Warum kann sich Primavera nicht endlich von diesem endlosen fruchtlosen Kreisen lösen? Warum kann sie keine Distanz aufbauen und sich erfolgreich mit anderen Dingen ablenken? Warum ist ihre Bindung an ihre Schwester so groß? Andere Leute in vergleichbaren Situationen würden auf ihre Schwester pfeifen. Diesen Sachverhalt verstehe ich nicht.
Andere Leute sind auch anders erzogen. Ihnen wurde mehr Eigenständigkeit zugebilligt. Meine Schwester hat immer mit unserer Mutter zusammengelebt, die selber 40 Jahre lang chronisch krank war (Diabetes Typ 1, Herzinsuffizienz). Seitens des Umfeldes - auch von Verwandten z.B. - wurden wir immer darauf hingewiesen, dass die Mutter nicht "aufgeregt" werden dürfte. Dies lief darauf hinaus, dass wir keine Widerworte geben durften, jedenfalls nicht ohne schlechtes Gewissen, nichts sagen oder tun durften, was der Mutter nicht in den Kram passte. Dabei konnten wir uns nicht frei entfalten. Bei mir führte das zu Aggressionshemmungen, die mich bis heute im Beruf stark beeinträchtigen. Bei meiner Schwester, die sich merkwürdigerweise trotzdem viel mehr Aggressionen herausnehmen durfte als ich, hat es vermutlich zum Ausbruch der psychischen Krankheit beigetragen. Meine Mutter hielt auch eher zu meiner Schwester als zu mir, da sie von dem symbiotischen Zusammenleben, wenn auch auf ihre Kosten, letztlich auch einen Vorteil hatte, nämlich im Alter und bei gesundheitlichen Notfällen nicht allein war. So war ich eher die "Buhfrau" als meine Schwester; denn ich war ja von zu Hause aus- und einige Jahre später, im zarten Alter von 39 Jahren, "sogar" in eine andere Stadt, 75 km entfernt, gezogen.
Meine Mutter hatte auch eine Art, einen so zu erziehen, dass man die Wünsche und Bedürfnisse seiner Mitmenschen möglichst erahnen und in vorauseilendem Gehorsam befriedigen sollte. Auch jetzt habe ich immer noch das Gefühl, sie würde mich dafür verurteilen, dass ich auf eine Veräußerung des Hauses gedrungen habe, wenngleich auch sie wusste, dass meine Schwester sich an den Kosten für Sanierung und Unterhalt des Hauses nicht beteiligen kann.
Meine Mutter hätte es wahrscheinlich am liebsten gesehen, wenn meine Schwester und ich nach ihrem Tod das Haus übernommen und gemeinsam bewohnt hätten, eine oben, eine unten. So wie die altjüngferlichen Baldwin-Sisters
http://www.google.de/imgres?imgurl=...rt=0&ndsp=17&ved=0CC0QrQMwBA&biw=1280&bih=626 🙄 in der Fernsehserie "Die Waltons", die manchen von euch aus den 1970er Jahren vielleicht noch bekannt ist. Dass man es mit meiner Schwester nicht aushalten kann, hat unsere Mutter zwar am eigenen Leib erfahren, für sich selbst aber märtyrerhaft in Kauf genommen und von mir möglicherweise auch erwartet. Motto: "Ihr seid doch Schwestern und müsst euch doch vertragen." Und wie das finanziell gehen sollte, da meine Schwester ja kein Einkommen hat, und dass das Haus fast 60 Jahre alt und von Grund auf sanierungsbedürftig ist, das hat meine Mutter einfach verdrängt nach einem anderen Motto, nämlich: "Nach mir die Sintflut."