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Was macht einen guten Psychotherapeuten aus?

Earthling

Aktives Mitglied
Hallo Forum,

meine eigentliche Frage steht ja bereits oben im Titel: Ich würde gerne wissen, was eurer Meinung nach einen guten Psychotherapeuten ausmacht, kennzeichnet.
Welche Charaktereigenschaften sollte er haben? Wie sollte er sich euch als Klienten gegenüber verhalten? Mich würde auch interessieren, welche Gründe euch dazu führen könnten, eure Therapie sofort abzubrechen und nach einem neuen Psychotherapeuten zu suchen.
Ach ja, eine weitere Frage hätte ich noch: Mögt ihr es/haltet ihr es für wichtig, dass sich euer Therapeut während der Sitzung Notizen macht? In Büchern liest man manchmal, dass ein Psychotherapeut seinem Klienten "Hausaufgaben" gibt, also irgendwelche Übungen, die dieser in seinen Alltag integrieren soll. Haltet ihr das für sinnvoll bzw. macht euer Therapeut das vielleicht auch?

Ich würde mich über Antworten wirklich freuen. Ich bin in Gesprächstherapie, manchmal aber ganz schön am Zweifeln, ob es wirklich "was bringt", dabei bin ich noch ganz am Anfang der Therapie. Habe auch schon Verhaltenstherapie ausprobiert, doch dem Therapeuten konnte ich mich nicht öffnen.

Wäre sehr gespannt auf Erfahrungen gerade von jenen, die schon mal in Therapie waren bzw. es immer noch sind.

Liebe Grüße!
 
Die Charaktereigenschaften sind mir egal.
Er/sie muss das Handwerk verstehen und die Mechanismen des Seelenlebens wieder gemeinsam mit seiner Klientel ins Lot bringen.
Er/sie darf keiner Moderichtung anhängen und sollte "persönliche Meinungen" stets zurückhalten.
 
ich hatte schon knapp 10 verschiedene Therapeuten und ich denke in erster Linie ist es wichtig, dass man sich zu nichts gedrängt fühlt.
Man sollte selber mit Themen kommen können und die ersten Sitzungen dazu nutzen für sich selber herauszufinden ob man diesem Menschen vertrauen kann/möchte oder eben nicht.
Ich denke es ist aber auch wichtig, unabhängig vom Therapeuten, dass man sich klar macht, dass dieser nur dazu da ist, einem zu helfen sich selbst zu helfen.
Da ich meine jetzige Therapeutin schon etwas länger habe, kann sie recht gut einschätzen wie lange sie "bohren" kann und wann sie aufhören sollte, das habe ich sehr zu schätzen gelernt.
ich denke jedem tut ein anderes verhalten seitens des Therapeuten gut. Sobald man sich unwohl fühlt innerhalb der Therapie sollte man dies mitteilen. Therapeuten sind eben auch nur Menschen und Wissen nicht immer gleich, wie sie mit jedem umgehen sollen.
ich persönlich würde einen therapeutenwechsel dann anstreben, wenn ich schon häufiger erwähnt habe das ich mich unwohl fühle und warum oder das mir die Themen nicht passen warum und ich lieber über etwas anderes sprechen würde und der Therapeut nicht auf mich eingeht.
Ich wünsche dir alles gute!
 
Ich bin zu der Ansicht gekommen, dass es zwar viele gibt, die eine Ausbildung zum Therapeuten haben, aber weniger Personen, die dazu auch Talent haben.
Die Schwierigkeit ist, dass man das jeweils individuell feststellen muss und vorher nicht wissen kann, auf was man sich einlässt. Es reicht m.E nicht, wenn man eine komplexe Symptomsammlung mitbringt, "irgendeinen Therapieplatz" zu kriegen.
Als es nicht der/die Richtige für mich war, ging es mir nach dem Gespräch z.T noch
schlechter.
Bei dem Richtigen/ einem guten Therapeuten hatte ich auch in
Krisenzeiten das Gefühl, dort eine Art Anker zu haben. Egal wie es mir ging, ich
konnte da hingehen. Egal was für seltsame Verfassung ich mitbrachte. Ich musste
mir keinen Kopf machen und das Ganze nicht ewig vorbereiten, ich wusste mich in
guten Händen. Es würde schon vorangehen ohne dass ich es kontrollieren müsste.

Bei "nicht der Richtigen" war es eine Stunde Labern, das heißt irgendwie redete
ich wohl von mir, aber es hatte kein Hand und Fuß, machte keinen Unterschied.

Einige Therapiearbeit zeigte auch erst nach Jahren Wirkung. Als ich EMDR machte,
kam ich mir bisweilen seltsam vor, aber ich kann bestätigen, dass ich ein - zwei
Jahre danach eine deutliche Veränderung bemerkte. Im Nachherein kann ich sehen,
dass und welche Symptome mich nicht mehr plagen.
Es hat mir geholfen, dass ich stets selbst entscheiden konnte, ob ich mich auf
dies oder jenes einlassen will. Wichtige Abschnitte der Therapie wurden
vorbesprochen und genau geplant, vorbereitet.
 
Als erstes ist einmal das Vertrauen zum Therapeuten wichtig. Wenn Du z.B. das Gefühl hast, ihm manche Sachen einfach nicht sagen zu können, obwohl Du es gerne möchtest, wird das Vertrauen nicht ausreichen.
Auch ist natürlich in dem Zusammenhang das Gefühl (zumindest einigermaßen) verstanden zu werden sehr wichtig. Wenn Dein Therapeut nicht ein gewisses Einfühlungsvermögen zeigt wirst Du ihm wohl auch nicht vertrauen können.
Ich halte es auch für wichtig, dass Dein Therapeut Dich aufklärt - über das, was ihr macht, und das, was er vorhat. Vor allem sollte es ein gewisses Ziel in der Therapie geben, auf das hingearbeitet wird. Das kann sich natürlich auch mit der Zeit ändern, aber das sollte man dann auch gemeinsam besprechen. Wichtig ist, dass das Ziel erkennbar bleibt, dass ein gewisser Plan (und nicht nur ein ständiges drauf losreden) erkennbar ist.
Dein Therapeut sollte auch Sachen, die z.B. in einer vorherigen Stunde angesprochen wurden, aber noch nicht geklärt waren, wieder aufgreifen und sie sollten nicht einfach unter den Tisch fallen. In dem Zusammenhang kann man natürlich auch mögliche Hausaufgaben sehen. Das kann zum einen sein, dass Du Dir Gedanken über etwas machen sollst und es aufschreibst oder auch praktische Übungen (v.a. im Bereich einer Verhaltenstherapie - vielleicht so etwas wie Leute ansprechen, sich etwas bestimmtes trauen etc). Ich denke schon, dass diese Dinge sinnvoll sein können. Es ist wichtig, sich über die Therapiestunden hinaus Gedanken zu machen und wenn man z.B. mal ein bestimmtes Thema hat, kann das durchaus hilfreich sein. Wichtig ist, dass dies dann aber auch wieder aufgegriffen wird (mir ist es leider oft passiert, dass die Dinge unter den Tisch fielen, wenn ich sie nicht selbst ansprach). Auch bestimmte Übungen können hilfreich sein - denn gerade in der Verhaltentherapie kann man ja nur etwas erreichen, wenn man das Besprochene auch umsetzt. Wichtig ist dabei, dass Du Dich zu nichts gezwungen fühlst und Deinem Therapeuten sagst, wenn Du etwas einfach nicht kannst, oder wieso Du evtl. Probleme damit hast.
Ob Dein Therapeut sich Notizen macht finde ich nicht wichtig. Wichtig ist, dass er den Überblick über eure gemeinsame Arbeit behält und Dir auch das Gefühl gibt, dass das so ist. Wie er das dann macht finde ich eher unerheblich (solange es nichts für Dich nicht irgendwie störendes ist).
Ganz wichtig finde ich auch, dass Du Dich und Deine Probleme ernst genommen fühlst. Mir ist es z.B. mehrmals passiert, dass über Dinge, die mir wichtig waren, teilweise aber auch unklar, einfach hinweggegangen wurde und andere, für mich vollkommen banale und unwichtige Dinge in den Vordergrund gerückt wurden. Als besonders schlimm empfinde ich es, wenn akute Probleme, die in einer Situation extrem belasten, einfach zur Seite geschoben werden, weil der Therapeut etwas anderes als wichtiger erachtet.
Allgemein sollte der Therapeut natürlich auch versuchen (Dir dabei zu helfen) das Ziel der Therapie im Blick zu behalten und nicht zu sehr abzuweichen (es sei denn eine Änderung des Ziels wird notwendig), aber dabei muss er trotzdem Deine Nöte im Blick behalten.
Wenn Du das Gefühl hast, jedes Mal einfach nur mehr oder weniger drauf los zu reden und die Zeit damit herumzubringen, ohne dass wirklich etwas dabei herumkommt, ist das ein sicheres Zeichen, dass es mit dem Therapeuten nicht klappt.
 
Hallo Earthling,
die Psychotherapieforschung sagt, dass nicht der
Therapeut als Person oder die Methodik für einen
Erfolg verantwortlich ist, sondern das, was zwischen
Therapeut und Klient geschieht, d.h., ob es eine
"heilende therapeutische Beziehung" gibt oder nicht.

Manchmal lernt man zwar auch aus weniger "heil-
samen" Beziehungen etwas, aber ich denke, es ist
schon von Vorteil, wenn du merkst, dass du gut mit
dem anderen kannst und er/sie auch tatsächlich in
einer Art mit dir spricht, die dir entgegenkommt.

Fachlich gute Therapeuten machen deshalb zunächst
die Vorgespräche, um genau das abzuklären.

Gruß, Werner
 
Ich danke allen, die sich die Zeit genommen haben, auf meine Fragen zu antworten.

Generell bin ich ein Mensch, der sich zwar öffnen kann, aber nur, wenn ich mich bei einer Person wirklich sicher fühle und merke, dass sie aufrichtig an mir als Mensch und an der Geschichte, die ich mitbringe, interessiert ist. Hier stellt sich mir die Frage, ob ich meiner jetzigen Therapeutin dieses Vertrauen wirklich entgegenbringen kann. Ich bin mir nicht sicher.

Unsere letzte Sitzung hat mich ziemlich genervt, weil sie immer wieder von einem Thema abkam, das ich schon mehrmals angeschnitten habe, und mir stattdessen Fragen stellte, die mit der Psychotherapie wirklich gar nichts zu tun hatten. Ein Beispiel hierfür: Ich sagte, dass ich gerne im Bereich Tierrechte was auf freiwilliger Basis machen würde. Mein Problem ist aber, dass ich eher kontaktscheu bin und mich schlecht überwinden kann, mich in neue Situationen zu begeben. Darüber wollte ich eigentlich sprechen, doch sie unterbrach mich und fragte, warum ich denn nicht stattdessen mit Tierheimhunden Gassi gehe, obwohl ich ihr schon erklärt hatte, warum mir die Mitarbeit in einer Tierrechtsorganisation lieber wäre, und wollte dann auch noch von mir wissen, ob ich schon mal bei solchen Demos war, wo Menschen blutige Felle toter Tiere halten und so... Ich habe kein bisschen verstanden, warum das jetzt so 'ne wichtige Frage sein soll, das kann sich doch jeder selbst aussuchen ob er bei solchen Demos mitmachen will 😕

Oder ich erzählte ihr was von meiner Familie, etwas, das mich eh schon belastet hat. Ihre Reaktion war dann erstmal ein total schräger Blick und ein Kommentar in Richtung von: "Na, Gott sei Dank war das bei mir in der Familie nicht so!" In dem Moment fühlte ich mich verurteilt und habe irgendwie total dichtgemacht, auch rasch das Thema gewechselt...

Auch ein richtiges Ziel fehlt irgendwie. Es ist eben doch mehr Gerede. Ich würde mir auch wünschen, dass sie mehr Fragen stellt und manchmal ein bisschen mehr bohrt, weil ich manchmal nicht von selber einfach anfangen kann, alles zu sagen, was mich belastet, doch ich habe das Gefühl, dass sie überhaupt nicht erkennt, woran ich wirklich gerne arbeiten würde... dabei komme ich auf diese Themen immer wieder zurück.

Nun, nächstes Mal gehe ich mit meinen Notizen hin, vielleicht ändert sich dadurch ja etwas. Möglicherweise hat sie bis jetzt einfach noch nicht so gut verstanden, worum es mir geht, wobei ich gerne ihre Unterstützung hätte, und was mich mir wirklich gerne von der Seele reden würde...

Aber ist es normal, dass Therapeuten so häufig ihre persönliche Meinung kundtun und so viel über sich erzählen? Mir ist das nämlich bei meinen bisherigen Therapeuten aufgefallen: der erste laberte ewig über sein Studium, als ich kurz meine Zukunftspläne erwähnte, und schwärmte dann total von seinen tollen Noten damals, die jetzige gibt auch häufig ihre persönlichen Kommentare ab... Ist das bei euch auch so?
 
Ich habe Ähnliches erlebt als ich bei meiner letzten Therapeutin in Behandlung war.

Sie ließ mich kaum zu Wort kommen. Sobald ich mal etwa 10 Sekunden nichts sagte, plapperte sie einfach weiter, ohne dabei auf mich einzugehen, wechselte dabei auch gern mal das Thema, ohne dass mir danach war.

Außerdem erzählte sie mir von eigenen persönlichen Problemen, dass ich manchmal das Gefühl bekam, ich müsse sie therapieren und nicht umgekehrt.

Einen guten Therapeuten macht daher m.M.n. jemand aus, der etwas von seinem Fach versteht und sich persönlich von seinen Klienten abgrenzen kann. So wie es bei meinem ersten Therapeuten der Fall war.
 
Hallo Earthling,
was du da schreibst hört sich ja nicht so gut an.
Das Thema "eigenen Kram erzählen" finde ich besonders ungut.

Es war für mich ein Ausschlusskriterium für Helfer jeder Art, ob sie es
verstanden mich und meine Probleme für die Zeit die wir miteinander hatten in
den Mittelpunkt zu rücken und sich so weit zurückzunehmen dass ich selbst besser
aus mir heraus kommen konnte.

Unverfängliches Geplauder über dies und das hab ich erst nach einigen Jahren
therapeutischer Beziehung gehabt bzw. es war dann mal ausnahmsweise okay weil
ich kein akutes Anliegen hatte. Wenn der Therapeut von sich erzählte lief das
meist im Zusammenhang mit irgendeiner Analogie zu meinem Problem. Also als
Beispiel für mich. Es war deutliche Ausnahme.

Persönliche Kommentare... also wenn sie z.B sagt "zum Glück war das bei mir
nicht so" finde ich kränkend und ist nicht gerade eine ideale Reaktion...
Mir half, wenn es um Familienkram ging, eher eine Einordnung in der ich erkennen
konnte, wie "unnormal" das was da vorging gewesen war, auch aus Statistiken
belegt und nicht so dahergesagt. Oder ein Interpretationsangebot dessen.
Also da war sie ja nun wirklich nicht ganz bei dir bzw. auf dich eingegangen...

Da würde ich auch denken "na dankeschön". So uneinfühlsam!
A propos, als fast das Wichtigste für einen talentierten Therapeuten erscheint
mir die Fähigkeit zu echter Empathie.

Gruß
akiraki
 
Ich erlebe eher das Gegenteil, daß der Therapeut sich hütet, zu viel von sich zu erzählen. Das finde ich auch richtig.

Erstens geht es um mich.

Und zweitens begegne ich nicht der Privatperson mit all ihren möglichen Ansichten und Problemen im Therapieraum, sondern der "Kunstperson" Therapeut, die sich auf eine bestimmte Art zurücknimmt, mir Raum läßt und auf eine bestimmte Art interagiert, so daß ich Denkanstöße bekomme oder zu bestimmten Verhaltensweisen ihm gegenüber herausgefordert werde, die wiederum mein Verhalten in anderen Lebenszusammenhängen exemplarisch spiegeln.

Das heißt aber nicht, daß der Therapeut nicht interessiert nachfragen kann zu Themen, über die wir sprechen, so wie bei Deinem Tierrechtsorgathema.

Und das heißt auch nicht, daß es nicht zu Beginn oder zum Ende der Stunde auch kurze smalltalk-Sequenzen gibt. Speziell zum Ende einer für mich sehr emotional aufwühlenden Stunde fordere ich diesen smalltalk auch ganz bewußt ein, damit ich nicht von 100 auf 0 aus dem Therapieraum raus muß. Nachdem ich das mal angesprochen habe, versuchen wir beide, einen Zeitpuffer für einen sanften Ausklang im Auge zu behalten, damit es nciht nach der Stunde zum totalen Absturz kommt.

Lieber Earthling, Du solltest Dir bewußt sein, daß es Deine Therapie ist, die Du gestalten darfst. Was immer Dich bedeutend stört oder Fragen bei Dir aufwirft, solltest Du ansprechen. Auch ein Therapeut braucht Rückmeldung. Und gerade das Thematisieren solcher Problemstellungen gehört zu einem guten vertrauenvollen Arbeitsbündnis.
 

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