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Brexit - und dann?

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Unabhängig davon, ob der Brexit am Ende gut oder schlecht für GB ist, ist die Unsicherheit derzeit auf jeden Fall schlecht.

Da sollten sich m.E. auch Brexit Befürworter und Gegner einig sein. Nach Stand heute hätte man den Brexit nicht schlechter einleiten können (wenn man ihn denn überhaupt als eingeleitet bezeichnet).

Da ist es doch klar, dass Unsicherheit herrscht, Unternehmen GB verlassen und das Pfund sinkt.

Ich würde derzeit auch mein Geschäft nicht auf der Insel aufmachen wenn ich nicht sicher weiß unter welchen rechtlichen Vorraussetzungen ich Waren in die EU exportieren kann. Da kann man mir noch so viel versprechen, ich weiß noch nicht mal, ob ich überhaupt eine Arbeitserlaubnis als EU Bürger in GB haben werde!

Ich glaube GB hat insbesondere mit der Art des EU Austritt alles verschenkt. Sowohl die Mitgliedschaft in der EU als auch die Möglichkeit zu beweisen, dass es ohne EU besser geht. Und wer weiß, was in X Jahren ist. Vielleicht sind die Briten dann auch offiziel raus, haben 3% mehr Arbeitslosigkeit und suchen einen neuen Schuldigen für die Probleme, statt zu erkennen, dass es ihre eigene planlose Flucht ins Ungewissen war, die Unternehmern und Menschen vergrault hat.
 
Ist es aber nicht egal, wer dem "Weltreich" den letzten Tritt gibt? So sind sie es wenigstens selber. Und so langsam scheinen sie das auch zu realisieren.
 
Ist es aber nicht egal, wer dem "Weltreich" den letzten Tritt gibt? So sind sie es wenigstens selber. Und so langsam scheinen sie das auch zu realisieren.

Im Ergebnis ist es egal. Ich finde es aber schade, dass es so politisiert wird - Zwischen EU Anhänger und Gegnern, zwischen nationalistischen Bewegungen Europas und Europliberalen.

Man wollte diese Entscheidung und man wollte die Entscheidung mit Gewalt.
Ich glaube, dass die Mehrheit der Politiker UND Wähler nicht danach gehandelt hat, was für GB besser ist.
 
Wenn sie ernsthaft etwas dabei gedacht hätten, ginge sowas nicht ohne eine Zweidrittel-Mehrheit. Das hätte zu einer klareren Entscheidung geführt und vielleicht auch das die Leute mehr darüber nachgedacht hätten.
 
Keine Ahnung. Kommt ja drauf an, wie die Wähler damals für eine Partei gestimmt haben, die für den Beitritt war. Dürfte also deutlich gewesen sein. Wie übrigens in der BRD auch.
 
Es findet sich aber folgendes dafür:
Zitat:

Ja, die Wähler glaubten es, und zwar mit einem überwältigend positiven Ergebnis von 67 zu 33 Prozent der Stimmen. 17,4 Millionen Menschen stimmten für ein Verbleiben in der Europäischen Gemeinschaft (EG), wie sie verkürzt auch genannt wurde. Es war das höchste Ergebnis, das je bei einem britischen Wahlvorgang, auch bei Unterhauswahlen, für eine Seite oder eine Partei erzielt wurde.
 
Der Beitritt von GB zu EU/EWG damals 1973 war eindeutiger als heute der Austritt.

In den 1960er-Jahren klopften die Briten schon in Brüssel an, um Handelsvorteile zu genießen. "Non!", tönte es damals aus Frankreich. 1973 kam es aber letztlich zum Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Zwei Jahre danach stimmten zwei Drittel der Briten für die weitere Mitgliedschaft.

Auch Labour-Außenminister James Callaghan hatte zu einem "Ja" aufgerufen. Sogar Margaret Thatcher war damals für Europa. Später aber erkämpfte die "Eiserne Lady" - wie die Premierminister nach ihr - etliche Extrawürste: Rabatt beim EU-Beitrag, Ablehnung des Schengen-Abkommens, kein Mitmachen bei Euro und Fiskalpakt etc.
Einig ist sich die politische Elite bis heute darin, dass Großbritannien eine Sonderrolle in Europa erfülle und Sonderkonditionen verdiene. "I want my money back", verlangte etwa Thatcher 1984 und handelte einen Britenrabatt heraus, ähnlich wie David Cameron im Vorfeld des diesjährigen Referendums.

Insofern war die EU Mitgliedschaft Großbritanniens immer schon eine Extrawurst, eine Mitgliedschaft die die Briten nur zähneknirschend hinnahmen weil die EU mit Deutschland, Frankreich einfach zu groß und stark wurde.
Es war daher nicht verwunderlich, dass gewisse Kräfte in GB eine Schwäche der EU ausnutzen, um aus dem Bündnis auszubrechen. Man muss aber eben auch so klar sagen, dass die EU dem Land GB jahrzehntelang unzählige Vorteile verschafft hat - und das auch noch zu Extrawurstkonditionen.

Dies alles hat GB jetzt verspielt und sieht sich einem großen Europa gegenüber. Dabei ist die Rolle GB in der Welt seit Beitritt 1973 keineswegs gewachsen. Längst haben andere Nationen wie China aufgeholt und vom britischen Weltreich ist nicht mehr viel über. GB will und kann das nicht wahr haben. Traditionell gab es schon immer Länder, die für ein einiges Europa stritten, allen voran Frankreich - gleichwohl Jahrhundertelang Todfeind Großbritanniens. Diese Feindschaft ist latent immer noch da. Versuch mal im Urlaub in Frankreich mit englisch weiter zu kommen. Nur naserümpfend verwenden die Franzosen außerhalb der Touristenhochburgen die englische Sprache.

Diese Einstellung "wir arbeiten nur mit euch zusammen solange wir mehr davon haben als ihr" war für GB immer heikel. Wenn in 10-20 Jahren die Welt anders aussieht wird GB vielleicht wieder zu Kreuze kriechen und in die EU rein wollen. Schon 1984 titelte der Stern „Großbritannien kennt keine Freunde“. Letztlich ist das die Kernfrage für Europa: nutzen wir uns nur bestmöglich gegenseitig aus (Modell GB) oder wollen wir ein einiges Europa (Modell Frankreich/Deutschland), indem nicht jeder sofort von Bord springt wenn die Kohle nicht an ihn fließt. Wie heißt es so schön? Wahre Freunde erkennt man erst in der Not.
 
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