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Eigene Schuld - fremde Schuld

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Für weitere Antworten geschlossen.
Wenn man sich keiner Schuld bewusst ist, ist das kein Problem. Wenn man sich einer Schuld bewusst ist, kann man daran arbeiten.
 
Wenn man sich keiner Schuld bewusst ist, ist das kein Problem. Wenn man sich einer Schuld bewusst ist, kann man daran arbeiten.

Ohne Dich zu kritisieren, will ich es anders formulieren:

Wenn man sich keiner Schuld bewusst ist, sieht man auch kein Problem.

Wenn man sich einer Schuld bewusst ist, steht man vor einem Problem. Dieses Problem will ich mit einer Frage verdeutlichen: Wie kann man Schuld verschwinden lassen? Geht das überhaupt?
 
Ohne Dich zu kritisieren, will ich es anders formulieren:

Wenn man sich keiner Schuld bewusst ist, sieht man auch kein Problem.

Wenn man sich einer Schuld bewusst ist, steht man vor einem Problem. Dieses Problem will ich mit einer Frage verdeutlichen: Wie kann man Schuld verschwinden lassen? Geht das überhaupt?

Ich denke, dass du selbst verschiedene (monetäre) Beispiele dazu brachtest, wie man Schulden ausgleicht. Nicht-monetär ist das allerdings und eventuell etwas schwieriger, weil keine Einigkeit über die Währung besteht.

Und manche Schulden lassen sich wohl niemals mehr begleichen. Insofern sollte man erst gar keine Schulden machen.
 
Ohne Dich zu kritisieren, will ich es anders formulieren:

Wenn man sich keiner Schuld bewusst ist, sieht man auch kein Problem.

Wenn man sich einer Schuld bewusst ist, steht man vor einem Problem. Dieses Problem will ich mit einer Frage verdeutlichen: Wie kann man Schuld verschwinden lassen? Geht das überhaupt?

Naja, das wäre die Verdrängung, wobei die Erfahrung zeigt, dass sich verdrängte Anteile irgendwann, meist unverhofft wieder heftig melden. Der einzige Weg scheint mir, dass ein Mensch seine Schuld annimmt, sich mit dem schuldhaften Teil seines Wesens, seines Seins versöhnt.

Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass auch unsere Umwelt durchaus wahrnimmt, wie wir mit unseren Schuldanteilen umgehen. Man wirft einem Menschen dessen Schuld nicht vor, weiß man doch auch um seine eigenen Schuld. Weniger angenehm sind uns aber doch die Menschen, die ihre Schuldanteile grundsätzlich leugnen, sich in Selbstgerechtigkeit ergehen, gleichwohl aber den Zeigefinger gegen andere richten.

Burbacher
 
Lol, fast schon Routine, so sehe ich jetzt schon das Dogma, dass jeder Mensch von Geburt an ein Sünder ist, was ich persönlich als vollkommen wirr empfinde.

Auf dieser Grundlage brauchen wir auch nicht realitätsnah und zeitgenössisch zu diskutieren.

Auf dieser Grundlage bleibt mir nur, eine gute Nacht zu wünschen, ihr Sünder.
 
Naja, das wäre die Verdrängung, wobei die Erfahrung zeigt, dass sich verdrängte Anteile irgendwann, meist unverhofft wieder heftig melden. Der einzige Weg scheint mir, dass ein Mensch seine Schuld annimmt, sich mit dem schuldhaften Teil seines Wesens, seines Seins versöhnt.

Bei der Formulierung "sich mit dem schuldhaften Teil seines Wesens versöhnen" klingt für mich wie eine leere Floskel, denn es mangelt an einer Begründung. Meinst Du, man soll sich auf die Schulter klopfen und sagen: Was bin ich mal wieder für ein prima Kerl? Und dies unabhängig allem Geschehen?

Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass auch unsere Umwelt durchaus wahrnimmt, wie wir mit unseren Schuldanteilen umgehen. Man wirft einem Menschen dessen Schuld nicht vor, weiß man doch auch um seine eigenen Schuld. Weniger angenehm sind uns aber doch die Menschen, die ihre Schuldanteile grundsätzlich leugnen, sich in Selbstgerechtigkeit ergehen, gleichwohl aber den Zeigefinger gegen andere richten.

Burbacher

Meine Erfahrung hat mich was anderes gelehrt.
Die Umwelt hat durchaus nicht immer ein Schuldverständnis, welches sich mit dem meinen kongruent deckt.
Und ja, die Umwelt zeigt sehr schnell mit dem Finger auf diese oder jene Person, auch ohne die Hintergründe für das jeweilige Handeln wirklich zu kennen.

Deinen letzten Satz kann ich jetzt nicht nachvollziehen, wenn ich an den Inhalt Deiner Beiträge in Deinem letzten Faden (der leider geschlossen wurde) denke.

Mir persönlich ist es nicht primär wichtig, ob jemand irgendwelche Schuld hat, wenn er mich kritisiert. So bin ich z.B. speziell Dir nicht böse, wenn Du mich kritisierst. Ich nehme lediglich Kritik an mir zum Anlass für die Überlegung, was ich ggf. falsch gemacht habe und wie ich damit umgehe. Daraus resultieren meine Fragen: Habe ich Dir gegenüber mich schuldig gemacht? Sowie: Wie soll ich mich Dir gegenüber verhalten - was wünschst Du Dir? Meine PN steht Dir für Deine Antwort offen.

Auch denke ich, lieber Burbacher, dass wir in allen Situationen die Wahl haben,
1) ob wir uns negativ beeinflussen lassen und dadurch selbst negativ werden
2) ob wir uns aktiv daran begeben, das Gute zu suchen und z.B. dem anderen entgegengehen.

Wenn es immer häufiger in unserem Leben vorkommt, dass unsere Wahl auf 1) fällt, werden wir ggf. zu einem Misanthropen, einem Menschenhasser.

Der Mensch wird nicht als Menschenhasser geboren. Es handelt sich auch nicht um eine Krankheit oder um eine persönliche Eigenschaft. Man wird zum Misanthropen durch eigene Erlebnisse und eigene Urteile die man über diese Ereignisse fällt. Der Mensch macht sich selbst zu einem Menschenhasser.

LG, Nordrheiner
 
Zuletzt bearbeitet:
Lol, fast schon Routine, so sehe ich jetzt schon das Dogma, dass jeder Mensch von Geburt an ein Sünder ist, was ich persönlich als vollkommen wirr empfinde.

Auf dieser Grundlage brauchen wir auch nicht realitätsnah und zeitgenössisch zu diskutieren.

Auf dieser Grundlage bleibt mir nur, eine gute Nacht zu wünschen, ihr Sünder.

Durch eine private Anregung begann ich nachzulesen, was Philosophen zu dem Thema beitragen könnten.

In der griechischen Philosophie spielt der Intellekt, also durch Denken zur Erkenntnis zu kommen, die Hauptrolle. Der Wille spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Durch das Christentum wurde der Wille als entscheidender Faktor hervorgehoben. Für Augustinus ist er für die Entstehung des Bösen verantwortlich, für das Handeln des Menschen entscheidend, grundlegend für die Ethik.

Für die franziskanische Schule der Scholastik tritt der Wille als gleichwichtig neben den Intellekt.
(Intellekt = Denkvermögen; nur durch Denken zur Erkenntnis kommen)

Für E. Kant reicht die theoretische Vernunft nicht mehr aus – er legt Wert auf die praktische Vernunft, also den vernünftig handelnden Willen.

Schopenhauer zieht die Konsequenz daraus und sieht in dem Willen das grundlegende Prinzip alles Seienden. Schopenhauer schildert realistisch die unheilstiftenden Folgen der Herrschaft des Willens.


Ich sehe es so: Ethisch wertvolles Handeln erfordert die Überwindung des blinden unbeherrschten Willens durch die Vernunft. Wille und Vernunft stehen oftmals im Streit zueinander. Und Vernunft bedarf der Erkenntnis (des Guten). Die Liebe ist in meinen Augen die wertvollste Gabe, die wir Menschen je haben können. Dies zu erkennen, ist die vornehmste Aufgabe, die unsere Vernunft n.m.M. erfüllen kann.

Schuld ist demnach: Liebloses Handeln

Helfen Dir diese Zeilen weiter, Tsunami?

LG, Nordrheiner
 
Nordrheiner,

ich greife nur diesen Teil aus Deiner Replik heraus:

"Bei der Formulierung "sich mit dem schuldhaften Teil seines Wesens versöhnen" klingt für mich wie eine leere Floskel, denn es mangelt an einer Begründung. Meinst Du, man soll sich auf die Schulter klopfen und sagen: Was bin ich mal wieder für ein prima Kerl? Und dies unabhängig allem Geschehen?"

Dass ich weder so unbedacht denke, noch argumentiere, dürfte ich Dir bisher eigentlich vermittelt haben. Bei meiner Antwort an Dich, ging es mir darum, dass viele Menschen, gerade dann, wenn sie etwa religiös sind, mit Schuld schwer umgehen können.
Ich habe Menschen erlebt, die nie aus dieser Bedrückung herauskamen, und ich stand selbst in der Gefahr, einem solchen Denken zu erliegen. Das ist lange her und schon damals dämmerte mir, dass im religiösen Zusammenhang der Umgang mit der Schuld weniger eine Frage ist, die sich zwischen mir und Gott entscheidet, sondern zwischen mir und einer damals fordernden religiösen Gemeinschaft.
Ich erlebte, wie man geradezu versessen darauf war, unsere schuldhaften Anteile zu thematisieren. Später dann wurde mir bewusst, welches problematische Gottesbild hinter einem solchen Geschehen steckte. Es war nicht das Gottesbild des Jesus von Nazareth, den sie gleichwohl ständig im Mund führten.
Es war ihr Gottesbild, das sie zudem nutzten, um ihre eigene Macht auszuüben, auszuüben über eine Partnerin etwa, ihre Kinder und andere Menschen in ihren fragwürdigen Gemeinschaften.
Der Titel eines Buches, das mich damals begeisterte, lautete "Gott kommt, und der Mensch wird frei." Die Lektüre dieses Buches hatte für mich Folgen, war ich doch dem ständigen Druck dieser falschen Predigt nicht mehr ausgeliefert. Im Übrigen, lieber Nordrheiner, wenn man schon versucht, das Christentum ständig etwa gegen den Islam abzugrenzen, dann ist die Schuldfrage genau eine der wichtigen Schnittstellen, um das zu tun, in Jesu Geist.
Das Christentum lehrt uns einen Gott der Liebe und des Erbarmens, nicht einen göttlichen Scharfrichter. Und darin, so sehe ich das, läge und liegt auch der Ansatz für einen fruchtbaren Dialog zwischen den drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam.

Burbacher
 
Zuletzt bearbeitet:
Tja, da hatte ich so schön erklären wollen, was aus meiner Sicht Leben, Philosophie und Schuld ist. Und jetzt ist mein ganzer Beitrag futsch. Tja, so ist das manchmal im Leben.

~~~

Okay, dann halt eine Kurzfassung:

Philosophie ist vielfältig, vielschichtig und tief, und schlägt alles Dagewesene um Längen, auch Schuld. Der Wortbedeutung nach ist Philosophie die Liebe zur Weisheit. Und wer sich mit der Liebe zur Weisheit anlegen will, sollte ein sehr großes Heer mit sich bringen.
 
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