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Kein Ausweg aus Isolation

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K

Kräuterhexe

Gast
Es fällt mir gerade schwer in Worte zu fassen, was in mir vorgeht.. Also, ich leide unter der Unfähigkeit, Freundschaften aufzubauen. Eigentlich konnte ich das noch nie. Als Kind hat man es einfacher, ich hatte etwa 3 beste Freundinnen bis ich 12 war. Seitdem keine Freundschaften mehr, aber 2 Beziehungen. Während dieser Beziehungen keine Freunde.
Es begann damit, dass ich nach den Sommerferien der 6. Klasse nicht mehr mit den anderen sprechen konnte. Alles fühlte sich an wie ein Zwang. Ich verlor den Anschluss. Ich kam in der Schule zurecht, litt aber sehr darunter, nicht mehr dazuzugehören. In manchen Pausen schaffte ich es nicht, allein auf dem Schulhof zu stehen oder zu sitzen; dann versteckte ich mich bei den Toiletten.
Ich bin Beobachter. Egal, wo ich mich aufhalte. Ich kann nicht anders. Ich zweifle mittlerweile auch an meiner Empathie. Ein oder zwei Mal wurde mir schon vorgeworfen, ich würde keine besitzen.
Therapien habe ich gemacht. Sie konnten aber nichts Maßgebliches ändern.
Ich fühle mich halbblind, wenn es darum geht, andere Menschen wahrzunehmen und zu verstehen und kann mich nicht wirklich auf jemanden einlassen.
Und ich glaube akzeptieren zu müssen, dass es sich nicht ändern wird. Niemals. Und das macht mir Angst. Ich frage mich, welche Zukunft auf mich wartet.
 
Hallo Kräuterhexe,
was wäre denn konkret dein Ziel, also welchen
Unterschied würdest du gerne in deinem Leben
sehen bzw. bewirken?

Was du über dich sagst, erinnert mich sehr an
die Rubrik "Denker" (hier beschrieben:
http://www.123modell.de/0002.htm) - das ist aber
keine "Störung", sondern eine angeborene Ge-
wichtung von Fähigkeiten. Ich gehöre auch in
diese Gruppe und weiß inzwischen, dass man
da durchaus "gegensteuern" kann. Dass du
mal drei Freundinnen gefunden hattest, zeigt
ja, dass du fähig bist, Freundschaften einzu-
gehen und auch zu halten.

Gruß, Werner
 
Hallo Kräuterhexe,
was wäre denn konkret dein Ziel, also welchen
Unterschied würdest du gerne in deinem Leben
sehen bzw. bewirken?

Das kann ich nicht so ohne Weiteres beantworten. Ich weiß aber, was ich nicht will: Dass es so bleibt und ich irgendwann einsam ohne Freunde und Familie sterbe. Dass ich nur meine eigene kleine Welt gekannt habe.

Dass du
mal drei Freundinnen gefunden hattest, zeigt
ja, dass du fähig bist, Freundschaften einzu-
gehen und auch zu halten.

Das liegt nun schon mehr als ein Jahrzehnt zurück. Freundschaften zwischen Erwachsenen sind komplexer. Wie soll ich diese Defizite beheben? Ich hinke schon seit Jahren hinterher.
Eigentlich brauche ich nicht mehr zu hoffen.
 
Hallo,

deinen Beitrag finde ich sehr interessant.

Es begann damit, dass ich nach den Sommerferien der 6. Klasse nicht mehr mit den anderen sprechen konnte.
Alles fühlte sich an wie ein Zwang.

Warum? ..nicht mehr sprechen, ...Zwang, wie meinst Du das?

Ich zweifle mittlerweile auch an meiner Empathie. Ein oder zwei Mal wurde mir schon vorgeworfen, ich würde keine besitzen.

das solltest du aber nicht nur an den 2 Aussagen festmachen. Hast Du dafür noch andere Anhaltspunkte?

Empathie ist bei vielen doch sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. Aber gar keine kann ich mir nicht wirklich vorstellen.

Ich fühle mich halbblind, wenn es darum geht, andere Menschen wahrzunehmen und zu verstehen und kann mich nicht wirklich auf jemanden einlassen.


...würdest Du das bitte genauer beschreiben, wie Du das meinst?

...es könnte doch auch andere Gründe haben.Oder mit andere Gründe als nur Empathie! Wenn man intensiv mit sich selbst zu tun hat, da glaube ich ist es grundsätzlich so, das man andere nicht so wahrnimmt/es auch manchmal nicht will.

Oder,


 
Das kann ich nicht so ohne Weiteres beantworten. Ich weiß aber, was ich nicht will: Dass es so bleibt und ich irgendwann einsam ohne Freunde und Familie sterbe. Dass ich nur meine eigene kleine Welt gekannt habe.

Zu wissen, was du nicht möchtest, ist der
erste Schritt, würde ich mal sagen - aber
eine undefinierte Veränderung "so nicht
weiter" bietet eben keinen Ansatz für einen
Weg oder gar ein Ziel. Was hindert dich
denn daran, aktiv das Ziel "Familiengrün-
dung" oder "die Welt kennenlernen" anzu-
gehen?

Freundschaften zwischen Erwachsenen sind komplexer. Wie soll ich diese Defizite beheben? Ich hinke schon seit Jahren hinterher.
Eigentlich brauche ich nicht mehr zu hoffen.

Stimmt, "hoffen" macht da keinen Sinn mehr,
aber vielleicht ja, aktiv zu werden und sich
Vorbilder zu suchen, denen du nachleben
kannst - nicht "hinkend", sondern "fröhlich" 🙂
und motiviert?
 
Hallo Kräuterhexe,

ich bin jetzt ganz baff. Du schreibst:

Das liegt nun schon mehr als ein Jahrzehnt zurück. Freundschaften zwischen Erwachsenen sind komplexer. Wie soll ich diese Defizite beheben? Ich hinke schon seit Jahren hinterher.

Ich kenne ein paar Deiner Beiträge und habe gerade auf Deiner Seite gelesen, dass Du sympathisch rüberkommst (könnte das jetzt jedenfalls nicht wiederlegen 😉).🙂
Also Defizite oder gar Empathiemangel (zumindestens im Schreiben) kann ich so gar nicht sehen. Aber Du wirst natürlich Deine Gründe haben und ich will natürlich Deine Geschichte oder Wahrnehmung nicht anzweifeln.

Ich persönlich finde Freundschaften zwischen Erwachsenen nicht komplexer. Nur die Natürlichkeit, mit denen Kinder unbeschwerter umgehen, dieser Verlust von Naivität, einfach mal ausprobieren, geht uns Erwachsenen meistens verloren. Und ja klar, Kritik oder auch Selbstreflexion sind so Themen, die es uns Erwachsenen schwer machen können.

Ich weiß nun auch selber, was es heißt sozialphobisch zu sein. Nachdem ich meine Ängste stark runterfahren konnte, ist mir sehr bewusst geworden, dass die Menschen damals auch nicht anders waren, als ich sie heute erlebe. Was das Problem war, war eben mein Kopf. Mein zermürbendes Denken. Vor allem die Erwartungshaltung, die ich anderen unterbewusst unterstellt habe. Ich glaubte, nicht Stand halten zu können, mich immer nur unängstlich und am Besten ohne Probleme zeigen zu müssen. Heute frage ich mich warum?. Genau das Gegenteil war ja der Fall. Erst mit dem Öffnen (meine größte Angst) entstand Nähe. Und das machst Du ja hier gerade auch (schön).

Du magst Photographie und bist naturverbunden. Gibt es da vielleicht eine Möglichkeit (Photolehrgang, Naturpfad, Kräuter 😉) wo Du Menschen kennenlernen magst/kannst?

Was war denn in der 6. Klasse? Warum schriebst Du, dass Du plötzlich alles als Zwang erlebt hast?
Was hat Dir denn Deine Freiheit genommen? Also, musst DU natürlich nicht erzählen.
LG
 
@ Morgenlicht Dass ich gar keine Empathie habe, glaube ich auch nicht.

@ Werner "Familiengründung" und "die Welt kennenlernen": Ersteres reizt mich überhaupt nicht. Zweiteres schon, aber wie soll man sich das vorstellen? Ich will nicht irgendwo als Olivenpflückerin enden.
Was du meinst, ist dann wohl eher "Urlaub".
 
@ das Gefühl

🙂

Vermutlich wirken sich meine Sozialphobie und Depressionen doch stärker aus als ich dachte und mir lieb ist. Ich leide nun schon sehr viele Jahre darunter. Ich denke wirklich sehr oft daran, mich für einen Kurs oder einen Verein anzumelden, aber ich schaffe es nicht.

Ich habe mich damals in der 6. Klasse einer Freundin mehr oder weniger anvertraut, weil ich unter Depressionen litt. Diese erzählte es dann weiter und schließlich stellte sich nur noch die Frage, wer aus der Klasse nun nicht davon wusste.
 
Danke für Deine Antwort zu der 6. Klasse.🙂
Das ist krass. 🙁

Du warst nicht nur in seelischer Not, sondern Du und Deine Problematik wurden dann auch noch ins Lächerliche gezogen und Du musstest auch noch spüren, dass man den Menschen generell (denn es waren ja viele Kinder) nicht trauen kann.
Das ist ein hartes Erlebnis. Ich kann mir vorstellen, dass dann das Vertrauen in Menschen den Bach runtergeht.

Das bedeutet dann jetzt, dass es bei Dir vor allem um Vertrauensarbeit geht. Und das ist natürlich nicht gerade einfach. Aber es ist machbar.
Vielleicht führt der Weg ja dann auch gar nicht über Vereine (das hört sich auch immer bedrohlich an, wenn man ja Menschen meidet), sondern eher erstmal über kleinere Schritte.
Als Buch könnte ich Dir: "Erfolgreich schüchtern" von Bernardo Carducci oder "Angstfrei Leben" von L. Basset empfehlen. Kann zumindestens nicht schaden.

Oder Du meldest Dich wirklich bei Lesezirkeln oder bei einer Naturführung an. Meistens sind die Leute dort auch eher ein wenig ruhiger und auch nicht auf sich selbst fixiert. Und dieses Forum ist auf jeden Fall schon mal ein guter Weg.
Wenn mir noch etwas anderes einfällt, schreibe ich noch.
 
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