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Eigene Schuld - fremde Schuld

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
[...]

Fall 1)
Ist es vorteilhafter, daher empfehlenswert, Schuldgefühle zu haben - als etwas zu tun sie erst garnicht erst entstehen zu lassen?

Erstmal: Schuldgefühle entstehen nicht aus dem Nichts.

Wenn man nun mal Schuldgefühle hat, dann sollte man lernen, damit umzugehen. Schuldgefühle extra entstehen zu lassen, ist total unlogisch, weil es ein unangenehmes Gefühl ist.

Dazu folgender Fall:

Eine Familie mit zwei Kindern, ohne besondere Ereignisse, die man als Verletzung in Erinnerung behält. Die "Kinder" sind inzwischen ca. 50 Jahre alt. Die Tochter wohnt ca. 30 KM von den Eltern (ca. 80 J.) entfernt und hat Familie. Sie schaut jede Woche bei den Eltern vorbei und hat ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern.
Der Sohn wohnt quasi um die Ecke und hat seit vielen Jahren Null Kontakt zu den Eltern. Er hat deshalb Schuldgefühle. Er beruhigt sich damit, dass er sagt: Meine Schwester kümmert sich ja schon um die Eltern.

Wie bewertet Ihr die Situation, das Handeln bzw. Nichthandeln dieses Sohnes?

Der Mann/Sohn sollte seinen Frieden mit sich machen/finden. Und dazu bedarf es maßgeblich seiner selbst.
 
Zum leichteren Verstehen, um was es jetzt geht (Tsunamis Antwort) hier nochmal der Fall 1: (Beitrag 500)

Fall 1)
Ist es vorteilhafter, daher empfehlenswert, Schuldgefühle zu haben - als etwas zu tun sie erst garnicht erst entstehen zu lassen?

Dazu folgender Fall:

Eine Familie mit zwei Kindern, ohne besondere Ereignisse, die man als Verletzung in Erinnerung behält. Die "Kinder" sind inzwischen ca. 50 Jahre alt. Die Tochter wohnt ca. 30 KM von den Eltern (ca. 80 J.) entfernt und hat Familie. Sie schaut jede Woche bei den Eltern vorbei und hat ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern.
Der Sohn wohnt quasi um die Ecke und hat seit vielen Jahren Null Kontakt zu den Eltern. Er hat deshalb Schuldgefühle. Er beruhigt sich damit, dass er sagt: Meine Schwester kümmert sich ja schon um die Eltern.

Wie bewertet Ihr die Situation, das Handeln bzw. Nichthandeln dieses Sohnes?
 
Hallo Ihr🙂

Mir scheint, wir kommen hier nicht mehr zu einer Annäherung, was wohl auch schwierig ist, geht doch jeder mit seiner Schuld anders um.
Maßstab könnte da sein, wie der Einzelne damit leben kann. Im Moment sehe ich keinen Sinn, diesen Baum und in dieser Weise weiter fortzusetzen.

Burbacher
 
Zum leichteren Verstehen, um was es jetzt geht (Tsunamis Antwort) hier nochmal der Fall 1: (Beitrag 500)

Fall 1)
Ist es vorteilhafter, daher empfehlenswert, Schuldgefühle zu haben - als etwas zu tun sie erst garnicht erst entstehen zu lassen?

Dazu folgender Fall:

Eine Familie mit zwei Kindern, ohne besondere Ereignisse, die man als Verletzung in Erinnerung behält. Die "Kinder" sind inzwischen ca. 50 Jahre alt. Die Tochter wohnt ca. 30 KM von den Eltern (ca. 80 J.) entfernt und hat Familie. Sie schaut jede Woche bei den Eltern vorbei und hat ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern.
Der Sohn wohnt quasi um die Ecke und hat seit vielen Jahren Null Kontakt zu den Eltern. Er hat deshalb Schuldgefühle. Er beruhigt sich damit, dass er sagt: Meine Schwester kümmert sich ja schon um die Eltern.

Wie bewertet Ihr die Situation, das Handeln bzw. Nichthandeln dieses Sohnes?

Warum beantwortet niemand die Frage des armen Mannes? 😀 Also: Bewertung solcher Fälle ist grundsätzlich gefährlich, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Wenn sich erwachsene Kinder konsequent von den Eltern trennen und fernhalten, kann man davon ausgehen, daß da vorher irgendwelche unangenehmen Dinge im Spiel waren (die übrigens meistens nach außen hin nicht zu erkennen sind!) - vielleicht war die Tochter ja immer der "Liebling" der Eltern, während der Sohn der Unerwünschte oder das Sorgenkind war? (Mit oder ohne eigenes Verschulden). Oder es gab einfach nie irgendwelche Gemeinsamkeiten zwischen Eltern und Sohn, denn bloß weil man miteinander verwandt ist, heißt das noch lange nicht, daß man auf gleicher Wellenlänge liegt, daß man gleiche Interessen und eine gleiche Weltsicht hat, oder daß man das jeweilige Verhalten des anderen auf Dauer akzeptieren kann. Eltern sucht man sich ja nicht freiwillig aus wie etwa einen Ehepartner, und man kann sie bei "Nichtgefallen" oder "Untauglichkeit" auch nicht so leicht loswerden. Ist bei mir übrigens so mit meiner Mutter - wir haben keinerlei gemeinsame Interessen, da wo sie wohnt (auf dem Land, in der Pampa) möchte ich nicht mal begraben sein, und obendrein ist sie eine fürchterliche Klatschbase, die alles, was sie im Vertrauen erfährt, postwendend weitererzählt - dummerweise verstehen wir uns nicht mal verbal, selbst wenn wir über das gleiche Thema reden, versteht jeder etwas ganz anderes, als der andere sagt, es ist immer so, als würde sie Chinesisch und ich Eskimo reden, und diese nicht verstandenen Aussagen meinerseits klatscht sie postwendend weiter, woraus sich natürlich totaler (und peinlicher!) Unfug ergibt. Wer sowas ein- oder zweimal miterleben mußte, wie eine Sache, die man im Vertrauen weitererzählt, postwendend durch den Dorfklatsch verrissen wieder retour kommt - in etwas völlig undefinierbares verwandelt, das keinerlei Ähnlichkeit mehr mit realen Ereignissen besitzt, aber von den Leuten im Dorf geglaubt wird! - dann erzählt man so einer Person nie wieder etwas persönliches. Und worüber sollte man sonst reden? Deshalb beschränke ich meine Kontakte in die Pampa auf einen Anruf hin und wieder (die üblichen Weihnachtsgrüße) und einen körperlichen Besuch alle paar Jahre mal, wenn mal irgendein besonderes Ereignis ansteht. Die Halbgeschwister leben vor Ort und sind dort wohl so lala glücklich (obwohl die ältere Schwester sich auch eine Wohnung in der Stadt organisiert hat, wo sie arbeitet, und die anderen zwei auch ihre Freiräume geschaffen haben ...) .. und da ihr Vater auch noch lebt (mein Stiefvater), sind sie eine Familie, während ich immer das metaphorische fünfte Rad am Wagen wäre.
 
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Wie bewertet Ihr die Situation, das Handeln bzw. Nichthandeln dieses Sohnes?
Gar nicht. Man weiß hier nix von der Elternseite. Außerdem kann es auch sein das es rein zwischenmechlich nicht passt.
Der Verzicht auf den Kontakt zu den Eltern, ist kein bloßer Willensakt. Das muß schon etwas sehr großes sein was zwischen ihnen steht. Alle können daran beteiligt sein. Auch die Schwester. Woher will man denn wissen das der Sohn bspw. aus puren Selbstschutz lieber den Kontakt zu den Eltern meidet? Es muß einen guten Grund geben.
Das er trotzdem Schuldgefühle hat, sagt mir nur das da was ungeklärtes im Raum steht. Selbst wenn nicht, dann ist es eine moralische Kiste. Das sind ja nicht irgendwelche Leute mit denen Er nix mehr zu tun haben will.

Die Schwester bemüht sich vielleicht ein Leben lang um die Eltern, nur um (verspätete?) Elternliebe zu bekommen? Das ist auch möglich.

PS:
Strafe durch Liebesentzug, könnte hier das Verhalten der Geschwister erklären.
Diese Art der Bestrafung ist für mich die gravierenste überhaupt. Hällt gern ein lebenlang. Schläge sind nichts dagegen.

Dein Beispiel eignet sich nicht wirklich.
 
Zuletzt bearbeitet:
Erstmal: Schuldgefühle entstehen nicht aus dem Nichts.

Wenn man nun mal Schuldgefühle hat, dann sollte man lernen, damit umzugehen. Schuldgefühle extra entstehen zu lassen, ist total unlogisch, weil es ein unangenehmes Gefühl ist.



Der Mann/Sohn sollte seinen Frieden mit sich machen/finden. Und dazu bedarf es maßgeblich seiner selbst.

Ich denke in diesem Fall wie Du, Tsunami, dass Schuldgefühle nicht "aus dem Nichts" entstehen. Sie haben eine Vorgeschichte.
Nach meiner Beobachtung tun Menschen nicht, was sie selbst als richtig erkannt haben.. und daraus entstehen Schuldgefühle.
Und da, Tsunami, hast Du Recht. Es ist eigentlich unlogisch entgegen der eigenen Erkenntnis (von gut oder böse) zu handeln. Der Sohn, um den es in diesem Fall geht, erweckt bei mir den Eindruck, daß er seine nachfolgenden Schuldgefühle nicht bedacht bzw. billigend in Kauf genommen hat. Folgendes könnte die Entscheidungssituation im Fall 1 gewesen sein:
Gedankenschritt 1: ich tue, was ich mir als "richtig" überlegt habe.
Gedankenschritt 2: Wenn ich Schritt 1 tue, hat es Nachteile für meine Eltern.
Gedankenschritt 3: So zu handeln, dass es für meine Eltern Nachteile bringt, ist aber falsch.
Gedankenschritt 4: Wenn ich so handel, dass meinen Eltern keine Nachteile entstehen, handel ich entgegen meiner Überzeugung im Gedankenschritt 1.

Der Sohn hat im Fall 1 den Gedankenschritt 1 in die Praxis umgesetzt. Ob es eine nachvollziehbare Begründung gibt, eine Vorgeschichte die nur eine Handlungsoption hat, wissen wir nicht. Lediglich die Tatsache, dass der Sohn nach Jahren Schuldgefühle hat, lässt mich nachdenklich werden.

Eigentlich bringt uns das Leben manchmal in ein Dilemma. Das Leben ist unfair. Es bietet zwei Stühle an und platziert "mich" in die Mitte. Und wenn jetzt noch Schuldgefühle entstehen, macht mir das meine Situation "zwischen den Stühlen" nur deutlich.

Im Fall 1 versucht sich der Sohn mit dem Gedanken zu beruhigen, dass sich seine Schwester um die Eltern kümmert.
Nur klappt das nicht so richtig, was durch bleibende Schuldgefühle signalisiert wird.
Wenn ich so darüber nachdenke, komme ich zu der Frage: Gibt es wirklich keine alternative Handlungsoption, die sowohl dem Sohn erlaubt, das zu tun, was er für richtig hält - als auch vermeidet, was den Eltern Nachteile bringt?
Die Schuldgefühle sind für mich ein Aufruf, genau über diese Frage nachdenken zu wollen. Schuldgefühle verstehe ich wie das Gefühl der Angst als einen Hinweis, mich mit einem speziellen Thema näher und ausgiebig zu beschäftigen und zwar solange, bis ich meinen Frieden gefunden habe.

Verdrängung der Schuldgefühle halte ich nicht in jedem Fall für falsch. Nur führen sie nicht zu einem nachhaltigen Frieden, zu einer nachhaltigen Lösung. Im positiven Fall ist Verdrängung lediglich pragmatisch, weil mir im Moment keine Lösung einfällt. Mich "jetzt" damit zu beschäftigen, würde zu keiner positiven Lösung führen - aber mich "verrückt" machen.

Aber spätestens dann, wenn Schuldgefühle wieder auftauchen, bin ich auch wieder gefordert, das Suchen nach einer Lösung wieder aufzunehmen.

Aber wie kann "heute" eine Lösung für das Dilemma gefunden werden? Wie heisst es so schön? Nur wer redet, dem kann geholfen werden.


Daher finde ich dieses Forum einfach klasse. Hier ist doch eine wirklich gute Basis, über "ungelöste" Fälle zu reden. Und wenn auch nicht alle Lösungsvorschläge umsetzbar sind, so ist doch der eine oder andere Leser bereit, sich zu "mir" zwischen die Stühle zu setzen und mit nachzudenken. Ich bin nicht mehr alleine. Schuld macht auch einsam, denke ich. Und das muß nicht so bleiben.

LG, Nordrheiner
 
Hallo Ihr🙂

Mir scheint, wir kommen hier nicht mehr zu einer Annäherung, was wohl auch schwierig ist, geht doch jeder mit seiner Schuld anders um.
Maßstab könnte da sein, wie der Einzelne damit leben kann. Im Moment sehe ich keinen Sinn, diesen Baum und in dieser Weise weiter fortzusetzen.

Burbacher

Schuld und Schuldgefühle machen einsam. Wenn es nicht mehr Einsamkeit aufgrund von Schuld oder Schuldgefühlen gibt - oder niemand mehr darüber reden möchte... dann kann ganz sicher dieser Faden geschlossen werden.

Dein Moment war heute um 8:42 Uhr. *g

Dir sind als Pädagoge sicher schon sehr viele Fälle bekannt geworden, in denen die Frage nach Schuld bzw. die Aufarbeitung bis heute ungelöst blieb. Du musst ja nicht gleich den schwersten Fall auf den Tisch bringen.
LG, Nordrheiner
 
Hallo, Daoga,
danke für Deinen differenzierten Beitrag. An Deiner Stelle hätte ich auch Probleme, mit meiner Mutter einen engeren Kontakt zu pflegen. Ich hätte nur parallel das Gefühl, hier eine noch ungelöste Aufgabe vor mir zu haben. Ich würde meine Position mit „zwischen den Stühlen“ beschreiben.

Ich finde es respektabel, dass Du den anonymen Fall 1 mit Deiner konkreten Situation verbindest. Wenn Du von Deiner persönlichen Situation erzählt hast, verbindest Du damit eine Frage nach Lösungsmöglichkeiten?

LG, Nordrheiner
 
Gar nicht. Man weiß hier nix von der Elternseite. Außerdem kann es auch sein das es rein zwischenmechlich nicht passt.
Der Verzicht auf den Kontakt zu den Eltern, ist kein bloßer Willensakt. Das muß schon etwas sehr großes sein was zwischen ihnen steht. Alle können daran beteiligt sein. Auch die Schwester. Woher will man denn wissen das der Sohn bspw. aus puren Selbstschutz lieber den Kontakt zu den Eltern meidet? Es muß einen guten Grund geben.
Das er trotzdem Schuldgefühle hat, sagt mir nur das da was ungeklärtes im Raum steht. Selbst wenn nicht, dann ist es eine moralische Kiste. Das sind ja nicht irgendwelche Leute mit denen Er nix mehr zu tun haben will.

Die Schwester bemüht sich vielleicht ein Leben lang um die Eltern, nur um (verspätete?) Elternliebe zu bekommen? Das ist auch möglich.

PS:
Strafe durch Liebesentzug, könnte hier das Verhalten der Geschwister erklären.
Diese Art der Bestrafung ist für mich die gravierenste überhaupt. Hällt gern ein lebenlang. Schläge sind nichts dagegen.

Dein Beispiel eignet sich nicht wirklich.

Hallo, Abendtau,
Deine erste Aussage stimmt nach meiner Kenntnis nicht. Wir Menschen bewerten ständig, ohne dass wir uns dessen immer bewusst sind. Bewertung der Situation, des Gegenübers... Daher denke ich, auch Du bewertest jede Situation, auch die im Fall 1. Lediglich gehst Du differenziert vor und hütest Dich, Deine Bewertung ohne weitere Hintergrundinformationen als "Endergebnis" zu präsentieren. Du hältst Deine nicht geäusserte Bewertung für möglicherweise falsch.
In dieser Vorgehensweise stimme ich Dir auch zu. Nur in meiner vorläufigen Bewertung kann ich das Handeln des Sohnes nicht gut heißen. Insofern habe ich Verständnis für seine Schuldgefühle. Jetzt müsste man den Hintergrund
aufdecken und überlegen, ob die vorläufige Bewertung zurecht erfolgte oder nicht.

Wenn wir jemanden oder eine Situation bewerten, so führt mich das zu den Fragen:
1) Ist diese Bewertung wirklich ein Endergebnis - oder nur ein vorläufiges Moment-Ergebnis?
2) Kann und will ich mit dem Ergebnis leben, es als unveränderlich stehen lassen - oder suchen zu verbessern?

LG; Nordrheiner
 
Schuld und Schuldgefühle machen einsam. Wenn es nicht mehr Einsamkeit aufgrund von Schuld oder Schuldgefühlen gibt - oder niemand mehr darüber reden möchte... dann kann ganz sicher dieser Faden geschlossen werden.

Dein Moment war heute um 8:42 Uhr. *g

Dir sind als Pädagoge sicher schon sehr viele Fälle bekannt geworden, in denen die Frage nach Schuld bzw. die Aufarbeitung bis heute ungelöst blieb. Du musst ja nicht gleich den schwersten Fall auf den Tisch bringen.
LG, Nordrheiner

Hallo Nordrheiner,

nichts für ungut. Ich habe den Eindruck, dass das Thema irgendwie erschöpft ist, und dass wir uns im Kreise drehen.
Das ist aber mein Eindruck, den ja niemand teilen muss.

Vielleicht hänge ich mich noch mal rein. Jetzt aber ziehe ich mich erst einmal zurück.
Mir bringt das nämlich so nichts mehr.

Burbacher
 
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Für weitere Antworten geschlossen.

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