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Nietzsches "Der letzte Mensch"

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 75067
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Gelöscht 75067

Gast
Dieser Abschnitt aus "Also sprach Zarathrustra" soll Gegenstand der Diskussion werden.
Was ist damit gemeint?
Was trifft auf die Moderne zu?
Wie wäre es zu verhindern?
Wollen wir es überhaupt



„So will ich ihnen vom Verächtlichsten sprechen:
das aber ist der letzte Mensch.“

Und also sprach Zarathustra zum Volke:

Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel
stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim
seiner höchsten Hoffnung pflanze.

Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber
dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein
hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht
mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen
hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt
hat, zu schwirren!

Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben,
um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich
sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen
Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit
des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht
mehr verachten kann.

Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.
„Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist
Sehnsucht? Was ist Stern?“ — so fragt der letzte
Mensch und blinzelt.

Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr
hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein
Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte
Mensch lebt am längsten.

„Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die
letzten Menschen und blinzeln.

Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart
war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt
noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man
braucht Wärme.

Krankwerden und Misstrauen-haben gilt ihnen
sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der
noch über Steine oder Menschen stolpert!

Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme
Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen
Sterben.

Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unter¬
haltung. Aber man sorgt, dass die Unterhaltung
nicht angreife.

Man wird nicht mehr arm und reich: Beides ist
zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch
gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.

Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche,
Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in’s
Irrenhaus.

„Ehemals war alle Welt irre“ — sagen die Feinsten
und blinzeln.

Man ist klug und weiss Alles, was geschehn ist:
so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich
noch, aber man versöhnt sich bald — sonst verdirbt
es den Magen.

Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein
Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.

„Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die
letzten Menschen und blinzeln. —

Und hier endete die erste Rede Zarathustra’s, welche
man auch „die Vorrede“ heisst: denn an dieser Stelle
unterbrach ihn das Geschrei und die Lust der Menge.
„Gieb uns diesen letzten Menschen, oh Zarathustra, —
so riefen sie — mache uns zu diesen letzten Menschen!
So schenken wir dir den Übermenschen!“ Und alles
Volk jubelte und schnalzte mit der Zunge. Zarathustra
aber wurde traurig und sagte zu seinem Herzen:

Sie verstehen mich nicht: ich bin nicht der Mund
für diese Ohren.

Zu lange wohl lebte ich im Gebirge, zu viel horchte
ich auf Bäche und Bäume: nun rede ich ihnen gleich
den Ziegenhirten.

Unbewegt ist meine Seele und hell wie das Ge¬
birge am Vormittag. Aber sie meinen, ich sei kalt
und ein Spötter in furchtbaren Spässen.

Und nun blicken sie mich an und lachen: und
indem sie lachen, hassen sie mich noch. Es ist Eis in
ihrem Lachen.“
 
Es wäre interessant (und hilfreich) zu erfahren, welche Motivation Dich zum InterpretationsWunsch von Nietzsche führt.
 
Es wäre interessant (und hilfreich) zu erfahren, welche Motivation Dich zum InterpretationsWunsch von Nietzsche führt.

Mir persönlich geht es um die Entwicklung von Leistungs- zu Spaßgesellschaft, wo die Leute weniger Anstrengung aber mehr Berieselung verlangen. Ein Beispiel ist unser derzeitiges Schulsystem, das immer Themen rausstreicht, weil es zu schwierig oder unwichtig sei.

Auch ist der verstärkte Ruf nach Kommunismus was mir auffällt und frage mich deshalb wie unter den Voraussetzungen die Gesellschaft sich entwickeln und was die Folgen sein werden.
 
Mir persönlich geht es um die Entwicklung von Leistungs- zu Spaßgesellschaft, wo die Leute weniger Anstrengung aber mehr Berieselung verlangen. Ein Beispiel ist unser derzeitiges Schulsystem, das immer Themen rausstreicht, weil es zu schwierig oder unwichtig sei.

Auch ist der verstärkte Ruf nach Kommunismus was mir auffällt und frage mich deshalb wie unter den Voraussetzungen die Gesellschaft sich entwickeln und was die Folgen sein werden.

Jetzt frage ich mich natürlich, wo der Zusammenhang mit dem Nietzsche-Text sein soll. Oder wo Du ihn erahnst. Ich denke, wir brauchen hier noch ein wenig Nachhilfe 😉.
 
Nietzsche beschreibt die Degeneration. Wenn alles gleichgemacht ist, keine Ziele mehr existieren, kein Antrieb und keine Notwendigkeit mehr da ist, irgendwas neues zu tun, zu erleben, zu entdecken, zu erfinden ... Stagnation und Stillstand. Und damit Degeneration, denn Stillstand bedeutet bekanntlich Rückschritt.

Dann entwickelt der Mensch sich entweder zurück zum dummen Tier, dessen einzige Möglichkeit, noch "Wärme" (auch im übertragenen Sinn) zu erleben, darin besteht, "sich aneinander zu reiben", oder er stirbt einfach sang- und klanglos aus - deshalb "Der letzte Mensch". Denn ein antriebsloser Mensch ist ein Wesen, das im Dasein keinen Sinn mehr findet.
Jedes andere Lebewesen kommt auch ohne (bewußtes) Lebensziel aus, weil es einfach seinen Instinkten folgt und ein vorprogrammiertes Leben führt, mit dem Ziel: Weitergabe des eigenen Erbgutes, Fortbestand der Art. Dafür kämpfen sie, schuften sich ab, versuchen am Leben zu bleiben, um diesem vorgegebenen Programm nachzukommen.
Nur der Mensch ist in dieser Hinsicht verkopft, er braucht ständig irgendwelche neuen Stimulanzien, um einen Sinn in seiner Existenz zu erkennen, der eben nicht mehr nur in kreatürlicher Vermehrung besteht, wenn viele Menschen freiwillig und um Kapazitäten für anderes (andere Ziele im Leben!) frei zu behalten, auf eigenen Nachwuchs verzichten.

Vielleicht erlebte Nietzsche depressive Phasen, in denen er das verfaßt hat. Merkmal von Depression ist ja gerade die Antriebslosigkeit, das Empfinden totaler Sinnlosigkeit des Daseins, das bei ihm aber nicht von innen kommt, sondern durch das Außen, die Gleichmacherei und das Fehlen jedes neuen Zieles, weil alles längst durchgekaut wurde, verursacht wird.

Manche Tendenzen wie der Versuch der totalen Gleichmacherei sind tatsächlich in der Moderne gegeben, aber da sich die Natur nicht so leicht manipulieren läßt, (Geschlechter, Krankheiten, angeborene Eigenschaften, Lebensumstände und und), wird so ein "letzter Mensch", wenn überhaupt, erst in sehr ferner Zukunft zustandekommen, und ob der dann überhaupt noch als "Mensch" bezeichnet werden könnte ...
 
Mir persönlich geht es um die Entwicklung von Leistungs- zu Spaßgesellschaft, wo die Leute weniger Anstrengung aber mehr Berieselung verlangen. Ein Beispiel ist unser derzeitiges Schulsystem, das immer Themen rausstreicht, weil es zu schwierig oder unwichtig sei.
Eine reine Spaßgesellschaft ist auf Dauer überlebensunfähig, weil irgendwer nämlich auch die Arbeit ernst nehmen muß. Siehe Schulsystem, wo ständig vereinfacht wird, aus Angst vor klagefreudigen Eltern von unterdurchschnittlichen Schülern - mit den fachlichen Ansprüchen der 50er Jahre würde schon heute der größte Teil der Abiturienten hoffnungslos durchrasseln - und wenn diese gepamperten Schüler dann im realen Leben, im Beruf, hart herangenommen werden, erweisen sie sich als durchsetzungsunfähig und fallen auf die Nase. Denn was Hänschen nicht gelernt hat, muß Hans später auf die harte Tour nachlernen, wenn er außerhalb der Schule kein Pampern mehr erwarten kann.
 
Ich kann gern noch mal Absatz für Absatz meine bescheidene Interpretation darlegen 🙂

„So will ich ihnen vom Verächtlichsten sprechen:
das aber ist der letzte Mensch.“

Und also sprach Zarathustra zum Volke:

Verächtlich ist ein negativ besetztes Wort, was mir schon verrät, dass der letzte Mensch wohl etwas, was man wohl in Nietzsches Augen vermeiden sollte.


Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel
stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim
seiner höchsten Hoffnung pflanze.

Hier sehe ich die Einleitung, was den Menschen zu seinen Handlungen.

Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber
dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein
hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht
mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen
hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt
hat, zu schwirren!

Hier geht es genauer um die Motivation. Nietzsche sagt, dass "der reiche Boden arm und zahm sein wird" und der Mensch verlehnt eine Sehnsucht zu entwickeln. Doch weshalb? Die für mich sinnvollste Interpretation wäre für mich die Entwicklung von Mittelalter zur Moderne und den dahin eingehenden wachsenden Lebensstandard. In Mittelalter ging es den Menschen scheiße und ab der Rennaisance gab es aufeinmal eine regelrechte Explosion an Erfindungen, Entdeckungen und technischen sowie medizinischen Innovationen, sowie einer Fülle der hohen Kunst und der Dichtung. Und heute? Was wurde z.b. von 2000 bis 2015 etwas großartig was entdeckt und entwickelt? Mir fällt spontan nichts ein. Es stagniert. So als ob es uns an Ideen mangelt. Vielleicht weil es inzwischen uns sogar zu gut geht?

Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben,
um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich
sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen
Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit
des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht
mehr verachten kann.

Hier beschreibt Nietzsche nochmal das was derzeit mir auffällt und spricht von dem Chaos, was man in sich haben muss, um seine Sterne zu gebären. Ein Stern könnte vielleicht eine Erfindung, eine Entdeckung oder ein Kunstwerk sein, das nicht mehr geboren wird, weil das vorherige Chaos nicht mehr existiert durch die vielen Annehmlichkeiten die wir heutzutage haben.

Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.
„Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist
Sehnsucht? Was ist Stern?“ — so fragt der letzte
Mensch und blinzelt.

Hier fällt schon die gewisse Charakterlosigkeit auf. Der letzte Mensch scheint die Tiefen seiner Seele vergessen zu haben und durch dieses "Blinzeln" wirkt er ein wenig wie auf Droge, benebelt.


Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr
hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein
Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte
Mensch lebt am längsten.

Wieso lebt der letzte Mensch am längsten? Das könnte wieder ein Hinweis auf den hohen Lebensstandard sein, das den letzten Menschen sämtliche Sehnsucht und Leidenschaft genommen hat. Wenn du lange lebst und nicht mal physischen oder psychischen Schmerz erlebst, hast du viel Zeit auch dieses Leben zu verschwenden. Es gibt ja das Phänomen, dass Menschen, die wissen, dass sie bald sterben werden, innerhalb von Monaten alles auf die Beine stellen, was die meisten Menschen sich zwar vornehmen nicht mal in 80 Jahren umgesetzt kriegen (Heirat, Reisen, etc)


„Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die
letzten Menschen und blinzeln.

Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart
war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt
noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man
braucht Wärme.

Der letzte Mensch hat sich von all den gelöst, was "hart ist". Das trifft auf heute zu. Das Schulsystem wird immer mehr vereinfacht, Kritik wird in jungen Alter ausgemerzt. Das Sozialsystem fängt jeden auf und jeder kann in beheizten Zimmer zum Kühlschrank. Niemand friert, hungert, versagt. Alles wird abgefedert.

Krankwerden und Misstrauen-haben gilt ihnen
sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der
noch über Steine oder Menschen stolpert!

Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme
Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen
Sterben.

Der letzte Mensch will anscheinend auch keine negativen Gefühle ertragen. Das trifft schon auf die Moderne zu. Zb. die sogenannten Safe Rooms, wo psychische Labilität lieber kultiviert statt behandelt wird. Das "Gift" kann nicht nur klassische Drogen beinhalten, sondern auch Psychopharmaka oder Ersatzdrogen wie Essen, Facebook, Wetten, Spielsucht. All diese Dinge haben gemein, dass sie uns leicht angenehme Gefühle bescheren, ohne Anstrengung. Und einige dieser Gifte können uns theoretisch auch einen angenehmen Tod bescheren, wodurch wir nicht mal einen Todeskampf haben.


Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unter¬
haltung. Aber man sorgt, dass die Unterhaltung
nicht angreife.

Ich glaub, Nietzsche wusste, dass die Schnappsidee BGE kommen wird
😀

Man wird nicht mehr arm und reich: Beides ist
zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch
gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.

Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche,
Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in’s
Irrenhaus.

Das kann nur Kommunismus sein. Alle sollen gleich viel haben und sein.


„Ehemals war alle Welt irre“ — sagen die Feinsten
und blinzeln.

Diese ständige Betonung auf das "Blinzeln" soll wohl verdeutlichen wie betäubt der letze Mensch ist.


Man ist klug und weiss Alles, was geschehn ist:
so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich
noch, aber man versöhnt sich bald — sonst verdirbt
es den Magen.

Hier stellt Nietzsche die Arroganz und die mangelnde Selbstreflektion des Menschen dar. Diese Tendenz sehe ich in meinem Umfeld. Die Leute halten sich für Gott weiß was, kriegen nichts hin aber geben der bösen Gesellschaft die Schuld.

Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein
Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.

„Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die
letzten Menschen und blinzeln. —

Da fehlt mir die wachsende Beziehungsunfähigkeit an. Wechselnde Partnerschaften, ONS, Partner als reine Wunscherfüllungsfabriken. Man will nur Rechte aber keine Pflichten, weshalb langfristige Partnerschaften für alle immer schwerer werden.

Und hier endete die erste Rede Zarathustra’s, welche
man auch „die Vorrede“ heisst: denn an dieser Stelle
unterbrach ihn das Geschrei und die Lust der Menge.
„Gieb uns diesen letzten Menschen, oh Zarathustra, —
so riefen sie — mache uns zu diesen letzten Menschen!
So schenken wir dir den Übermenschen!“ Und alles
Volk jubelte und schnalzte mit der Zunge. Zarathustra
aber wurde traurig und sagte zu seinem Herzen:

Sie verstehen mich nicht: ich bin nicht der Mund
für diese Ohren.

Zu lange wohl lebte ich im Gebirge, zu viel horchte
ich auf Bäche und Bäume: nun rede ich ihnen gleich
den Ziegenhirten.

Unbewegt ist meine Seele und hell wie das Ge¬
birge am Vormittag. Aber sie meinen, ich sei kalt
und ein Spötter in furchtbaren Spässen.

Und nun blicken sie mich an und lachen: und
indem sie lachen, hassen sie mich noch. Es ist Eis in
ihrem Lachen.“

Der letzte Abschnitt ist für mich alles andere als optimistisch. Nietzsche meint wohl, dass ein Großteil der Masse schwach ist und lieber das leichte Glück in den letzten Menschen wählen wird, statt den anstrengend Pfad zum Übermenschen. Vielleicht angelehnt an den antiken Gesellschaften, die durch Dekadenz zerfielen. Somit wäre diese Entwicklung als Folge der Modernen Zivilisation nach Nietzsche unausweichlich, was ich allerdings nicht hoffe.
 
In Mittelalter ging es den Menschen scheiße und ab der Rennaisance gab es aufeinmal eine regelrechte Explosion an Erfindungen, Entdeckungen und technischen sowie medizinischen Innovationen, sowie einer Fülle der hohen Kunst und der Dichtung. Und heute? Was wurde z.b. von 2000 bis 2015 etwas großartig was entdeckt und entwickelt? Mir fällt spontan nichts ein. Es stagniert. So als ob es uns an Ideen mangelt. Vielleicht weil es inzwischen uns sogar zu gut geht?

Keine Sorge, auch in dieser Zeit wurde eine Menge entdeckt, erforscht und erfunden. Nur ist das meiste davon heute absolutes Expertenwissen, mit dem der Normalbürger außer vielleicht in einem Zeitungsartikel hier und da gar nicht konfrontiert wird. Gentechnik, Erforschung des Kosmos - denk an den Nachweis von Gravitationswellen und Higgs-Boson! Gigantische Fortschritte für die Fachleute! - Elektronik, Medizintechnik, oder simpel der Fortschritt bei Computerspielen, mit früher ungeahnter Graphik und Realismus - die Bandbreite ist riesig, nur eben meistens Expertenkram. Geh auf irgendeine Fachmesse und frag, welche Fortschritte sich seit 2000 in diesem Bereich ergeben haben, und Du wirst mit Informationen überschüttet.
Die Zeiten, in denen weltbewegende Erfindungen von irgendeinem verschrobenen Zausel in einer Hinterhofwerkstatt zusammengeschraubt wurden, sind lange vorbei. Heute läuft das in Laboren und Hightech-Werkstätten von irgendwelchen Konzernen.
 
„Ehemals war alle Welt irre“ — sagen die Feinsten
und blinzeln.

Diese ständige Betonung auf das "Blinzeln" soll wohl verdeutlichen wie betäubt der letze Mensch ist.


Dieses "Blinzeln" soll "Vertraulichkeit" sprich Überheblichkeit andeuten, so nach dem Motto "heute wissen wir doch alles besser".
Das Problem das bei Diskussionen über historische Ereignisse, Klassiker das 3. Reich, immer wieder auftritt, daß die Leute von heute die Handlungen der Menschen damals mit dem erheblich größeren Wissen und den ganz anderen Einstellungen von heute zu bewerten versuchen. Antisemitismus zum Beispiel, heute pfui, damals ganz normal in der nichtjüdischen Bevölkerung, ein Überbleibsel schon der jahrhundertelangen christlichen Diskriminierung, nur mal wieder angefacht durch die Nazis, aber keineswegs von ihnen erst verursacht.
 
Dieses "Blinzeln" soll "Vertraulichkeit" sprich Überheblichkeit andeuten, so nach dem Motto "heute wissen wir doch alles besser".
Das Problem das bei Diskussionen über historische Ereignisse, Klassiker das 3. Reich, immer wieder auftritt, daß die Leute von heute die Handlungen der Menschen damals mit dem erheblich größeren Wissen und den ganz anderen Einstellungen von heute zu bewerten versuchen. Antisemitismus zum Beispiel, heute pfui, damals ganz normal in der nichtjüdischen Bevölkerung, ein Überbleibsel schon der jahrhundertelangen christlichen Diskriminierung, nur mal wieder angefacht durch die Nazis, aber keineswegs von ihnen erst verursacht.

Ah das ist auch eine interessante Interpretation. Habs eher verstauen, wobei ja gut, ich beschäftige mich erst seit kurzen mit Nietzsche und es zieht mich grad in Bann 😀
 
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