Lieber Andreas,
ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, in denen ich auf zwei völlig unterschiedliche Weltanschauungen traf:
Mein Vater war ein liebloser und gedankenloser Schläger, der weder seiner Frau noch seiner Familie treu war. Ja, er war sehr fleissig und darin vorbildlich. Aber Fleiss war anscheinend die einzige tugendliche Gemeinsamkeit, die er mit meiner Mutter teilte. Er vertrat auch den christlichen Glauben. Mich wundert bis heute, dass ich den christlichen Glauben nicht ebenso hasste, wie meinen Vater. Dass ich den christlichen Glauben nicht hasste, lag wohl an meiner Mutter. Es gab keine Schläge und keine Erniedrigung und keine Probleme, die meine Mutter davon abhalten konnten, an die Liebe Gottes auch nur im Geringsten zu zweifeln. Auch lernten wir Christen kennen, bei denen man den menschlichen Faktor auf sehr unangenehme Weise verspürte.
Von was lässt sich der Mensch anziehen? Bei mir war dies der Aspekt der Liebe, der es mir sehr leicht machte, mich für Jesus Christus zu entscheiden. Ich habe mich nie für das Christentum entschieden, welches z.B. von Kirchen vorgelebt wurde. Aber ich war sehr neugierig, warum andere Menschen nicht ebenso wie ich die Liebe Gottes für sich in Anspruch nahmen. Damals fing es an, dass mich die Frage verfolgte: Warum tut der Mensch was er tut?
Nordrheiner selbst ist laut seines eigenen Posts der beste Beweis, wie Erlebnisse in der Kindheit (hier stark zwiespältig - gewalttätiger Vater, liebende Mutter) sich auf den religiösen Glauben im restlichen Leben auswirken. Nordrheiner bastelt sich seinen eigenen Glauben zusammen, weil er mit dem "offiziellen", dem "männlichen"/männlich dominierten Kirchenglauben, dank seines schlägernden Vaters nie etwas anfangen konnte - nur mit dem "freien", von dominant-gewalttätigen Kirchenvorstellungen ungebundenen "weiblichen" Glauben seiner Mutter.
Deshalb würde er von diesem Glauben auch nie abweichen, nicht mal wenn man ihm die Nichtexistenz eines Gottes beweisen könnte, weil es ihm wie ein nachträglicher "Verrat" an seiner Mutter vorkäme.
Und deshalb ist ihm dieses ganze Thema Religion überhaupt so wichtig, daß er es immer wieder und wieder und wieder in diesem Forum aufbringt mit allen möglichen Suggestivfragen und neuen Threads,
als (unbewußte) nachträgliche Unterstützung seiner Mutter, die ebenfalls unter ihrem Mann zu leiden hatte,
und als (ebenso unbewußte) Rache an seinem Vater und dessen ganzer "unterdrückerisch-männlicher" Glaubensausprägung, die er gern sang- und klanglos für immer untergehen sehen täte,
wofür er hier im Forum ein Podium samt aufmerksamer Zuhörer zu finden hofft.
Ödipus-Komplex in religiöser Variante also.
(Sorry, Küchenpsychologie
😉 - reicht aber meistens für den Hausgebrauch.)
Zum Vergleich ich - wo in meiner Familie Glauben immer nur etwas war, was vorgeschoben wurde, um ganz andere Dinge, wie Familienstreitigkeiten, männliche Möchtegern-Dominanz (Großeltern mütterlicherseits, da war der Wurm drin!) und verzweifeltes Bestreben, trotz offensichtlicher Armut in den Augen der Umwelt möglichst gut dazustehen, fromm zu bemänteln. Daß ich da Atheist wurde, weil mir fromme Bemäntelungen immer schon zuwider waren (für sowas bin ich schlicht zu ehrlich) und ich schon von Kind auf die ständige in der Luft hängende Unwahrheit wahrnahm wie die Qualmwolken meiner chronisch rauchenden Verwandtschaft, war die einzig logische Konsequenz.
(Küchenpsychologie Ende.
😀)