Liebe LeJoLe,
vieles Deiner Situation erinnert mich an mich selbst und unsere familiäre Situation vor knapp drei Jahren.
Ich habe auch drei Kinder, der Mittlere war damals auch 12 und sehr verhaltensauffällig (ich sage nur: mehrere mehrwöchige Schulverweise in der GRUNDschule), in der KJP auch vorzeitige Entlassung, er würde sich in der Kleingruppe an alle Regeln halten, man würde gar nicht verstehen, wieso er da wäre... Jugendamt im Boot...
wir, vor allem auch ich, waren am Ende unserer Kräfte.
Es GEHT einfach nicht, dass in einem Familiensystem IMMER NUR EINER die ganze Aufmerksamkeit zieht und alle anderen darunter leidet, denn darunter leidet dieser Eine dann auch... ein Teufelskreis.
Auch bei uns war, im Gespräch mit dem Jugendamt, auch Fremdunterbringung angedacht.
Für uns hat sich dann GsD die Möglichkeit ergeben, dass mein Sohn zu seinem Vater ziehen konnte. Dort lebt er nun seit drei Jahren, ca. 600 km von uns entfernt. Und, trotzdem mit manchmal die Ohren schlackern ob der Lbensumstände dort und trotz vieler Eingewöhnungs- und Umgewöhnungsschwierigkeiten haben wir alle (und an dieser Stelle auch nochmal ein großes Kompliment an meinen Exmann, auch wenn er das nie lesen wird, aber gesagt hab ich ihm das auch bereits!) das toll gemeistert und er ist GLÜCKLICH dort. Glücklich mit dem Vater, dessen Lebensumstände das vorher nie ermöglicht hatten, seinen Sohn zu sich zu nehmen, glücklich mit seinem Vater, den er über zehn Jahre zuvor schmerzlich vermisst hatte.
Und, auch wenn wir uns selten sehen, in unseren Herzen sind wir verbunden und unsere Seelen umarmen sich zu jeder Zeit, unabhängig von der räumlichen Entfernung.
Ich schreibe das so ausführlich, weil ich deutlich machen möchte, dass ich Deine Situation verstehen kann.
Auch ich habe VIEL an mir selbst gearbeitet, so, wie Du es vorhast und ich habe meinen Weg und meinen Frieden gefunden.
Das wünsche ich Dir von ganzem Herzen auch!
Es ist ein harter, weiter und sehr steiniger Pfad. Aber ich finde, Du bist auf einem sehr sehr guten Weg.
Ich glaube, Deine 12jährige weiss SEHR genau, dass Ihr sie liebt und dass Ihr alles getan habt, was Euch möglich war und was in Euren Kräften lag und ihr alle werdet gemeinsam weiterhin nach dem bestmöglichen Weg für Eure Große suchen und das wird sie wissen. Sei WEISS dass sie geliebt wird, wie alle Eure Kinder das wissen.
Und dass Du sie liebst, sie und Deine Familie spricht so deutlich aus jeder Zeile Deiner Posts heraus!
Das wirklich einzige was ich bemängeln muss ist Deine Strenge mit Dir selbst. Natürlich wollen wir das Beste für unsere Kinder, aber das bedeutet nicht, dass wir uns selbst kasteien müssen. Vielleicht stößt mir auch das Wort "streng" sein von Dir einfach auf, weil ich das zu sehr mit eigenen negativen Erfahrungen verbinde und vielleicht ist es gar nicht so gemeint, wie ich es auffasse, vermutlich eher "mein" Thema, entschuldige bitte.
Ich sehe Dich und Eure Familie auf einem sehr guten Weg. Ihr habt Fachleute an Eurer Seite, die Euch unterstützen und Ihr tut alles zum Wohle Eurer Kinder.
Vergesst nur Euch selbst und auch Eure Partnerschaft dabei nicht, auch wenn DAS phasenweise sicher, gerade in solchen Lebenssituationen, die größte Herausforderung ist.
Ich sehe das mittlerweile so: JEGLICHE Beziehung ist dazu da um miteinander zu lernen, zu reifen, zu wachsen. Familie ist die größte Herausforderung die es gibt und zugleich die Schönste.
Ihr macht Euren Weg, da bin ich sicher!
alles Liebe und Gute und viel Kraft Euch allen
Light