Splitterbunt
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Ja. Und nein.Aber andererseits wird erwartet, dass die Einheimischen nicht ihren Dialekt sprechen? Unfug.
Die allgemeine Erwartungshaltung und das Anspruchsdenken, dass die Einheimischen mit Fremden generell Hochdeutsch bzw. eben nicht ihren regionalen Dialekt sprechen sollen, finde ich auch nicht in Ordnung. Kann mich aber auch nicht erinnern, dass dieser Anspruch irgendwo genau so formuliert wurde.
Mir persönlich fällt es tatsächlich auch schwer, nachvollziehen zu können, dass es wirklich dauerhaft zu massiven, dialektbedingten Verständnisschwierigkeiten kommen kann. Auch wenn man nicht alle Wörter und deren Bedeutung sofort kennt, kann man sich doch in 90% der Fällen aus dem Kontext herleiten, was in etwa gemeint ist. Das kann manchmal anstrengend sein, aber hey, willkommen in der Lebensrealität sehr, sehr vieler Menschen.
Aber vielleicht bin ich da zu sehr durch meine eigenen Erfahrungen geprägt. Als Kind nach Deutschland gekommen und kein Wort Deutsch verstanden, war es in den ersten Jahren immer eine Mischung aus Mimik/Gestik/situativem und sprachlichem Kontext, der es mir ermöglicht hat, zu verstehen, was die Leute sagen. Bis heute kommen mir immer wieder Wörter unter, die ich nicht kenne, aber es ist sehr selten, dass ich etwas nicht oder falsch verstehe. Wie gesagt: der Kontext macht's möglich.
Deswegen: ja, natürlich ist es Quatsch, von Einheimischen zu erwarten, nicht so zu sprechen, wie sie nun mal eben sprechen.
ABER! Wenn jemand tatsächlich große Verständnisprobleme hat und man das merkt oder sogar gebeten wird, langsamer/verständlicher oder auch Hochdeutsch zu sprechen, finde ich das auch legitim und nicht schlimm. Meine Güte, dann kommt man dem Gegenüber sprachlich eben ein wenig entgegen und spricht mit abgemildertem Dialekt oder verzichtet auf zu spezielle Dialektbegriffe. Zwischen den beiden Extremen (Hochdeutsch <--> starker Dialekt) gibt es ja eine ganze Bandbreite an Variationen und Möglichkeiten, wie man zwischenmenschlich zusammenkommen kann.