Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Ich selbst bin froh inzwischen auch mal Ängste wahrzunehmen, nicht einfach wegzureden.
Erst das Eine, dann – wenn es sich um „künstliche“ Ängste handelt, Ängste ohne realen Hintergrund, das Andere. Wobei ich „wegreden“ nicht ganz so glücklich ausgedrückt empfinde. Wenn ich bedenke, dass man überflüssige Pfunde wegtrainiert, könnte man das auch mit überflüssigen Ängsten tun.
Sicher ist auch dies der Grund warum ich dieser Aussage skeptisch gegenüberstehe. Trotzdem oder vielleicht gerade auch darum, war oder bin ich eher misstrauisch. Doch auch dieses Misstrauen möchte ich nicht mehr aufgeben, ich hatte mehrfach den Fehler gemacht, Menschen zu vertrauen, die dieses Vertrauen nur ausnutzten. Das heißt nicht generell, keine Kontakte zu anderen Menschen zu haben, jedoch ein Restmisstrauen beizubehalten, halte ich für sinnvoll.
Misstrauen bzw. ein gesundes Maß an Skepsis ist durchaus gut und sinnvoll. Das ist aber was anderes als „künstliche“ Ängste, also Ängste ohne realen Hintergrund. Künstliche Ängste als Feststellung nach Gefährdungeinschätzung.
Misstrauen hat mich einige Male sehr geschützt. Entscheidend ist die Wahl des Weges sich zu schützen. Es kann durchaus auch Flucht sein.
Vertrauen ist sehr oft, eigentlich fast immer missbraucht wurden.
Dein Vertrauen als Kind oder als Erwachsener wurde mißbraucht? Sicher ist das schlimm. Wichtig, so erscheint mir, ist was ich daraus lerne. Und lernen sollte ich, meine Menschenkenntnis zu verbessern sowie Vertrauen stufenweise schenken, je nachdem ich den anderen Menschen kennen und einschätzen gelernt habe.
Das wird nie 100%ig sicher sein. Ein bestimmtes Restrisiko bleibt, denke ich. Ich denke auch, das gehört zum Leben und es ist gut, wenn wir jemanden haben, der uns auffängt, wenn wir „auf die Schnauze“ fallen und uns mit dem Aufstehen schwer tun. Und das "müssen" wir. Denn unsere Fähigkeit, Vertrauen zu schenken, ist die Voraussetzung für das Bilden von guten, tiefen Freundschaften und anderen Beziehungen.
Ich schrieb, dass die Regel "nicht auffallen" sinnlos ist.
Bist du dir da wirklich sicher? Oft ist genau dies zu beobachten. Nicht nur ich erlebte es, dies erleben noch heute sehr viele Kinder durch ihre Eltern. Eltern die es selbst oft schon als Kind erlebten.
Heute halte ich mich nicht mehr bei Menschen auf, die mir das vermitteln und och ist das auch in vielen Firmen so. Wie viele Mitarbeiter machen ihre Arbeit, wehedem aber sie fallen irgendwie auf. Wie viele Menschen wird vermittelt mach deine Arbeit, aber mehr und besser als andere, aber halte dich sonst zurück.
Nein, ich spreche nicht von mir. Aber gerade heute, wo viele Angst um ihren Arbeitsplatz haben, es will der Chef oft nicht wissen, wer die Arbeit tat, oft kennt er seine Leute nicht, er will nur, das alles für möglichst wenig kosten gemacht wird. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Es wird überall vermittelt. Doch bin ich nicht davon überzeugt, dass es nicht doch noch oft, gerade im Berufsleben, gefordert ist.
Ich habe mich seit meiner Jugendzeit nicht daran gehalten, doch bringt das nicht nur Freunde und macht es auch nicht unbedingt nur einfacher.
Ja, in bestimmten Situationen ist es schon diplomatisch, nicht aufzufallen. Da gebe ich Dir Recht. Ich lernte die Regel: „gehe nie zu Deinem Fürst, wenn Du nicht gerufen wirst.“
Als ich schrieb, die Regel „bloß nicht auffallen“ ist überflüssig, falsch, hatte ich die von Dir richtigerweise genannte berufliche Situation nicht vor Augen. Es gibt auch die berufliche Situation, in der gerade das Auffallen (durch gute Leistungen) zum Überleben oder Weiterkommen wichtig ist. Es gibt eben beides. Mal ist es diplomatisch, nicht aufzufallen, mal ist das Auffallen sinnvoll.
Privat ist es anders. Hier ist das Auffallen durch sympathisches Verhalten sinnvoll, denn so kann man leichter neue und schöne Beziehungen knüpfen. Und hier ist die Regel, möglichst nicht aufzufallen, in meinen Augen sinnlos, kontraproduktiv. Es kommt eben immer darauf an, mit welchem Verhalten „ich“ auffalle.
Einsamkeit ist aber nicht unbedingt dadurch weg, dass er sich unter anderen Menschen aufhält. Im Gegenteil, oft ist es so dass die Einsamkeit größer ist, wenn andere Menschen da sind. Andere Menschen sind nicht immer der Weg der Einsamkeit zu entkommen.
Ja, richtig.
Ist Angst wirklich eine Form der Bewältigung? Ich würde da widersprechen. Angst ist keine Form der Bewältigung, sondern ein Zeichen dafür etwas nicht bewältigt zu haben. Das Ende noch nicht wahrgenommen zu haben oder gar noch diesen Situationen ausgesetzt zu sein. Angst zeigt nur Gefahr oder möglich Gefahr an. Wobei unter Umständen die Erkenntnis fehlt, das es heute anders ist. Vielleicht aber auch immer wieder der Mensch ähnlichen Situationen ausgesetzt ist oder sich diesen aussetzt, ohne es zu ahnen. Angst entsteht auch, wenn sich etwas verändert, auch zum positiven hin. Es soll schließlich schützen. Darum egal woher Angst kommt, halte ich es für ein positives Gefühl. Schon allein diese Einstellung, die Angst als Freund, statt als Feind zu sehen, kann sehr helfen diese als Helfer zu nutzen.
Deinem Absatz kann ich fast zustimmen. Gut ausgedrückt. Nur das mit dem positiven Gefühl kann ich nicht akzeptieren. Angst ist ein Gefühl, welches zur Gefährdungseinschätzung führen sollte – und dann bei Nichtvorhandensein einer realen Gefahr, hat die Angst auch wieder zu verschwinden. Bleibt die Angst trotzdem bestehen, ist sie wie eine Warnhupe anderer Autos, die lediglich hupen, weil sie auf sich aufmerksam machen wollen, sich mal wichtig fühlen wollen. Das ist doch nicht positiv – das ist nur nervend.
Ein Helfer ist die Angst doch nur, wenn ich bei realer Gefahr rechtzeitig gewarnt werde. Dann empfinde ich sie insofern als positiv, wenn sie mich dann nicht lähmt sondern eher mir hilft, besonders konzentriert die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Bei realer Gefahr werden manche Menschen panisch. Ich werde dann besonders ruhig, bin hoch konzentriert.
Auch gibt es etliche Fälle, in denen selbst sehr ängstliche Elternteile ihr Angstverhalten ihren Kindern beibringen. Auch hier ist Anti-Angsterziehung/Anti-Angsttraining wichtig, der eine Aufklärung der Verhaltensgrundlage vorausgehen sollte.
Du hast meine Zustimmung.
Da kommen wir doch zu dem wichtigsten Punkt, eine Auseinandersetzung mit der Angst. Angst als Freund, als Verbündeten, diese wahrnehmen und nach Ursachen gucken und dann situationsbezogen zu agieren. Wobei verstecken und Flucht manchmal besser ist als Kampf. Dies schnell und situationsbezogen zu beurteilen ist sehr hilfreich. Für mich war es wichtig zu lernen auch einmal lieber rechtzeitig wegzugehen.
Du hast meine Zustimmung.
Ich kenne inzwischen die meisten Gründe, die bei mir ein Gefühl von Einsamkeit erzeugen können. Dieses Gefühl ist dann unabhängig von der Anwesenheit von anderen Menschen. Wobei es egal ist wie wichtig oder unwichtig die Menschen sind, die grad da sind.
Was ich damit sagen will, die Ursachen sitzen oft tief und es ist gut zu wissen, woher das Gefühl kommt, dann brauche ich auch nicht mehr unbedingt andere, um mit diesem Gefühl klar zu kommen oder es auch zu überwinden.
Andere Menschen mögen manchmal ein wenig überbrücken, manchmal aber auch verstärken sie ein solches Gefühl.
Dies zu wissen kann sehr hilfreich sein, seinen individuellen Umgang mit der Einsamkeit zu finden.
Lg
Mittendurch
Danke für Deinen guten Beitrag. Nur habe ich jetzt aus Deinem letzten Absatz nicht herauslesen können, woher bei Dir Einsamkeitsgefühle kommen und wie Du sie überwindest.
LG, Nordrheiner