Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Zweiteres natürlich. Ein Hinweis an alle potentiell neuen Mitleser, damit sie Deine persönliche Einstellung nicht für die Einstellung aller "typischen" Christen halten.
Jetzt machst Du es aber spannend. Was ist denn ein a) typischer b) ein untypischer Christ?
Ich denke, dass ich verstehe, was Du meinst. Jedoch beurteilen wir immer - auch Du und ich - alles aus unserer aktuellen Warte heraus, wie das jeder Mensch tut. Wir haben nur unsere Warte. Ich bin mir lediglich bewusst, dass mich das nicht zu dem Gedanken verführen sollte, ich könnte das Leben der Menschen, vor allem wenn sie vor langer Zeit lebten, vollumfänglich nachvollziehen.Und ein Hinweis an Dich, die Beweggründe von Christen, die sich selbst so bezeichneten und in früheren Zeiten lebten, nicht von Deiner ganz speziellen Warte aus zu verstehen.
Was ich jedoch tun kann, ist die Überlegung anstellen: Würde ich diesen Beweggrund X als Grundlage für die Handlung Y nehmen können? Und die Grundlage für ethische/moralische Entscheidungen finde ich im NT. Und wenn ich davon ausgehen kann, dass das NT zu Lebenszeiten von z.B. Konstantin ebenfalls dem Konstantin bekannt war, dann stelle ich fest, dass er trotz unterstellter Kenntnis des NT anders denkt und handelt, als ich es mit meinen Überzeugungen vereinbaren kann. Was ich damit sage: Meine christliche Warte ist zeitlos, wie auch das NT in seinen Grundaussagen zeitlos ist.
Der Versuch, historische Entscheidungen aus heutiger Sicht und aus heutigem Wissen heraus erklären zu wollen, führt automatisch zu Fehldeutungen, einfach weil die Menschen in anderen Zeiten ganz anders gedacht haben, ganz anders geprägt und eingestellt waren und weil ihnen modernes Wissen, moderne Erkenntnisse gefehlt haben.
Solange Du das auf das alltägliche Leben, wie z.B. Berufe, familiäre Verhältnisse etc. anwendest, stimme ich Dir zu.
Nur sollten wir das von einer zeitlosen Glaubensüberzeugung trennen.
Ein Beispiel:
Zu Zeiten des israelitischen Königs David - vor gut 3.000 Jahren - war Mord Mord. Als Gesetzgeber konnte er das Recht biegen und beugen, wie er wollte. Er verliebte sich in eine verheiratete Frau und begann mit ihr ein Verhältnis. Durch ihre Schwangerschaft befürchtete er, dass dieses Verhältnis herauskommt und seinem Ruf "als guter König" schadet. Er gab Anweisungen, den Ehemann, einen hoch verdienten Offizier, im Krieg im Stich zu lassen, so dass der Offizier von den Feinden leicht getötet werden konnte. Durch Samuel, den damaligen Propheten, wurde ihm das Gottesurteil mitgeteilt. (2. Samuel Kap. 11+12).
Zur Zeiten Jesu war Mord Mord, aber Scheidung war gesetzlich erlaubt.
Jesus hat "neue" Regeln klar gelehrt: 1) Wer eine andere Frau begehrlich ansieht, hat in seinem Herzen die Ehe gebrochen. Wer sich von seiner Frau trennt, außer sie hat ihrerseits die Ehe gebrochen, der treibt sie in den Ehebruch. Und wer eine Geschiedene heiratet, wird zum Ehebrecher. 2) "unseren Vorfahren wurde gesagt: Du sollst nicht morden. ....Ich aber sage: Schon wer auf seinen Bruder oder seine Schwester zornig ist, gehört vor Gericht. Wer zu seinem Bruder oder zu seiner Schwester sagt: "Du Idiot" gehört vor das oberste Gericht. Und wer zu seinem Bruder oder zu seiner Schwester sagt "geh zum Teufel" gehört ins Feuer der Hölle." (aus Markus 5, Verse 21-32)
Ich denke: Für Jesus war David vermutlich ein Ehebrecher und Mörder, obwohl David das gesellschaftliche zeitgemäße Recht auf seiner Seite hatte. Die Entscheidungen des Königs waren nicht anfechtbar. An dieser Ethik hat sich - nach meinem Verständnis - bis heute nichts geändert.
Um auf Deinen obigen Beitrag zurückzukommen: Ich kann zwar nicht genau verstehen, welche Motive genau einen Menschen bewegten und welche Umstände vor z.B. 800 Jahren genau gegeben waren, aber anhand der Ethik Jesu kann ich für damals wie heute sagen, dass das Verhalten gut oder schlecht war. Das ist dann meine Beurteilung. Aber das ist keine Verurteilung, denn die steht mir nicht zu.
LG, Nordrheiner
LG, Nordrheiner