Hallo noch mal,
Sexualmoral oder kulturell bedingt unterschiedliche Denk- und Handlungsweisen sind durchaus interessant. Aber auch wie Du es empfindest, sehe auch ich viel wichtigere Grundsatzfragen.
Es wundert mich, dass du obwohl dir Grundsatzfragen wichtiger sind wie du sagst, dich dennoch in solchem Ausmaß auf diese Art von Themen versteifst und meine Fragen an deine Glaubensaufassung weitestgehend unbeantwortet gelassen hast. Gerade der Koran nimmt sehr viel Bezug auf Christen. Er stellt euch Fragen, fordert von euch Antworten heraus in Bezug auf euren Glauben und eure Taten, ermahnt euch zur Aufrichtigkeit gegenüber Gott u.s.w. Will man nicht zuerst Stellung auf die Dinge beziehen, die einen selbst betreffen? Es wundert mich einfach.
Es ist ein schönes Beispiel für die Doppelmoral, wie ich es empfinde. Die islamische Regel heisst: Wenn Du bereits verheiratet bist und Lust auf eine andere Frau hast, dann heirate sie und schon ist GV mit anderen Frauen keine Hurerei. […] schwupps wird aus Unmoral wieder Moral. Und alles mit Segen der Religion. Muslime sind ganz schön clever.
Von (meinem) Standpunkt aus bleiben sie auch unmoralisch, unabhängig vom rechtlichen Rahmen.
An diesem Punkt stellt sich mir wieder die Frage, worauf dein Standpunkt von Moral und Unmoral basiert? Auf der Bibel? Wenn du persönlich es als Hurerei empfindest, dann ist das halt lediglich deine persönliche Meinung und scheint mir auch nicht wirklich durch die Bibel gedeckt.
Denn soweit ich weiß stimmen auch die Christen überein, dass beispielsweise der Prophet Ibrahim – der Freund Gottes – 2 Frauen hatte, um nur eines von vielen Beispielen von Männern zu nennen, die mehrere Ehefrauen oder Konkubinen hatten. Mir ist nicht bekannt, dass er in den christlichen Schriften deswegen getadelt oder der Hurerei bezichtigt wurde. Vielmehr wurde er (Allahs Frieden auf ihm) in einer außerordentlichen Weise von Gott geehrt, sodass niemand über seine Vorzüglichkeit und sein hohes Ansehen vor Gott streitet. Die Mehrehe ist also keine Erfindung von „cleveren Muslimen,“ wie du es nanntest sondern war schon weit vor dem Islam allgemein anerkannte Praxis. Im Gegenteil hat der Islam das Praktizieren der Mehrehe sogar beschränkt und die Bedingungen verschärft.
Ich möchte noch sagen, dass ich zwar eine Antwort in Bezug auf das Thema Sklaverei verfasst habe, aber ich der Meinung bin, dass dies keinen Nutzen für irgendwen hat hier darüber zu diskutieren, besonders ich Anbetracht der Tatsache, dass dies ein Thema ist welches zum Zeitpunkt der Offenbarungen aller Schriften präsent war und in der heutigen Welt eh praktisch non-existent ist, auch in den islamischen Ländern. Durch die traurige Situation in Syrien ist dieses Thema zwar wieder in den Fokus geraten, aber für mich dennoch nichts was es sich hier zu diskutieren lohnt. Wenn dich die Deutung des erwähnten Verses zum Thema Freilassung von Sklaven durch die Koranexegesen dennoch beschäftigt, kann ich dir nur empfehlen dir einen Tafsir zuzulegen.
Die christliche Lehre, so unterschiedlich sie auch je nach Gruppe sein mag, kennt in der heutigen Zeit keinen Straftäter sondern nur den Sünder. Wenn ich jemanden als Straftäter bezeichne, dann ist er ein Straftäter nur aufgrund der herrschenden staatlichen Gesetze.
An sich verstehe ich ja was du meinst – du sprichst von der Trennung von Religion und (Staats-)gesetz.
Ich hingegen frage eher nach der Berechtigung die diese Trennung von Religion und Gesetz gemäß der Schrift hat? Ich habe diesbezüglich in einem vorherigen Beitrag schon mal Fragen gestellt und sie blieben leider bis jetzt unbeantwortet. Entsteht für dich oder andere Bibelgläubige Menschen nicht ein Widerspruch zu sagen, „ich glaube an dieses Buch als Wort Gottes, ich glaube, dass Gott immer wieder Propheten zu den Völkern schickte, die ihnen die Glaubenslehre und die Gesetzmäßigkeiten lehrten, aber befolgen tuen wir es nicht (mehr), wir sind bessere Gesetzgeber als Gott, aufgeklärte Leute.“ ?
Zur Erinnerung füge ich die Stellen aus meinen vorherigen Beiträgen noch mals ein, vielleicht möchtest du sie noch beantworten:
Ihr behauptet die Bibel sei das Wort Gottes und haltet es dennoch für Reformationsbedürftig. Etwas das nicht wörtlich verstanden werden dürfe. Hat Gott denn etwas unvollständiges, minderwertiges offenbart? Etwas, dass der Mensch erst vervollkommnen müsse? Was ist das für ein Gottesbild, das ihr da vertretet? Das eines Gottes, den ihr weder für Allweise haltet, noch das Recht auf Gehorsam zuschreibt.
Ich würde dich gerne mal nach deiner Glaubensauffassung (im Islam „Aqida“ genannt) und deiner Beziehung zu der Bibel fragen? Denn das was du am Koran kritisierst, nämlich, dass er in bestimmten Situationen die Anwendung von Gewalt legitimiert, trifft ja auch gleichermaßen auf die Bibel zu, welche du ihm Gegensatz zum Koran für Gottes Wort hälst. Du gebrauchtest das Wort menschenverachtend. Ist Gott dann für dich menschenverachtend? Ich gehe davon aus, dass du dies verneinen wirst. Gleichzeitig hälst du Ihn aber doch für Denjenigen der diese Schriften offenbart hat? Für mich entsteht da ein Widerspruch. Oder glaubst du an einen Teil der Schrift und leugnest einen anderen Teil?
Was denkst du über diese ehemaligen Christen? Und welchen Status haben sie bei Gott gemäß der Glaubenslehre der du dich zuschreibst? Denn ich meine mich zu erinnern, dass du Gottes Liebe für bedingungslos hälst, die also nicht an die Taten der Menschen geknüpft ist. Gilt das dann auch für die unterschiedlichen Glaubensauffassungen der Menschen? Ist der Buddhist dem Christ gleich? Der Mörder dem Lebensretter? Wenn ja, was machen wir dann hier auf der Erde anstatt alle im Paradies zu sein? Und friert die Hölle dann zu, wenn sie gemäß dieser Logik dann doch keiner betritt? Und kannst du dies gemäß deinen Schriften belegen, oder stellst du gegenüber Gott Vermutungen an?
Vielleicht belächelst du meine Fragestellung, und hast diesen deswegen nicht so viel Beachtung beigemessen, aber mich interessiert es einfach zu wissen, was deine Glaubenslehre, sowie die anderer Christen ausmacht. Ist das nicht die Diskussionsgrundlage in einem religiösen Dialog?
Es ist nicht erforderlich, hierzu eine koranische Stelle zu zitieren. Deine Beurteilung “nicht islamisch“ ist in jedem Fall nach meiner Kenntnis falsch. Immer und solange der Islam faktisch Staatsreligion ist, beeinflusst er maßgeblich auch die Kultur in dem Land. Faktische Staatsreligion ist n.m.M. immer dann anzunehmen, wenn Muslime in einem Land über 50% der Regierung stellen.
Wenn CDU/CSU also 50% der Stimmen in Deutschland bekommen, ab dann darf ich Diskotheken, Bordelle, und Eckkneipen und alles an deutscher Kultur als „christlich“ bezeichnen, (bei 49% natürlich nicht) unabhängig davon was in den Schriften steht? Was ist denn das für eine Art zu urteilen, bitteschön?! Eine Religion muss man an den Offenbarungstexten beurteilen und an nichts anderem.
Nur weil sich eine Mehrheit von Menschen in einem Land einer Religion zuschreibt heißt es doch nicht, dass jeder einzelne Mensch dies tut, ganz zu schweigen davon, dass sich nicht jeder an die Regeln dieser Religion hält.
Seltsamerweise bist du es, der andersrum in Beitrag #233 sagt:
Ich möchte diese zeitnahen Entwicklungen nicht mit dem Begriff „christlich“ verbinden. Gleiches gilt für die Kreuzzüge im Mittelalter. Kreuzzüge bzw. Kriege werden auch nicht dadurch christlich, dass ein Papst sie für gut heisst oder genehmigt oder sogar initiiert.
Warum urteilst du nicht gleichermaßen in Bezug auf Muslime und den Islam?
Fassen wir zusammen: Der marokkanische Drogendealer dealt also dann aufgrund islamisch-kultureller Begebenheiten in Marokko mit Drogen, auch wenn der Islam Drogen verbietet, aber auf einem Papier in der Verfassung von Marokko steht ja, der Islam sei Staatsreligion und dieser hat wie wir ja gerade gelernt haben ja Auswirkung auf die Kultur, und woher soll er das auch sonst haben?! Und aus dem gleichen Grund werden Schwiegertöchter unterdrückt. Klar, macht Sinn! Lol
Jedoch auch wenn die Unterordnung der Schwiegertochter unter die Schwiegermutter nicht überall und immer anzutreffen ist, so ist sie doch typisch islamisch.
Also selbst da, wo es nicht Teil der Kultur ist die Schwiegertochter zu unterdrücken, ist das Unterdrücken der Schwiegertochter dennoch typisch islamisch? Interessant! Eben sagtest du es brauche keinen Beweistext dafür, dass das Unterdrücken der Schwiegertöchter Teil des Islams ist, weil die Kultur ja vom Islam geprägt wäre und dies als Beweis reiche. Aber hier sagst du, dass es auch dort wo es kein Teil der Kultur ist, immer noch typisch islamisch ist. Basierend worauf? Und wie kommt es, dass die einen Muslime die Schwiegertöchter unterdrücken und die anderen nicht? Ist der Anteil der Muslime in der Regierung zu gering, sodass sie zu wenig von der islamischen Kultur beeinflusst wurden und ihre Schwiegertöchter deswegen immer noch zu gut behandeln? Für mich eine seltsame, ungerechte Beurteilung, weil sie die Grundlage der Religion, nämlich die Offenbarungstexte völlig außer Acht lässt.
Lg...