Zunächst einmal: Wo habe ich geschrieben, dass die Frau alt ist? Im Gegenteil, vielleicht Ende 30, aber was tut das zur Sache?
Ich bleibe dabei: Wer darauf besteht, dass bestimmte Regeln für einen Bücherschrank eingehalten werden, der soll diese Regeln möglichst schriftlich und gut sichtbar für alle formulieren.Wenn sie für ihren betreuten Schrank anstatt einem offenen Konzept eher ein Bibliothekskonzept veranschlagt, muss das kenntlich gemacht werden.Wer mir aber stattdessen in einer unflätigen Art und Weise mit dem Holzhammer seine Vorstellungen von Anstand eintrichtern möchte, erreicht bei mir nicht die gewünschte Wirkung. Es ging ihr nämlich weniger darum, dass der Schrank zu leer aussieht, als vielmehr darum sich moralisch überlegen zu fühlen. Ein wenig mehr Freundlichkeit und die Sache hätte nicht so ausufern müssen. Freundlichen Menschen komme ich gerne entgegen.
Natürlich hätte ich im Gegenzug zur Entnahme ein paar Konsalik-Schinken aus dem Keller meiner Mutter reinlegen können, aber zu welchem Zweck? Es ist weitgehend bekannt, dass Konsalik nicht läuft und nur dort drinnen liegt, damit man es zuhause nicht mehr sehen muss. Die Frau hätte diese doch wieder nur aussortiert. Und es soll nunmal vorkommen, dass man nicht immer ein brauchbares Buch zum Abgeben parat hat.
Vielleicht hätte ich noch näher beschreiben sollen, was in diesem Fall "halbvoll" bedeutet. Jedenfalls haben wir entgegen der Ansicht einiger Leute hier nicht den kompletten Schrank geplündert. Da waren gut und gerne noch an die 100 Bücher verschiedenster Kategorien drin (in einem Kaff wohlgemerkt)
Zum Thema Egoismus: Egoistisch sein bedeutet für mich, wenn ich aus einer dreiteiligen Buchserie Band 2 mitnehme und nicht vorhabe, es jemals wieder zurück zu bringen. Somit würde ich die komlette Serie aueinanderreissen. Egoistisch bedeutet, wenn ich jemanden der mit mir am Schrank steht,das begehrte Buch aus der Hand reisse.
Die Sachlage gestaltet sich hier durchaus anders. Zum einen befanden sich keine anderen Interessenten am Schrank. Ausserdem handelt es sich schlicht um eine Leihgabe über einen überschaubaren Zeitraum, die pfleglich behandelt, gelesen und komplett an ihren Platz zurückgebracht wird. So haben wir es auch versucht, der Frau zu erklären. Gestaltet sich allerdings schwierig, wenn man von vornherein in eine Schublade gesteckt wird...
Gehen wir mal davon aus, dass es mehrere Leute gibt, die dort in regelmässiger Häufigkeit nach Lesestoff suchen. Diese werden nun eventuell erstmal die von uns entnommenen Bücher vermissen. Jedoch befinden sich diese nach moderater Zeit auch allesamt wieder am Platz. Wie es jemand so schön formuliert hat : es ist also nichts verloren. Wer halbwegs oft diesen Schrank aufsucht wird somit wieder fündig.
Andere, die ohnehin nur sehr sporadisch in die Schränke schauen, können nicht wissen was da zuvor alles stand und was gerade entnommen wurde, können demnach also auch nichts vermissen.
Für meine Freundin sind 10 Bücher für 14 Tage relativ normal. Sie schafft gut und gerne 1 Buch pro Tag, das ist mehr die Regel denn die Ausnahme. Zeit dafür hat sie. Warum, wie und weshalb sie die hat, ist an dieser Stelle zweitrangig. Zumal da nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher darunter sind, wo man sowieso nur ein paar spezielle Kapitel rauspickt.
Übrigens befindet sich in der nächsten Stadt einer meiner Lieblingsschränke an einem recht belebten Platz. Da laufen auch mal Leute mit 2 vollgepackten Tragetaschen davon ohne was reinzustellen und keinen interessierts.
Es gibt nämlich auch ehrliche Menschen , nicht jeder schnappt sich auf nie mehr wiedersehn Bücher und verscherbelt sie. Manche versorgen damit vielleicht eine Großfamilie. Ich käme nicht auf die Idee zu denken, die klauen hier wie die Raben.
Jedenfalls bis dahin vielen Dank für euer Feedback