Ich kann deinen Unmut verstehen. Ich musste auch schon mal an einer Maßnahme teilnehmen. Allerdings war diese kein Bewerbungstraining wie bei dir, sondern ich hatte es mit einer reinen Beschäftigungstherapie zu tun. Täglich 4 Stunden malen, basteln, schnitzen, kochen usw. Der tiefere Sinn sei mal dahingestellt. Und das zahlt natürlich alles der Steuerzahler. Das krasse war ja noch, dass diese Maßnahme eigentlich für Jugendliche gedacht war, aber ich mit meinen 25 Jahren sollte dennoch da mitmachen... dass ich mich da gelegentlich sehr fehl am Platze fühlte, sollte einleuchten. Aber ich habe diese Maßnahme überstanden. Und sie hat mir, oh Wunder, teilweise sogar neue Anreize gegeben. Ich war vor dieser Maßnahme sehr unsicher, zurückhaltend und hatte eine eher negative Meinung gegenüber meinen Begabungen, Talenten usw. Während dieser Maßnahme bekam ich jedoch sehr häufig positive Rückmeldungen, Lob und Bewunderung von den anderen Teilnehmern sowie den Anleitern. Das hat mich psychisch stark aufgebaut. Mehr aber auch nicht. Einen neuen Job habe ich aber dennoch (noch) nicht.
Bewerbungstrainings sollten EIGENTLICH nur für diejenigen Arbeitslosen gemacht werden, die tatsächlich (!) Probleme mit dem Bewerben haben. Es gibt ja in der Tat Leute, die nicht wirklich gelungene Bewerbungen zustande kriegen. Da hapert es meist schon an den Grundkenntnissen (PC, Rechtschreibung, Grammatik, Aufbau einer Bewerbung etc.). Für SOLCHE Menschen sind Bewerbungstrainings sinnvoll. Hat dein Sachbearbeiter im Arbeitsamt jemals eine Bewerbung von dir zu Gesicht bekommen, um zu prüfen, ob du solch ein Bewerbungstraining brauchst??? Oder wie kommt dein Sachbearbeiter auf die Idee, dich in so eine Maßnahme reinzubringen? Frage ihn doch mal! Nur, weil deine bisherigen Bewerbungsbemühungen ohne Erfolg waren, bedeutet es ja längst nicht, dass du keine ordentlichen Bewerbungen schreibst! Wenn man Absagen bekommt, kann das schließlich viele Ursachen haben: es gab einen "besseren" Bewerber, dein Gesicht auf dem Bewerbungsfoto passt dem Chef nicht oder sonstwas. Ich schreibe z.B. auch sehr gewissenhafte Bewerbungen und wurde dennoch noch nicht eingestellt. Immer Absagen. Und mein Sachbearbeiter vom Arbeitsamt kennt diese Misere. Doch er würde mich deswegen nicht in ein Bewerbungsseminar stecken.
Man muss leider sagen, dass viele Maßnahmen wirklich unsinnig sind. Das ist Fakt. In erster Linie sollen die Arbeitslosen nur beschäftigt oder ausgebeutet werden. Und sie verschwinden für einige Wochen/Monate aus der Arbeitslosenstatistik. Und der Steuerzahler, der solche Maßnahmen unterstützt, heißt das noch gut, regt sich aber andererseits auf, dass Steuergelder verschwendet werden. Gern wird ja das Argument gebracht, die Arbeitslosen "müssten eine Tagesstruktur bekommen" oder einen "geregelten Tagesablauf". Warum gehen so viele Leute ständig davon aus, als arbeitslose Person würde man den ganzen Tag nur vorm TV sitzen, bis 13 Uhr im Bett liegen und so weiter? Ich kenne KEINEN Arbeitslosen, der das tut! Und trotzdem werden weiterhin Hartz-4-Bezieher zum Müllsammeln oder Unkrautzupfen verdammt, für 1€ die Stunde, versteht sich. Wäre es nicht sinnvoller, reguläre Jobs daraus zu machen? Da wäre der Gesellschaft doch viel besser geholfen!