Ohne ein Sollen geht es aber auch im Christentum nicht. Und das ist auch gut so. Sonst wäre es einem denkbaren Gott egal, wie es um die Moral des Menschen bestellt ist. Und dies kann einem göttlichen Wesen nicht egal sein. Wo bliebe auch die Gerechtigkeit Gottes, wenn es ihm egal wäre, wenn ein Mensch ein Schurke ist?
Selbst Gott dürfte an ein Sollen gebunden sein. Allerdings ist es bei ihm ein Vollbringen ohne die Anstrengung eines unvollkommenen Wesens (wie des Menschen).
Ja, Du hast Recht. Auch im Christentum ist ein "Sollen" gegeben. Und auch hast Du völlig Recht, wenn die Gerechtigkeit Gottes als Maßstab für jedes Denken und Handeln gilt. Nur sehe ich eine etwas andere Begründung als Du. Der Maßstab Gottes ist für uns Menschen unerreichbar hoch. Und ich denke, dass Gott sich mit Unvollkommenem nicht zufrieden gibt. Daher sehe ich zwar bei Menschen das Sollen, auch gerne das Wollen, aber auch das Nicht-Erreichen aus eigener Kraft. Und da - in diesem Punkt - sind alle Religionen bzw. auch der Buddhismus gleich: Überall
gibt es die Vorstellung, mit eigener Erkenntnis und aus eigener Kraft Gott gerecht werden zu wollen und ggf. auch zu können.
Wenn wir mal die Terroristen und die böswilligen Verbrecher ausklammern, dann könnte man alle Menschen zwar einteilen in Atheisten, Buddhisten, Christen und Muslime sowie Juden, aber diese "alle Menschen" haben sicherlich gemeinsam, dass sie in Frieden leben und die weltweiten Probleme beseitigen wollen. Warum ist dieses Ziel heute soweit entfernt?
Sind es nur die paar wirklich böswilligen Politiker und die paar Terroristen, die verhindern, dass der größte Teil der Menschheit nicht zum Frieden miteinander kommt und dass eben die weltweiten Probleme größer werden?
Ich sehe in dem Sollen - verbunden mit dem Nicht-Können - eine Tatsache, die wir Menschen gerne verdrängen.
Die Bemühungen, die Welt zu einem für alle Menschen lebenswerten Ort zu machen, sehe ich als sehr wichtig an und unterstütze diese auch. Aber dieses Gut-Sein-Wollen ohne Gott, sehe ich als Ursache dafür an, dass es mit dem Gelingen hapert.