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Tabula Rasa
Gast
Mich würde interessieren, wie bei euch die Gespräche mit Kreationisten verlaufen sind?
Ich finde, sie sind so in sich verschlossen, dass sie eine Mauer vor sich aufbauen. Wenn bestimmte Worte fallen, so sehen sie es als Angriff und blockieren komplett. Das ist eigentlich mein hauptsächsliches Problem, sie sind von dem so überzeugt, sie können gar nicht eine andere Meinung zulassen/anhören. Mir gehts gar nicht darum i-was aufzutischen oder jemanden davon zu überzeugen, sondern eher die Reaktionen zu sehen, wenn ihnen was anderes präsentiert wird. Leider kommt es wirklich zu selten dazu, und in christlich-fundamentalistische Einrichtungen traue ich mich nicht rein - nur um eine Diskussion zu führen.
Ich habe mich mit Kreationisten schon regelrecht bis aufs Blut befehdet. War der Ansicht, es mit vollkommen vernagelten Betonköppen zu tun zu haben, die die Erdgeschichte meinen uminterpretieren zu müssen, um sich von ihrer eigenen Lebensunfähigkeit ablenken zu wollen. Ich biss mir an solchen Leuten regelmäßig die Zähne aus und irgendwann vermied ich es, mich mit ihnen zu sehr zu beschäftigen. Allerdings tauchte dann irgendwann etwas Anderes auf das mich nervte. Es gab immer irgendwen dessen Meinung und Ansichten mir gegen den Strich gingen, den ich als verblendet empfand, als auf dem Irrweg oder einfach als dämlich. Und immer, aber auch wirklich immer, wenn ich mich auf Diskussionen mit solchen Personen einließ, holte ich mir mein gerüttet Maß an Frustration ab.
Heute ist das nicht mehr so. Warum? Weil ich selbst erlernen musste nicht zu missionieren, auch wenn ich das früher, bei meinen doch ach so weltlichen Ansichten, die nichtsdestotrotz ein Dogma für mich waren, entrüstet von mir gewiesen hätte. Ich musste lernen, dass ich nicht das Maß der Dinge bin und auch meine Ansichten oder der Mainstream nicht das Maß der Dinge sind. Das Maß aller Dinge ist das Leben (manche nennen das Gott) und dieses hält für jeden Menschen seine Aufgaben und Lektionen bereit. Für das Leben ist alles (s)ein Bestandteil, ganz gleich wie ich das empfinde, der ich auch nur Teil davon bin.
So verstehe ich auch den Satz: Gott (das Leben) liebt ALLE Menschen. Und ja, das glaube ich. Seit dem habe ich die Ruhe und Gelassenheit, selbst einen Betonschädel so sein lassen zu können, wie er eben ist. Ich frage mich auch nicht mehr unbedingt warum er so ist. Er ist eben einfach so, weil das Leben ihn so machte. Punkt. Das macht mein eigenes Leben bedeutend leichter. Ich muss nicht mehr nach Gründen oder Fehlern suchen. Ich kann es einfach abhaken und mich dorthin wenden, wo ich willkommener bin. Das minimiert auch Frustrationen. Mir geht es besser damit. Ich finde das prima. 🙂