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Gast
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Liebe Gast-Schreiberin,
Deine Kritik ist ganz schön hart - und ich lasse sie mir gefallen.
Zunächst einmal sehe ich bei Dir das für mich wichtige Detail, dass es sich bei Euch um 2 Schwestern handelt und finanzielle Interessen nicht berührt werden. Es geht Euch beiden nicht um's Geschäft "Kind gegen Geld". Dieser Unterschied ist für mich wichtig. Immer dort, wo Geld im Spiel ist, wird das zu gebärende Kind zu einem Geschäftsgegenstand, wie auch die Leihmutter. Das lehne ich völlig ab.
Bei Dir und Deiner Schwester geht es darum, eigene Gene weiterzugeben. Deine Bezeichnung "Schwangerschaft und Geburt miterleben" irritiert mich etwas. Das könnte Deine Schwester doch so ziemlich bei jeder schwangeren Frau, deren Einwilligung sie für eine Begleitung hat. Oder? Also könnte man auch hier Adoption in Betracht ziehen und zu folgendem Mix kommen: Adoption + Begleitete Schwangerschaft bei einer Frau X.
Bei Dir und Deiner Schwester käme es zu einem Mix von Deinem Bauch aber die Gene von ihr und ihrem Mann. Also ehrlich, dazu habe ich keine fundierte Meinung. Ich bin da eher abwehrend, weil nicht bekannt ist, welche Nachteile entstehen können. Und bekannt ist, dass jede Medaille zwei Seiten hat. Aber Du kannst sicher sein, dass ich Euch nicht verurteile, wenn ihr beide diesen Weg geht. Verurteilung wäre so ziemlich das Letzte, was mir zustünde. Vielleicht hilft hier die indianische Weisheit: "Beurteile den Weg eines Menschen erst dann, wenn Du in seinen Mokassins gelaufen bist."
Aber auf einen Kritikpunkt von Dir möchte ich besonders eingehen. Du schreibst mir:
"Menschen wie du verhindern Leben, Familie, Liebe und Glück im Leben anderer.
Mit deinem Beitrag kämpfst du gegen diese Grundfeste des christlichen Glaubens."
In der christlichen Menschheitsgeschichte gab es immer diesen Disput, ob man an einer Weggabelung links oder rechtes gehen soll. Und die Christen, die links gingen, wurden kritisiert von denen die rechts abgebogen sind und umgekehrt. Ich glaube, dass wir manchmal nicht wissen können, was jetzt wirklich richtig ist. Und in Eurer Situation gehöre ich zu den Menschen, die es eben nicht wissen. Aber ich muß es für Euch auch nicht wissen.
Jedoch wenn Du schon den christlichen Bezug für Deine Argumentation nutzt, dann sei so konsequent und nutze auch die Möglichkeit Gott zu fragen. Bzw. Du und Deine Schwester und Dein Schwager sollten das gemeinsam tun.
Jesus betete zu unserem Vater im Himmel "nicht mein Wille geschehe - sondern Dein Wille". Und wenn es Euch allen Dreien wichtig ist, dass Sein Wille geschehe und ihr alle Drei Euren Willen hintenan stellt - und trotzdem den Eindruck habt, dass Gott Eurer Idee zustimmt - dann tut es. In Indien, wie ich las, wäre Euer Vorhaben gesetzlich möglich. Und wenn es dann Gottes Wille ist - dann wird Er auch die Möglichkeit schaffen, dass Sein Wille geschieht.
Die zentrale Frage lautet für mich - aus christlicher Sicht: Seid Ihr Euch sicher, was Gottes Wille in Eurer Angelegenheit ist?
LG, Nordrheiner
Ich würde das auch für eine Freundin und jede andere Frau in dieser Situation tun.
Auch mit eigenen Eizellen.
Sex mit fremden Männern würde ich nicht haben, dafür. Wenn dann Befruchtung via Spritze oder Einsetzung.
Nicht unbedingt ohne Geld zu verlangen, schließlich bedeutet eine Schwangerschaft auch in gewissen Maß Arbeitsausfall.
Aber mein Motiv wäre dabei eindeutig nicht "Kind gegen Geld".
Mein Motiv wäre, dass ich Menschen helfen möchte Familie zu sein.
Das Motiv ALLER Eltern, die eine Leihmutter suchen, ist auch nicht "Wir kaufen uns ein Kind" oder "Wir benutzen den Körper einer Frau, die das nicht will, um ein Kind zu bekommen".
Diese Menschen wollen einfach eines ihrer grundlegendsten Rechte ausüben:
Mensch sein.
Dazu zählt in enormen Maße das Bedürfnis nach Fortpflanzung und Aufziehen von Nachwuchs.
Nicht um unsere Gene weiterzugeben.
In der heutigen Zeit sollte klar sein, dass der Glaube, Haar-, Augen- und Hautfarbe oder Krankheiten (Gendefekte), würde einen Menschen ausmachen inakzeptabel oberflächlich und diskriminierend ist.
Fortpflanzung heißt nicht mehr nur:
"Rein-Raus, 8 Monate, Fertiges Gengemisch/Kind"
Es bedeutet auch sich mental Fortzupflanzen.
Also ein Kind als sein eigenes zu lieben und zu erziehen.
Und wenn das eine, der oberflächliche Aspekt davon gesundheitlich nicht möglich ist, soll der andere, bedeutende Aspekt verboten werden?
Das macht ein schlechtes Bild.
Als ob Kinder gar keine vollwertigen Menschen wären, sondern nur Objekte, die Lebensversicherung der Menschheit.
Außerdem schreibst du keine Ahnung von Adoption zu haben. Adoption auf Vorbestellung, wie du sie beschreibst, IST Leihmutterschaft.
In Deutschland kann man nur bereits geborene und den Eltern entzogene oder von ihnen abgegebene Kinder adoptieren.
Eine gute Tat, ja.
Aber das macht die andere deshalb nicht schlecht oder entzieht dem Wunsch danach die Existenzberechtigung.
Und ja: Gott hat uns schließlich die Intelligenz gegeben, um uns künstlich und per Leihmutterschaft fortzupflanzen.
Weshalb sollte er das tun, wenn er nicht wollte, dass wir dieses Geschenk von ihm nutzen?
Dafür dass du so gläubig bist, stellt du das Werk deines Gottes ganz schön in Frage.
Weshalb dir mein Beitrag so hart vorkommt kann ich dir auch sagen:
Er konfrontiert dich mit Ehrlichkeit und Realität.
Die Realität, in der Leihmutter und entsprechende Eltern sich befinden betrifft dich nicht.
Du hast diesen Umstand nur ohne Zweck und Nutzen und ohne dass er tatsächlich jemanden schaden würde als "schlecht & verwerflich" abgestempelt und versucht diese Meinung mit ebenso unrealistischen Argumenten zu verbreiten.
Keine Leihmutter in Europa würde je dazu gezwungen werden können, ein Kind auszutragen, gäbe es entsprechende Gesetze.
Und die Legalisierung von Leihmutterschaft in der EU würde nicht automatisch die Legalisierung oder Hinnahme von Zwangsschwangerschaften in anderen Teilen der Welt bedeuten;
Im Gegenteil: Gäbe es hier menschenfreundliche Gesetze dazu, würde man in kürzester Zeit alles daran legen, diese auch andernorts anzubringen, um Menschen zu schützen.
Wie bisher bei allen Menschenrechten.
Da könntest du dich dann engagieren, damit Gottes Geschenke nicht für Geldmacherei und Gewalt eingesetzt werden.
Aber in jedem Paket, dass er der Welt überreicht gleich Gift und faule Eier zu vermuten, finde ich nicht in Ordnung.
Soll heißen:
Du hast eine sehr undifferenzierte Meinung von diesem Thema.
Das ist, als würdest du dich fragen, ob es in Ordnung sei zu denken, weil ja jemand auch was schlechtes denken könnte...