Violetta, Du schreibst:
"Jedenfalls nervt es mich, immer zu hören, wir Frauen würden keinen Sex wollen. So oft, wie ich schon zurückgewiesen worden bin, empfinde ich das als blanken Hohn."
Dann bist Du nach meinem Eindruck wirklich die Ausnahme unter deinen Geschlechtsgenossinnen.
Was ich zu dieser Thematik weiß, gelesen und von anderen Männern gehört habe, geht leider - sage ich - in die Richtung, dass Männer in der Regel die aktiveren Partner sind und demzufolge häufiger einen Korb bekommen als Frauen.
Es gibt ja auch durchaus fachlich begründete medizinische Belege für diesen Umstand. Ich habe hier weder geschrieben, dass er ihr, noch ihm regelmäßig zu Diensten stehen muss. Aber, und das halte ich für unabdingbar: Es sollte schon ausgewogen sein.
Dem alten Luther wird die Gleichung zugeschrieben, dass zweimal in der Woche hundertviermal im Jahr ausmache.
Vielleicht steckt da ja eine durchaus praktikable Lebensweisheit drin.
Was in all den sich empörenden Beiträgen über das Verhalten des Partners hier nicht beantwortet wird, ist die Frage, wie ein Partner mit einer Verweigerung, die ja offenbar grundsätzlicher und auf längere Zeit angelegt ist, umgehen soll.
Man könnte dieses Verhalten ja mal auf andere Fragen herunterbrechen, um sie zu entschärfen:
Wie verhält man sich, wenn ein Partner, eine Partnerin ein Kontaktmuffel ist und lieber zu Hause bleibt, als auszugehen, andere Menschen zu treffen?
Funktioniert so etwas in einer Partnerschaft und auf Dauer?
Da hat die Frau jede Menge Interessen, möchte, dass ihr Göttergatte etwas davon mit ihr teilt, während er lieber zu Hause hockt und in seinem schon sprichwörtlichen Hobby-Keller abtaucht. Geht das gut auf Jahre, vielleicht Jahrzehnte?
Ist es nicht umso mehr und viel bedeutender, wenn es dann in einem der grundlegenden Aspekte einer Partnerschaft, der Sexualität, nicht funktioniert. Ich denke schon.
Eine, einer bleibt da auf der Strecke, fühlt sich entweder zu kurz gekommen oder überfordert. Sie verstehen sich nicht mehr, ihre Erwartungen und Bedürfnisse laufen aneinander vorbei. Aus der Traum vom Glück zu zweit!
Ja, man kann sich einreden, es komme doch auf noch andere Aspekte an. Und das ist ja auch nicht falsch, aber wir Menschen sehnen uns nun mal und intensiver nach dem, was wir nicht haben.
Da ist das "Objekt der Begierde" Tag für Tag und Stunde für Stunde mit uns und bei uns und wir kommen nicht zum Ziel. Hier liegt der Knackpunkt, diese Zurückweisungen sind bitter, und der Zurückgewiesene, die Zurückgewiesene muss das auf sich beziehen, sich konkret, den Menschen aus Fleisch und Blut.
Was habe ich, dass er mich so wenig begehrt und was ihn, sie abstößt und ihr Verlangen so reduziert? Was also hat das mit mir zu tun? Sind da ein paar Pfunden hinzukommen, die mir der Partner, die Partnerin nicht unter die Nase halten möchte? Bin ich zu unsensibel, dass ich nicht mehr merke, wenn es ihr, ihm nicht gefällt, weil ich nur auf meinen Spaß aus bin?
Kurzum: Was mache ich falsch? Bei mir war es zudem irgendwann mein körperliches Handicap, das für mich in den Vordergrund rückte. Ja, sie hatte mich so geheiratet, und meine Behinderung war ja auch nicht zu übersehen.
Daran liege es nicht, hörte ich. Es liege überhaupt nicht an mir.
Woran denn? Sie wollte schlicht nicht mehr mit mir. Das aber erfuhr ich erst, als es zu spät war.
Das späte Geständnis, diese späte Offenbarung verkehrte alles, was sie vorher getan hatte, was ich vorher auch liebenswert und sympathisch an ihr gefunden hatte, ins Gegenteil. Ich fühlte mich schlicht belogen und betrogen, im Grunde um einen Teil meines Lebens gebracht.
Heute weiß ich, wie und dass aus einer wirklichen Liebe und Zuneigung Verbitterung und vor allem Hass entstehen.
Ich bin mir so minderwertig, so dumm und naiv vorgekommen, zumal als ich aus unserer eigenen Umgebung die Gründe gesteckt bekam für ihr Verhalten, die sie längst im Freundes- und Bekanntenkreis gestreut hatte.
Darin lag die wirkliche Verletzung, hatte ich doch vorher gegen meine eigene Wahrnehmung selbst gekämpft, mir selbst vorgehalten, ihr nicht zu vertrauen, an ihr zu zweifeln, was Gegenstand vorwurfsvoller Gespräche zwischen uns war. Und dann hörte ich plötzlich von alten Freunden aus unseren Anfängen, so dumm könne ich doch nicht gewesen sein, habe meine Holde doch schon früh signalisiert, sie halte mich ganz schön auf Distanz.
In einer solchen Situation, nach einer solch brutalen Einsicht wird alles, aber wirklich alles, was man am anderen einmal als echt und liebenswert geschätzt hat, ins pure Gegenteil verkehrt.
Da bleibt nur Hass und Leere.
Burbacher