Ich kann beide Seiten verstehen - die des Chefs und der Azubine. Allerdings muss ich jetzt entgegen der Kritik gegen den Chef eine Lanze für ihn brechen. Wegen diesen Sachverhalten:
Trotzdem ist sie humorvoll, geht gut mit unseren Kunden um und wenn man ihr mir Spaß und Laune entgegen kommt, strahlt sie auch.
Rumgenörgel und Kritik kann sie meiner Meinung nach überhaupt nicht ab. Sobald man sie auf einen Fehler hinweist, wird aus der strahlenden Person ein betrübtes Wesen, welches sich sogar für ein "Hallo" zu fein ist.
Doch nun zum Problem:
Unser Chef ist der Meinung, sie sei bodenlos frech, unmotiviert, Kritikunfähig, schlampig und nimmt kein Blatt vor den Mund, auch gegenüber den Vorgesetzten.
Sie fing an sich oft krankzumelden. Somit sprach unser Chef+Ausbilder ihr eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag aus.
Dann wurde ihr vom Chef vorgeworfen, dass sie auf blau machen würde. Was meiner Meinung nach nicht ganz falsch ist. Nach jeder Reibung mit dem Chef kam am nächsten Morgen ein Anruf, dass sie krank sei.
Kurz vor ihrem Feierabend kam sie zum Chef und fragte nach einem freien Freitag für die nächste Woche. Sie wäre gern auf der standesamtlichen Hochzeit ihres Bruders dabei.
Unser Chef war überhaupt nicht davon begeistert und fragte in einem erhobenen Ton, was ihr eigentlich einfällt nach so einer Aktion nach einem freien Tag zu fragen.
Auch sie wurde lauter und meinte: „Ich werde mich dafür, dass ich krankgeschrieben war, nicht rechtfertigen! Ob es dir passt oder nicht."
Fakt ist: Der Chef verhält sich unsachlich und nicht so kompetent, wie er es sollte. Weiterer Fakt ist aber, dass die Azubine sich meiner Meinung nach sehr viel herausnimmt und konstant unterschätzt, dass sie in einem Ausbildungsverhältnis ist mit Vorgesetzten, die am längeren Hebel sitzen und ihr gegenüber Weisungsbefugt sind.
Ich denke, eurem Chef ist der Kragen geplatzt. Was ehrlich gesagt in Anbetracht der Tatsache, wie lange sich das schon mit der Azubine zieht und wie sie sich verhält, nachvollziehbar ist. Vor allem, weil ihr ja auch unterbesetzt seid. Ich will aber betonen, dass es keine Rechtfertigung für seine Ausbrüche ist! Das ist daneben und unprofessionell. Genauso will ich aber jetzt auch nicht sagen, dass die Azubine das reine "Opfer" in der Geschichte ist und dem Chef alleine den schwarzen Peter zuschieben, auch wenn er der Erwachsene ist.
Es gab doch schon mehrere "Warnschüsse": Die Attestpflicht und dass es Gespräche gab, wo auch der Ausbilder mit dabei war. Wenn sie da nicht die Bremse zieht oder einsieht, dass es andere Lösungen für ihren Frust geben muss, als ständig krankzumachen und bei Kritik zu schmollen, verbaut sie sich das leider teilweise selbst. Das ist einfach ein No-Go, wie sie sich teilweise verhält. Das darf nicht sein, auch wenn sie noch Azubine ist und lernen muss. Und auch, wenn sie noch sehr jung ist. Dass man in einer Ausbildung gewisse Regeln befolgen muss und es anders läuft, als in der Schule oder zuhause, weiß man eigentlich als Jugendlicher.
Wie war das denn früher mit dem alten Chef. Konnte der mit der Azubine umgehen? Wenn ja, wie hat er sie zurechtgewiesen oder mit ihr gesprochen? Und überhaupt, wie steht der/die Ausbilder/in zur Azubine? Wurde da schon ernsthaft gesprochen? Wenn ja: also Sorry. Dann hatte sie doch mehrere Chancen und Möglichkeiten zu erfahren, wo sie aneckt und wie man dafür Lösungen finden kann.
Es darf auch meiner Meinung nach nicht so dermaßen ausgeprägt sein, dass man überlegt, wie man ihr genau die Dinge, die sie lernen muss, möglichst genehm macht und sie motiviert. Versteh mich nicht falsch, das heißt jetzt nicht, dass man den Assi raushängen lassen soll und seine Nummer durchzieht, vollkommen egal, wie der Azubi damit zurechtkommt. Das meine ich absolut nicht. Kommunikation ist wichtig, auch das zu vermitteln an Wissen, was für den Beruf wichtig ist und immer im Blick zu haben, dass das noch ein Azubi ist und kein ausgelernter Mitarbeiter. Aber es sollte auch klar sein: sie hat die Ausbildung angefangen, also sollte sie auch etwas zum Betrieb beitragen und sich einbringen und dazu gehört für mich auch, dass sie nicht ganz so dermaßen viel Welpenschutz genießt, bzw. man das durchgehen lässt, wenn sie länger schmollt. Eigentlich sollte sie den Job wollen und das bringt im Normalfall eine gewisse Portion Motivation mit sich und eigenen Antrieb, etwas lernen zu wollen, auch wenn es nicht immer ideal und angenehm vorgesetzt wird.
Genauso wie ein Chef nicht dermaßen austicken sollte gegenüber seinen Mitarbeitern und Azubis. Aber nochmal: wenn man das Gefühl hat, jemand macht blau und ändert nach mehrmaligen Warnschüssen nicht wirklich sein Verhalten, dann ist das einfach super ätzend. Sorry. Vor allem dann, wenn alle Mitarbeitet sich abstrampeln müssen und unterbesetzt sind.
Dass sie direkt so kurze Zeit später nach Urlaub fragt, finde ich sehr, sehr unklug. Ich kann verstehen, wie wichtig ist das ist. Das hätte sie allerdings auch früher anbringen können. Der Hochzeitstermin steht ja nicht erst seit ein paar Tagen, oder? Und wenn ich schon weiß, ich bin mit meinem Vorgesetzten aneinandergeraten, weil ich wieder gefehlt habe, dann wäre das letzte, was ich erstmal tue, nach weiterem spontanen Urlaub fragen. Davor würde ich eher versuchen, eine faire Klärung reinzubringen. Ja, sie ist noch sehr jung. Aber ansatzweise kann man das auch erkennen und reflektieren, wenn man noch grün hinter den Ohren ist. Und abgesehen davon: irgendwann muss man es lernen.
"Ich werde mich dafür, dass ich krankgeschrieben war, nicht rechtfertigen! Ob es dir passt oder nicht." - ich glaube, das war der Punkt, der zur Eskalation beigetragen hat. Frage: darf sie den Chef einfach duzen? Wenn ja: ist das so gut, wenn das Verhältnis sowieso schon dermaßen angespannt ist? Ich habe auch die Erfahrung gemacht, auch wenn es sich klischeehaft anhört: "Es sagt sich leichter 'Du A****!' als 'Sie A****!'"
Gerade im Hinblick darauf, dass für mich mitgeschwungen ist in deinem Eingangsbeitrag, dass der neue Chef eher der Typ ist, der weniger locker und kumpelhaft drauf ist. Hat die Azubine das schon kapiert? Die Frage meine ich ernst. Denn nur, weil der letzte Chef eher locker drauf war, heißt das nicht, dass sich das beim neuen Vorgesetzten weiterhin so gestaltet. Auch wenn der später da war. Da geht das halt leider weniger, so mit ihm zu reden. Ich finde es sowieso grenzwertig zu einem Chef zu sagen "Ob es dir passt oder nicht". Und das sage ich als jemand, der es jetzt auch nicht sooo hat mit Hierarchien und Chefs.
😀
Die Fronten klingen schon wirklich sehr verhärtet. Wie schon bereits angesprochen muss der Betriebsrat unbedingt eingeschaltet werden. Und mit der Azubine mal offen, ehrlich, aber auch klar und direkt gesprochen werden. Macht ihr die Arbeit überhaupt Freude? Sieht sie einen Sinn in dem von ihr angestrebten Job? Will sie den wirklich lernen oder war das eher eine Notlösung? Wie sieht die Azubine ihr eigenes Verhalten: findet sie das okay oder merkt sie selbst, dass da vieles dabei ist, was einfach nicht so geht? Hat sie sich schon überlegt, wie es weitergehen soll oder was sie ändern kann? Oder eher nicht so? Das wären für mich sehr wichtige Fragen, die man mit ihr angehen sollte. Und dann würde ich, wenn der Chef sich abgekühlt hat, versuchen nach Lösungen zu suchen. Nicht nur auszuschlachten, was alles schief läuft und sich da nicht so festbeißen. Ich denke, wenn der Chef ein Entgegenkommen der Azubine merken würde und dass sie von sich aus Vorschläge bringt oder ihm zeigt, ihr liegt was an dem Job, dann wäre das schon ein großer Schritt, der zur Klärung beiträgt. Aber so sind da doch ständig zwei Fronten, die gegeneinanderstehen und die Azubine schaltet auf stur und macht alles nur noch schlimmer. So wird das nichts. Und den Konflikt kann sie nicht "gewinnen". Das ist Fakt. Der Chef sitzt insoweit am längeren Hebel, dass er ihr ein schlechtes Ausbildungszeugnis reindrücken kann und sie auch nicht übernehmen muss nach der Ausbildung, wenn das jemals eine Option war. Auch in der Zeit der Abschlussprüfung muss er ihr nicht weiter entgegen kommen und kann ihr da was erschweren. Darüber sollte sie einfach mal nachdenken. Ich meine das ernst. Auch wenn man das mitunter nicht so gerne hört, dass der ätznede und cholerische Chef, der einen nicht versteht, schlichtweg am längeren Hebel sitzt. Wenn man es aber genau nimmt: sie scheint vielleicht auch nicht zu verstehen, worum es ihm geht. Oder dass sie mit ihrem Verhalten mehr aneckt, als gut ist.