Hallo Gelinda,
was Du da schreibst, liegt auf der Linie dessen, mit dem ich mich auch in anderen Foren rumschlage. Es gibt etwa in der evangelischen Kirche eine Diskussion über assistierten Suizid.
Ausgelöst wurde diese Debatte durch einen ranghohen Protestanten, dessen Frau schwer an Krebs erkrankt ist. Das Ehepaar ließ die erstaunte Kirchenöffentlichkeit wissen, dass sie für den Fall, dass sich die Krankheit nicht wenden lassen, man den Weg in die Schweiz wähle. Die betroffene Frau wurde mit der Absicht zitiert, dass sie sich dann aus dem Leben verabschieden werde. Ihr Mann bekräftigte währenddessen, er werde ihr dabei die Hand halten.
Die Diskussion über diese tragische Geschichte hat in der evangelischen Kirche hohe Wellen geschlagen und sie hält weiterhin an.
Ich als - bipolarer Mensch - der Depressionen kennt seit seinem 17. Lebensjahr, habe schon wiederholt den Verdacht geäußert, dass man irgendwann und in baldiger Zukunft Menschen mit Depressionen die Möglichkeit anbieten könnte, sie von ihren seelischen Qualen zu befreien.
Mir graust vor einem solchen Szenarium, und es zeigt zudem, wie weit wir bereit sind, Grenzen zu verschieben und Dinge zu denken, die bislang undenkbar waren.
Der Hilfegedanken wird zunehmend abgelöst durch einen zweifelhaften Erlösungsbegriff. Den, freilich, führten schon die Nazis im Munde, die in psychiatrischen Kliniken Menschen auf diese Weise "erlösten".
Burbacher
Für mich ist dieser ranghohe Protestant eine Art Held.
Und ich muss sagen, hier werden zwei Dinge vermischt.
Die Ehefrau ist an Krebs erkrankt und irgendwann geht das Ganze in eine Art finale Phase, in der der Tod unausweichlich ist. Palliativmediziner geben zu, dann auch nur das Mittel des künstlichen Komas zu haben, da sich die Schmerzen und Luftnot sonst nicht mehr lindern lassen.
Ist es nnicht das Recht dieser Frau ggf und auch nur vielleicht dieses Mittel wählen zu dürfen?
Denn viele Menschen, die es durchgefochten haben in die Schweiz zu reisen, die tun es nicht.
Es reicht das Wissen, das man nicht so machtlos ist, das man es tun könnte wenn man es wollen würde.
Der Hilfegedanken wird zunehmend abgelöst durch einen zweifelhaften Erlösungsbegriff. Den, freilich, führten schon die Nazis im Munde, die in psychiatrischen Kliniken Menschen auf diese Weise "erlösten".
Du kannst Menschen nicht mit dieser Argumentation den freien Willen nehmen, das geht nicht.
dass man irgendwann und in baldiger Zukunft Menschen mit Depressionen die Möglichkeit anbieten könnte, sie von ihren seelischen Qualen zu befreien.
und selbst wenn, solange man es dir nur anbietet und es nicht verlangt?
Es ist nicht damit getan, das zu verbieten und mit einer ungeheuren Moraldiskussion mit Macht den Deckel draufzuhauen. Das ist der bequeme Weg. Der WIR BEFEHLEN EUCH denn WIR WISSEN WAS FÜR EUCH GUT IST WEG.
Und sich auf der anderen Seite nicht zu kümmern und möglichst wenig zu investieren.
Man sollte das Menschen freistellen und in der Gesellschaft dafür sorgen das sich Menschen gebraucht und nicht einsam fühlen.
Wenn man alte Menschen abschiebt, dann man muss ja nicht sehen wie sie dahinsiechen wenn das hinter Mauern geschieht, ist es dann nicht zynisch den assistierten Freitod nicht zu erlauben?
Scheiss egal was mit euch passiert, keiner kümmert sich, aber was wir tun ist, wir zwingen euch zu leiden?
So moralisch sind wir.
Wäre es nicht andersrum genau richtig? Es zu erlauben, aber die Gegebenheiten so zu verändern das die Menschen das nicht wollen?
Manchmal denke ich, das der assistierte Suizid nur deshalb nicht erlaubt wird, weil dann ganze Altenheime und Pflegeheime voller Menschen diesen wählen würden und das unmenschliche heutige System der Abschiebung von alten Menschen, Ausgrenzung Behinderter, Einsamkeit in allen Schichten, Ausgrenzung psychisch Kranker, sehr sichtbar würde?
Indem man das Sterben verbietet und den Deckel draufhält und die Menschen in Einsamkeit versiechen lässt, ja dann fällt es ja nicht auf. Ist ja hinter Mauern von Krankenhäusern , Altenheimen, Hospizen und Psychatrien.
Wie einfach und zynisch ist das?
Und wer denkt es ist OT, nein das hat etwas mit Einsamkeit zu tun. Wer sich eingebunden und nützlich fühlt, der wird zu 95% sein Leben nicht beenden wollen.
Und welcher Hilfegedanke? Gibt es den? Dann verstehe ich nicht wieso hinter den Mauern die Menschen dahinsiechen. Und dann verstehe ich die Angst vor dem assistierten Suizid nicht.
Wenn so toll geholfen wird, dann will das doch keiner machen....oder wird eben nicht so toll seitens der Gesellschaft geholfen und man will das vertuschen?