Fast richtig. Wenn man mir die Nicht-Existenz Gottes beweisen könnte, würde das allen meinen persönlichen Erfahrungen widersprechen. Insofern sehe ich da eine gewisse Unmöglichkeit. Der Glaube meiner Mutter spielt für mich bzw. für meine eigenen Erkenntnisse schon seit vielen Jahren keinerlei Rolle mehr.
Deine Küchenpsychologie ist recht nett, aber geht an meiner Realität vorbei. Vor allem habe ich keinerlei Rachegelüste gegenüber meinem Vater. Ich bedauere vielmehr, dass er schon lange gestorben ist und würde, wenn er noch lebte, sehr sehr liebevoll mit ihm umgehen.
Liebe überwindet so viel… Daoga, Liebe heilt Wunden und sie verändert Menschen. Deshalb ist mir ein Thema, welches sich direkt oder indirekt mit Liebe beschäftigt, wichtig. Und Gott ist nunmal – so sehe ich das – ein Gott der Liebe. Manchmal fragen sich Menschen „wie passt das zu Gottes Liebe?“. Ich halte solche Fragen auch für berechtigt. Aber dann sollte man – so denke ich – nicht einfach weglaufen, sondern nach der Antwort forschen
LG, Nordrheiner
"Liebe" kann aber auch zuweilen ein laut ausgeprochenes und sich selbst eingeredetes Synonym für "Selbstbetrug", für Selbstschmeichelei sein, eine fromme Beschönigung für die Hilflosigkeit, die das kleine Kind einmal empfand und in der Tiefe seiner Seele bis heute nicht überwunden hat. "Liebe" auch als Deckmäntelchen für den Zorn und Haß, den das kleine Kind nie empfinden "durfte", weil es doch der eigene Vater war, und sich bis heute nicht ehrlich eingestehen will.
Tut mir leid, aber ich glaube Dir nicht, daß Du alles vergeben hättest oder daß der Glaube Deiner Mutter etc. schon lange keine Rolle mehr spielt, denn Dein standhaftes Festkrallen am Thema spricht eine ganz andere Sprache.
Beim Miterleben von ungerechter Gewalt empfindet ein normal denkender Mensch Gefühle wie Zorn, Haß, Angst, Abscheu, vielleicht auch ein bißchen Mitleid - nicht für den Gewalttäter selbst, sondern für seine Dummheit und Primitivität, und wegen der Schäden, die er bei anderen anrichtet. Aber mit Sicherheit nicht Liebe. (Googel dazu mal das vergleichbare --> "Stockholm-Syndrom"!) Auch nicht die Liebe, die ein Kind dem eigenen Elternteil angeblich "schuldet" (wieder so etwas, was Menschen systematisch eingeredet wird und auf diese Weise viel Leid verursacht!)
"Liebevoller Umgang" mit einem Gewalttäter, mit dem man jahrelang als unterlegene Partei zusammenleben mußte, kommt in den allermeisten Fällen nicht aus einer Position von Stärke, denn mental so stark sind nur die allerwenigsten Menschen, sondern aus einer von Schwäche und Angst. Du willst ihm schöntun, auch jetzt, viele Jahre später noch, weil die Angst in Wahrheit immer noch da ist, um ihn zu beschwichtigen, seinen Zorn und Haß zu beenden, Kindchen-Charme und Kindchen-"Liebe" einsetzen gegen den starken Pascha, der Dir wehtut und Dich jederzeit ganz in Stücke reißen könnte, auch das übrigens ein Verhalten, das man aus der Natur von diversen Tierarten kennt. Aber dummerweise funktioniert das in den allermeisten Fällen nicht. Ein Tier kann aus seinen Instinkten nicht heraus, ein Mensch dagegen kann es. Wenn er will und sich selbst hinterfragt, nicht seine Gefühle und auch nicht seinen Selbstbetrug, seine völlig unberechtigte Selbstschmeichelei regieren läßt. Wenn er - kurz gesagt - ehrlich ist. Ganz besonders zu sich selbst, auch wenn das die schmerzhafteste Version von Ehrlichkeit überhaupt ist.
Und zum Ausgleich abermals ein Abstecher zu mir... Lügen, Heucheln, Selbstbetrug sprechen einerseits von Flucht vor unangenehmen Wahrheiten, aber auf der anderen Seite braucht man fürs Lügen und Heucheln auch eine gewisses Maß an Intelligenz, denn die Lügen und das Heucheln müssen ja glaubhaft und glaubwürdig wirken, für einen selbst und für die Außenwelt sowieso. Mein unangenehmer Grund, warum ich nicht lüge und heuchle: ich bin vermutlich schlicht zu dumm dafür. Ich kann mich nicht verstellen, konnte ich noch nie. Ich zeige kein lachendes Gesicht zu Dingen, wo ich nicht lachen kann, ich heuchle keine Liebe - oder rede sie mir selbst ein - wo Haß, Furcht, Angst herrschen. Was auch Leute, die mich zu analysieren versuchen, jedesmal verblüfft und anscheinend enttäuscht - denn bei mir liegt alles an der Oberfläche. Es gibt kein "darunter". Kein Verstellen, keine Maske, keine Heuchelei, kein Vortäuschen von Liebe, wo keine ist und noch nie eine war, aber wenn ich hasse, dann ist das ehrlich. Nehmt mich so wie ich bin oder laßt es. Nennt mich gern dumm, das trifft die Wahrheit, aber wer mich der Lüge oder Heuchelei bezichtigen möchte, sieht vermutlich gerade sein eigenes Spiegelbild statt mich. - Aber wenn man nichts zu verbergen hat, braucht man auch keine Deckmäntelchen, keine Teppiche unter die man Dreck kehren kann, keine Ausreden, für die Religion so gerne herhält, weil sie sich dann als unverzichtbar vorkommt. Keinen Gott, der einem selbstaufgehalste Deckmäntel und Teppiche, unter denen man zu ersticken droht, wieder abnimmt. Kein Vortäuschen. Kein überflüssiges Selbstbelasten.
Freiheit.