Hallo Tsunami,
entschuldige, aber diese deine Einschätzung kann ich nicht mehr teilen, obgleich ich es mir so sehr wünschte, Du hättest recht.
Hallo Burbacher,
erstmal musst du dich nicht entschuldigen, insbesondere nicht bei mir. Dass du eine andere Sichtweise bzw. Einstellung zum Leben hast, als ich, ist eine Differenz zwischen unterschiedlichen Menschen, die du tagtäglich und allerorts antriffst. Das gilt es in erster Linie zu akzeptieren.
Ob ich "recht habe", haben könnte? Fraglich.
Ich sehe das so, dass mein Leben maßgeblich aus Erkenntnissen und Entscheidungen besteht - kleinere, größere, wichtigere, unwichtigere, nicht immer die intelligentesten. Und ich denke, dass es uns allen so geht.
Weiters ist natürlich die Frage danach interessant, was
das Selbst ist. Sind es die Fähigkeiten, die Fertigkeiten, die Optik, die Bildung, der Kontostand? Ich denke, dass das alles mit reinspielt und aus anderer Perspektive doch nur ein Hauch dessen ist, was
das Selbst ist. Und da sind wir noch lange nicht bei einer Antwort auf die Frage, die aber vielleicht eine der wichtigsten ist, die man sich stellen bzw. geben kann.
Natürlich gibt es echte Freundschaften, Beziehungen, in denen eine ehrliche Zuneigung besteht. Und dennoch, so behaupte ich, sind auch private Beziehungen, engere Kontakte oft von Zweckmäßigkeitsüberlegungen geprägt.
Das geht hinein bis in intime Beziehungen. So liest man nicht selten, dass Frauen in einer Partnerschaft sich ihrem Partner mal wieder hingeben, damit sie selbst Ruhe haben.
Zwei Seiten ein- und derselben Medaille und mit fließenden Übergängen, würde ich sagen. Wenn ich so auf mein Leben zurückblicke, dann könnte ich nicht sagen, dass ich Großes oder Nennenswertes vollbracht habe. Jedoch hatte ich eine Menge "Glück", als ich Zeit meines Lebens immer von unheimlich guten Freunden, tollen Familienmitgliedern, liebenswerten Kollegen und allgemein symphatischen Menschen umgeben war. Vielleicht sehe ich die Welt und meine Mitmenschen auch einfach zu verblümt und blende unangenehme Episoden und Personen aus. Das mag sein, aber ich denke, dass ich es doch recht nüchtern sehe.
Mein aktuelles Resümee wäre insofern, dass mir Menschen sehr viel mehr "gegeben" haben, als sie mir denn "genommen" hätten. Ob ich das in irgendeiner Weise "verdient" habe, das weiß ich nicht.
Spätestens, wenn eine Beziehung in die Jahre kommt, Neues nicht mehr passiert, der Reiz des Anfangs verschwindet, dann stellt sich für viele Partner die Frage nach dem Warum.
Da steht eben nicht mehr Adonis neben ihr. Sie ist auch nicht mehr die Frau, die ihn bewundert wegen seiner tollen Karriere, denkt aber zugleich daran, dass ihr das Leben mit ihm ein einträgliches Auskommen ermöglicht.
Besten Freundinnen hat sie schon lange gesteckt, dass sie nicht mehr bei ihm wäre, ließe er ihr nicht den Freiraum, den er ihr lässt.
Klingt alles irgendwie kompliziert oder oberflächlich. Gar nicht so mein Ding, wobei ich persönlich das Erstere dem Zweiten vorziehe. Meine Meinung ist, dass man sich gründlich aussuchen sollte, mit wem man gut und womöglich ein Leben lang lebt. Das ist gleichfalls eine Gefühls- und Verstandesfrage. Aus meiner Sicht sollte man sich fair begegnen, fair zusammen sein und sich ggf. auch fair trennen. Nicht alle Blütenträume reifen, aber das muss auch keinesfalls ein Verlust bzw. Schaden sein.
Ich will niemanden die Illusion rauben, behaupte gleichwohl, dass dererlei Zwecküberlegungen - und sei es nur unbewusst - das Partnerverhalten in späten Jahren prägen (können).
Ganz bestimmt sogar. Man kann es interpretieren oder sehen wie man will, aber ich denke, dass keine Beziehung gänzlich frei von "Zweckmäßigkeit" ist und dies auch keinesfalls als negativ gesehen werden muss. Vielleicht vergleichbar mit einer "Maschinerie", deren Zahnräder gut ineinandergreifen und sie läuft wie geölt. Da hat dann jeder seinen "Vorteil", auch dann, wenn die "Maschine" ihr Alter erreicht hat und aus den dann verbliebenen Ersatzteilen eine neue Maschine gebaut werden muss. Soll aber nicht heißen, dass nicht auch ein einzelner Mensch eine "perfekte Maschine" sein kann.
Wir verändern uns in der Regel im Laufe einiger Jahrzehnte, und da wird manches zur Gewohnheit. Kommen dann noch gemeinsamer Besitz, gemeinsame Kinder dazu, halten viele fest, obwohl ihre innere Zuneigung zueinander schon längst erloschen ist.
Sicher. Man trifft dann eben eine Entscheidung, oder hat sie schon längst getroffen. Kommt Zeit, kommt Rat. Nicht?
Gestern sagte mir ein "schneeweißes Mütterchen": "Je länger man auf der Welt rumkrepelt, desto mehr erlebt man."
Sie lachte auf ihre charmante Art und Weise. Und schon waren wir beim nächsten Thema...
Immer häufiger allerdings stellt sich irgendwann die Frage, ob das noch der Mann, die Frau ist, für die man sich da vor vielen Jahren entschieden hat.
Vielleicht hat(te) man sich über viele Jahre etwas vorgemacht. Ich denke, dass es über die Zeit bzw. perspektivisch gesehen, veränderliche und unabänderliche Anteile bei jedem Menschen gibt. Gehe es also um Langfristigkeit, sollte man sich an den unabänderlichen Anteilen orientieren, nicht an den veränderlichen.
Das Selbst ist vielleicht der unveränderliche Anteil?
Oft findet sie eine negative Antwort und eine Beziehung findet, selbst für beste Freunde, ein scheinbar unerwartetes Ende.
Das ist mir, zugegeben, noch nie passiert - dass ich "Freunde verloren habe". Meine Freunde sind die, die ganz real und/oder gedanklich geblieben sind.
Nicht auszuschließen ist, dass ich eine Menge Freunde auf dieser Welt habe, denen ich noch niemals begegnet bin.