkeit litt.
Nein, hättest du nicht. Sie hätte das auch selbst melden können. Bei jeder Mahlzeit, die ihr gebracht wurde und auf die sie keinen Appetit hatte, bestand Gelegenheit dazu, ebenso bei der Visite, Blutdruckkontrolle etc. Sie hat es aber offensichtlich nicht getan. Dazu war sie doch im KH, dass sie Beschwerden sofort ÄrztInnen und PflegerInnen mitteilen konnte. Wahrscheinlich hat sie dieser Appetitlosigkeit oder Übelkeit auch selber keine so große Bedeutung beigemessen, also wirf dir nicht vor, dass du es auch nicht getan hast. Kein normaler Mensch rechnet bei einem Menschen, der über Übelkeit klagt, sofort mit dem Schlimmsten. Zwar kann man das Schlimmste nie 100 %ig ausschließen, aber wenn man immer gleich vom Schlimmsten ausgehen würde, wäre man komplett handlungsunfähig und könnte das Leben in keiner Sekunde genießen. Jeder Mensch auf der Welt kann von jetzt auf gleich tot zusammenbrechen. Wer ist dann daran "schuld"? Niemand.

Im KH sind Ärzte und Pfleger überdies so überlastet, dass man dort oft über Stunden ohnehin niemanden erreicht. Viele von ihnen sind zudem selber ausgebrannt von den ganzen Corona-Fällen und anderem. Da könntest du ebenso gut dem Bundes- und Landesgesundheitsminister die Schuld geben, dem Finanzminister, dem Krankenhausträger, dem Krankenhausmanager oder der -managerin, dass die Personalausstattung in dem Krankenhaus so unzureichend ist, wie sie ist.

Und wie das KH auf eine solche Meldung reagiert hätte, kann man auch nicht wissen. Übelkeit kann vielerlei Ursachen haben. Man kann es einem Menschen auch nicht immer ansehen, wenn es ihm übel ist. Insofern trifft auch das KH keine Schuld. Solche Erwartungen kann niemand erfüllen, dann müssten die das Zehnfache an qualifiziertem Personal haben.

Der Tod deiner Frau war tragisch. Ein relativ geringes Risiko hat sich bei ihr leider verwirklicht. Aber daran ist niemand schuld. Die einen sterben nach einer an sich harmlosen Blinddarm-OP, die anderen überleben die riskantesten Herz- oder Lungentransplantationen.

Im Falle meines Partners kamen auch so viele unglückliche Zufälle zusammen (auch solche, auf die ich keinen Einfluss hatte), dass ich fast schon denke, sein Tod war zu diesem Zeitpunkt Gottes Wille. Nicht wir bestimmen normalerweise, wann wir abberufen werden, sondern Gott. Wir verstehen nicht, warum, aber wahrscheinlich ist es besser, wenn wir das dennoch als Gottes Willen akzeptieren. Und mein Partner hat ja auch dadurch, dass er jahrelang nie zum Arzt ging und auch zum Schluss außer zu meiner Ärztin zu keinem anderen Arzt kurzfristig wollte, ganz erheblich dazu beigetragen, dass er zu diesem Zeitpunkt verstorben ist. Nur er steckte doch in seinem Körper, nur er konnte doch wissen, wie schlecht er sich im Vergleich zu vorher wirklich fühlte. Man kann als medizinischer Laie nicht von sich erwarten, dass man das Befinden und die Gefahr besser einschätzen kann als der Betroffene selbst, jedenfalls , solange dieser noch bei Bewusstsein und bei klarem Verstand ist.

Kein Mensch muss damit rechnen, dass jemand, dem es nach einer OP übel ist bzw. der keinen Appetit hat, innerhalb von wenigen Stunden verstirbt. Und es hätte auch niemand an deiner Stelle anders gehandelt, als du es getan hast, jedenfalls kein medizinischer Laie.
 
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Es tut mir sehr leid, was ihr durchmachen müsst. Das ist verdammt hart. Jemanden gehen zu lassen kann sich über Jahre hinziehen. Mir hat die Erkenntnis geholfen, dass ich nichts mehr daran ändern kann, egal wie sehr ich mich auch anstrenge. Diese Aufgabe in eurem Leben ist beendet und abgeschlossen. Jetzt darf euer Schmerz heilen. Nur noch das zählt.
Ich denke auch, mein Partner würde jetzt mit dem Wissen, was er nun vielleicht hat, selber sagen:
"Ja, ich konnte mich ja auch nicht durchringen, zum Arzt zu gehen. Du hast es mir ja immer wieder gesagt, mich sogar noch an das Schicksal meines Vaters erinnert. Und gereizt warst du bestimmt auch deswegen, weil dich meine Zögerlichkeit und meine Verweigerung belasteten, du dir Sorgen um mich machtest und du auch nicht einordnen konntest, ob mein Zustand lebensbedrohlich war. Das hätte nur ein Arzt mit einiger Sicherheit beurteilen können, und das war dir auch bewusst. Du wolltest, dass ich zum Arzt ging, weil du wolltest, dass das schnell geklärt wurde, dass es mir schnell wieder besser ging und du mich noch länger an deiner Seite gehabt hättest. Und den ganzen beruflichen Stress hattest du zu dem Zeitpunkt ja auch schon seit Jahren auch noch an der Backe, das habe ich ja selbst live miterlebt. Da warst du eben mit der Gesamtsituation überfordert. Du bist ja auch nur ein Mensch und nicht der "Oberboss" [so nannte mein Partner Gott immer]. Du hast ja nicht böswillig gehandelt, sondern meintest es im Grunde nur gut mit mir."

Wenn man gläubig ist, kann man wenigstens noch die Hoffnung haben, dass der Verstorbene in einem anderen "Aggregatzustand" weiterlebt, jetzt alle Erkenntnis hat, die wir auf Erden nicht haben, und vieles nun von einer höheren Warte aus ganz anders einordnen kann. So, wie es in dem Lied ("Nun bist du fort") von Jürgen Werth so schön zum Ausdruck kommt: "Du weißt nun mehr als ich." Ich denke, Jusehr (das war der Nickname meines Partners hier im Forum) weiß nun auch mehr als ich.
 
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@Jape Dass Du das "Ungelöste" in Dir trägst ist nur ein Bild, an dem Du festhältst. Es ist nur ein Gedanke. Auch dieser Gedanke verändert oder bessert nichts. Er macht es nur schwerer für Dich, wirkt wie ein Mühlstein um Deinen Hals. Du darfst ihn ablegen, darfst damit abschließen, denn auch Dein schlimmstes Leiden bringt niemanden zurück.
Eben. Das ist eine Form von Selbstbestrafung oder selbst auferlegter Sühne für ein vermeintlich begangenes Unrecht, das zum einen in der Realität nicht existiert und zum anderen deine Frau auch nicht zurück bringt. Es macht es dir nur noch schwerer, ihren Tod zu verkraften.

Du hattest weder den Anfang noch das Ende ihres Lebens unter Kontrolle, sondern nur Gott. Wenn man meint, man sei "schuld" oder "mit schuld" und hätte Einfluss darauf gehabt, macht man sich etwas vor. Du hast sie weder ermordet noch fahrlässig gehandelt, denn diesen Verlauf konnte niemand vorhersehen. Ich bin davon überzeugt, dass nicht einmal eine Ärztin oder ein Arzt damit gerechnet hätten.
 

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