Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Nein, ich kann lesen. UND rechnen. Gerade deshalb habe ich dich ja gefragt, wie das finanziert werden soll.
Weisst du also nicht? Bist aber für ein BGE 😕

Also eine leere Google Standard Seite erklärt dein Ansinnen leider nicht.
Man ist es hier in diesem thread allerdings auch gewohnt, dass immer der Schwanz eingezogen wird, sobald von der Finanzierung die Rede ist. Und die drei welche dir auf deinen letzten Beitrag gedankt haben, wissen leider genauso wenig.
 
A

Anzeige

Re: Bedingungsloses Grundeinkommen
Warum Hartz IV besser ist als das solidarische Grundeinkommen

Besonders die SPD liebäugelt mit der alternativen Versorgung für Langzeit-Arbeitslose. Dabei wäre eine solche Gesetzesänderung eine politische Bankrotterklärung.
Hartz IV hilft Menschen in Not, die nicht durch Arbeit auf den eigenen Beinen stehen können. Hier springt der Staat ein und verspricht Solidarität. Die aktuellen Überlegungen zu einem sogenannten solidarischen Grundeinkommen wollen erwerbslosen Hartz-IV-Empfängern ein Grundeinkommen im unteren Tariflohnbereich oder wenigstens auf Mindestlohnniveau ermöglichen, wenn sie bereit sind, eine gemeinnützige Tätigkeit auf Vollzeitbasis aufzunehmen. So hätten sie ein höheres Einkommen als bei Bezug von Hartz IV und wären unbefristet davon freigestellt, einen regulären Job zu suchen. Die Umsetzung dieses Plans käme einer arbeitsmarktpolitischen Bankrotterklärung gleich. Es würde das Prinzip der Solidarität auf den Kopf stellen. Dieses bedeutet eigentlich, dass der Staat das Versprechen gibt, alles zu tun, um Hilfebedürftige aus ihrer Notlage zu befreien. Im Gegenzug verspricht der Hilfebedürftige aber auch zu versuchen, bald wieder auf eigenen Beinen zu stehen.
Der Vorschlag eines solidarischen Grundeinkommens kommt zu einem denkbar unpassenden Zeitpunkt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte seit 2014 Jahr für Jahr um zusätzlich 600 000 bis 700 000 Personen zu. Wir erleben gerade einen Beschäftigungsaufschwung, der seinesgleichen sucht. 1,2 Millionen Stellen sind unbesetzt. Die Chancen auf einen Job standen schon lange nicht mehr so gut wie jetzt, und das gilt - wenngleich nicht im selben Maße - auch für Langzeitarbeitslose und Hartz-IV-Empfänger. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist zuletzt weiter zurückgegangen. Inzwischen sind noch rund 850 000 Personen länger als ein Jahr ohne Arbeit, 85 000 Personen weniger als im Vorjahr.

Oft scheint in Vergessenheit zu geraten, dass wir bei Einführung von Hartz IV 2005 mit 1,7 bis 1,8 Millionen etwa doppelt so viele Langzeitarbeitslose hatten. Auch die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger hat sich von knapp drei Millionen halbiert. Wenn sich Verbesserungen eines solchen Ausmaßes einstellen, können die Reformen so schlecht nicht gewesen sein. Im Gegenteil: Hartz IV hat wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge den Aufschwung am Arbeitsmarkt unterstützt.
Die Zahlen zeigen: Das bisherige System kann so schlecht nicht sein
Das solidarische Grundeinkommen käme deshalb zur Unzeit, weil Beschäftigungserfolge damit infrage stünden. Zwar ist die angedachte Wahlfreiheit für alle erwerbslosen Hartz-IV-Bezieher im Sinne eines neuen Rechts auf Arbeit auf den ersten Blick attraktiv. Doch könnten auch Personen das solidarische Grundeinkommen wählen, die sehr wohl vom Beschäftigungsaufschwung am regulären Arbeitsmarkt profitieren können und nicht nur diejenigen in geförderte Beschäftigung kommen, die ansonsten keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Anreize, einen regulären Job aufzunehmen, sinken beträchtlich.

Verstärkt werden die Probleme des Vorschlags dadurch, dass der gemeinnützige Job nach den derzeitigen Überlegungen nicht befristet wäre. Daher würden bei Bezug des Grundeinkommens mögliche Alternativen einer nicht subventionierten Beschäftigung unter Umständen auch langfristig gar nicht mehr in Erwägung gezogen. Die betroffenen Personen wären in diesen Jobs regelrecht geparkt - und das in Zeiten, in denen Arbeitskräfte mehr denn je benötigt werden.
Zwar ist das dem Konzept innewohnende Grundprinzip der gesellschaftlichen Teilhabe durch Arbeit gut und richtig. Wir können aber nachweisen, dass öffentlich geförderte Beschäftigung sich auf arbeitsmarktferne Personen beschränken muss. Geschieht dies nicht, läuft man wie bei den früheren Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen Gefahr, die gewünschten arbeitsmarktpolitischen Effekte zu verfehlen und sogar ins Negative umzukehren.

Durch die Konzentration auf gemeinnützige Jobs in Vollzeit nimmt man der Gruppe, die von einer Teilhabe durch Arbeit und geförderte Beschäftigung profitieren können, die Möglichkeit, am solidarischen Grundeinkommen teilzuhaben. Diese Gruppe ist arbeitsmarktfern und eine vollzeitnahe Tätigkeit könnte überfordern. Zum Teil unterliegt diese Gruppe auch gesundheitlichen Einschränkungen, die einen Vollzeitjob unmöglich machen.

Mit dem Vorschlag des solidarischen Grundeinkommens wird ein als ungerecht empfundenes System infrage gestellt. Jetzt kann man natürlich lange und auch zurecht darüber streiten, wie hoch Leistungen für Menschen ausfallen sollten, die keine Arbeit finden und deren individuelle Ressourcen ausgeschöpft sind. Doch hier tut sich ein Zielkonflikt auf: Die Grundsicherung muss ein soziokulturelles Existenzminimum bieten. Es darf aber möglichen Übergängen in den ersten Arbeitsmarkt nicht im Wege stehen und mit dem dabei erzielbaren Erwerbseinkommen nicht zu sehr in Konflikt geraten. Eine Arbeitsaufnahme muss sich lohnen.

Hartz IV setzt darauf, dass Selbsthilfe und arbeitsmarktpolitische Hilfe Hand in Hand gehen sollen. Die Gesellschaft kann und darf für die von ihr gezeigte Solidarität erwarten, dass Individuen eigene Anstrengungen unternehmen, um ihre Notsituation zu beenden. Von daher ist es zumutbar, dass sie sich auf Stellen bewerben, Vorstellungsgespräche wahrnehmen, zu regelmäßigen Terminen im Jobcenter erscheinen und für angebotene Maßnahmen zur Verfügung stehen. Für ein wechselseitiges Vertrauen zwischen Arbeitslosen und Vermittlungsfachkräften braucht es aber selbstverständlich Augenmaß und Fingerspitzengefühl beim Einsatz von Sanktionen. In aller Regel ist dies gegeben: Befragungen von Vermittlern zeigen, dass diese Sanktionen nicht gerne und eher zurückhaltend einsetzen.

Die Arbeitsmarktreformen sind keinesfalls gescheitert. Aber es steht im Grundsicherungssystem auch nicht alles zum Besten. Es gibt einen klaren Weiterentwicklungsbedarf und es gibt Instrumente, die den aktuellen Herausforderungen besser gerecht werden und zielgerichteter Solidarität schaffen als das solidarische Grundeinkommen. Fünf Punkte sollte die neue Bundesregierung angehen:
Erstens muss es für die Menschen noch attraktiver werden, einen Job aufzunehmen, auch wenn dieser zunächst im Niedriglohnbereich liegt. Der gesetzliche Mindestlohn war ein richtiger Schritt in diese Richtung. Wir können aber noch mehr tun, um Arbeit zu belohnen. Zu denken ist hier an den Ausbau von Wohngeld und Kindergeldzuschlag genauso wie an niedrigere Steuern und Sozialabgaben für Geringverdiener. Auch könnten Erwerbstätige, die zusätzlich Hartz IV beziehen, bei steigender Stundenzahl mehr von ihrem Lohn behalten. Einen Beitrag zur Finanzierung kann der Abbau von Steuer- und Abgabenprivilegien bei Minijobs leisten, die einen Anreiz in die falsche Richtung setzen.

Zweitens sollte die aktuell gute Finanzsituation des Bundes dazu genutzt werden, um endlich den Jobcentern die notwendigen finanziellen Mittel für einen kleineren Betreuungsschlüssel zur Verfügung zu stellen, damit Langzeitarbeitslose gezielter, intensiver und ganzheitlicher beraten werden können. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Die Jobcenter waren in den letzten Jahren finanziell nicht ausreichend ausgestattet, um Arbeitslose intensiv zu betreuen und erforderliche Maßnahmen durchzuführen.

Drittens: Da dennoch nicht alle Hartz-IV-Empfänger sofort einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt finden werden - sei es aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen, fehlenden Qualifikationen oder schwierigen persönlichen Lebensumständen -, brauchen wir für diesen begrenzten Personenkreis einen sozialen Arbeitsmarkt. Es ist unbestritten, dass Arbeiten ein wichtiger Faktor ist für die soziale Teilhabe. Im Gegensatz zum solidarischen Grundeinkommen ist der soziale Arbeitsmarkt aber zielgerichtet für diejenigen zu reservieren, die in absehbarer Zeit keinen Job auf dem regulären Arbeitsmarkt finden können. Begleitet werden sollte die Einrichtung eines sozialen Arbeitsmarktes durch Coaches, die auf die individuelle Situation der Langzeitarbeitslosen eingehen können und gemeinsam mit ihnen an der sozialen Stabilisierung und Heranführung an reguläre Beschäftigung arbeiten.

Die Bekämpfung von Bildungsarmut muss im Vordergrund stehen
Viertens: Ein wichtiger zusätzlicher Faktor für mehr gesellschaftliche Solidarität ist der Ausbau der sozialen Infrastruktur. Hier gibt es viele Ansatzpunkte, Gerechtigkeit voranzubringen und Personen mit niedrigem Einkommen besserzustellen: beispielsweise durch bezahlbaren Wohnraum, günstige Betreuungs- und Pflegeangebote sowie stark ermäßigte öffentliche Verkehrsmittel. Mehr kostenlose Bildungs-, Sport und Freizeitangebote können zusätzlich dazu beitragen, dass Personen Kontakte knüpfen können und sogar ein funktionierendes Netzwerk etablieren können, das sie mitunter auch bei einem beruflichen Neustart unterstützen kann. All dies würde dazu beitragen, dass Menschen besser an der Gesellschaft teilhaben können und nicht abgekoppelt werden.

Fünftens und nicht zuletzt: Um den wachsenden Anforderungen des modernen Wirtschaftslebens auch künftig Rechnung tragen zu können, wird es noch mehr darauf ankommen, Prävention zu intensivieren und damit zu verhindern, dass Menschen ins Abseits geraten. Die Bekämpfung von Bildungsarmut steht dabei im Vordergrund. Insbesondere kommt es darauf an, Bildungsarmut möglichst schon im frühkindlichen Bereich zu verhindern. Folgeprobleme am Arbeitsmarkt könnten zudem vermieden werden, wenn im Erwerbsverlauf die Beschäftigungsfähigkeit durch lebenslanges Lernen erhalten wird. Das würde wiederum beim anderen Risikofaktor Gesundheit weiterhelfen. Denn so sind Personen, die eine körperlich oder mental stark belastende Tätigkeit nicht länger ausführen können, imstande, eine andere Tätigkeit aufzunehmen. Verantwortung beim Thema Prävention muss sowohl der Staat als auch Betriebe und jeder Einzelne übernehmen.
Mit all diesen Weiterentwicklungen kämen wir noch mal einen großen Schritt voran und könnten tatsächlich mehr Solidarität schaffen.
&&&&
Anzeige
Der Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Ulrich Walwei ist Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, der Forschungseinrichtung der Bundesanstalt für Arbeit.
 
Nein, ich kann lesen. UND rechnen. Gerade deshalb habe ich dich ja gefragt, wie das finanziert werden soll.
Weisst du also nicht? Bist aber für ein BGE 😕

Also eine leere Google Standard Seite erklärt dein Ansinnen leider nicht.
Man ist es hier in diesem thread allerdings auch gewohnt, dass immer der Schwanz eingezogen wird, sobald von der Finanzierung die Rede ist. Und die drei welche dir auf deinen letzten Beitrag gedankt haben, wissen leider genauso wenig.

Meine Rede ... es wird so heftig diskutiert um ein BGE, das in der Wirklichkeit noch mehr als Utopie ist.
Außerdem ist in Deutschland von der Politik noch von der Wirtschaft, noch von anderswo bisher auch nur angedacht, ein BGE noch ein solidarisches Grundeinkommen - wobei man sich den angeblich "neuen Vorschlag" von Müller mal richtig inhaltlich zu Gemüte führen sollte - einzuführen.
Hartz 4 braucht Reformen, das ist unbestritten.
 
Warum Hartz IV besser ist als das solidarische Grundeinkommen

Besonders die SPD liebäugelt mit der alternativen Versorgung für Langzeit-Arbeitslose. Dabei wäre eine solche Gesetzesänderung eine politische Bankrotterklärung.
Das bringt auch nichts.
Hartz IV hilft Menschen in Not, die nicht durch Arbeit auf den eigenen Beinen stehen können. Hier springt der Staat ein und verspricht Solidarität. Die aktuellen Überlegungen zu einem sogenannten solidarischen Grundeinkommen wollen erwerbslosen Hartz-IV-Empfängern ein Grundeinkommen im unteren Tariflohnbereich oder wenigstens auf Mindestlohnniveau ermöglichen, wenn sie bereit sind, eine gemeinnützige Tätigkeit auf Vollzeitbasis aufzunehmen. So hätten sie ein höheres Einkommen als bei Bezug von Hartz IV und wären unbefristet davon freigestellt, einen regulären Job zu suchen. Die Umsetzung dieses Plans käme einer arbeitsmarktpolitischen Bankrotterklärung gleich. Es würde das Prinzip der Solidarität auf den Kopf stellen. Dieses bedeutet eigentlich, dass der Staat das Versprechen gibt, alles zu tun, um Hilfebedürftige aus ihrer Notlage zu befreien. Im Gegenzug verspricht der Hilfebedürftige aber auch zu versuchen, bald wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

Hartz 4 muss endlich weg. Ich sehe da nur Nachteile... Das ist doch keine Solidarität.
Der Vorschlag eines solidarischen Grundeinkommens kommt zu einem denkbar unpassenden Zeitpunkt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte seit 2014 Jahr für Jahr um zusätzlich 600 000 bis 700 000 Personen zu. Wir erleben gerade einen Beschäftigungsaufschwung, der seinesgleichen sucht. 1,2 Millionen Stellen sind unbesetzt. Die Chancen auf einen Job standen schon lange nicht mehr so gut wie jetzt, und das gilt - wenngleich nicht im selben Maße - auch für Langzeitarbeitslose und Hartz-IV-Empfänger. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist zuletzt weiter zurückgegangen. Inzwischen sind noch rund 850 000 Personen länger als ein Jahr ohne Arbeit, 85 000 Personen weniger als im Vorjahr.

Oft scheint in Vergessenheit zu geraten, dass wir bei Einführung von Hartz IV 2005 mit 1,7 bis 1,8 Millionen etwa doppelt so viele Langzeitarbeitslose hatten. Auch die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger hat sich von knapp drei Millionen halbiert. Wenn sich Verbesserungen eines solchen Ausmaßes einstellen, können die Reformen so schlecht nicht gewesen sein. Im Gegenteil: Hartz IV hat wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge den Aufschwung am Arbeitsmarkt unterstützt.
Die Zahlen zeigen: Das bisherige System kann so schlecht nicht sein


Hast du schon mal etwas von einer gefakten Statistik gehört????🙄
Das solidarische Grundeinkommen käme deshalb zur Unzeit, weil Beschäftigungserfolge damit infrage stünden. Zwar ist die angedachte Wahlfreiheit für alle erwerbslosen Hartz-IV-Bezieher im Sinne eines neuen Rechts auf Arbeit auf den ersten Blick attraktiv. Doch könnten auch Personen das solidarische Grundeinkommen wählen, die sehr wohl vom Beschäftigungsaufschwung am regulären Arbeitsmarkt profitieren können und nicht nur diejenigen in geförderte Beschäftigung kommen, die ansonsten keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Anreize, einen regulären Job aufzunehmen, sinken beträchtlich.

Verstärkt werden die Probleme des Vorschlags dadurch, dass der gemeinnützige Job nach den derzeitigen Überlegungen nicht befristet wäre. Daher würden bei Bezug des Grundeinkommens mögliche Alternativen einer nicht subventionierten Beschäftigung unter Umständen auch langfristig gar nicht mehr in Erwägung gezogen. Die betroffenen Personen wären in diesen Jobs regelrecht geparkt - und das in Zeiten, in denen Arbeitskräfte mehr denn je benötigt werden.
Zwar ist das dem Konzept innewohnende Grundprinzip der gesellschaftlichen Teilhabe durch Arbeit gut und richtig. Wir können aber nachweisen, dass öffentlich geförderte Beschäftigung sich auf arbeitsmarktferne Personen beschränken muss. Geschieht dies nicht, läuft man wie bei den früheren Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen Gefahr, die gewünschten arbeitsmarktpolitischen Effekte zu verfehlen und sogar ins Negative umzukehren.

Durch die Konzentration auf gemeinnützige Jobs in Vollzeit nimmt man der Gruppe, die von einer Teilhabe durch Arbeit und geförderte Beschäftigung profitieren können, die Möglichkeit, am solidarischen Grundeinkommen teilzuhaben. Diese Gruppe ist arbeitsmarktfern und eine vollzeitnahe Tätigkeit könnte überfordern. Zum Teil unterliegt diese Gruppe auch gesundheitlichen Einschränkungen, die einen Vollzeitjob unmöglich machen.

Mit dem Vorschlag des solidarischen Grundeinkommens wird ein als ungerecht empfundenes System infrage gestellt. Jetzt kann man natürlich lange und auch zurecht darüber streiten, wie hoch Leistungen für Menschen ausfallen sollten, die keine Arbeit finden und deren individuelle Ressourcen ausgeschöpft sind. Doch hier tut sich ein Zielkonflikt auf: Die Grundsicherung muss ein soziokulturelles Existenzminimum bieten. Es darf aber möglichen Übergängen in den ersten Arbeitsmarkt nicht im Wege stehen und mit dem dabei erzielbaren Erwerbseinkommen nicht zu sehr in Konflikt geraten. Eine Arbeitsaufnahme muss sich lohnen.

Hartz IV setzt darauf, dass Selbsthilfe und arbeitsmarktpolitische Hilfe Hand in Hand gehen sollen. Die Gesellschaft kann und darf für die von ihr gezeigte Solidarität erwarten, dass Individuen eigene Anstrengungen unternehmen, um ihre Notsituation zu beenden. Von daher ist es zumutbar, dass sie sich auf Stellen bewerben, Vorstellungsgespräche wahrnehmen, zu regelmäßigen Terminen im Jobcenter erscheinen und für angebotene Maßnahmen zur Verfügung stehen. Für ein wechselseitiges Vertrauen zwischen Arbeitslosen und Vermittlungsfachkräften braucht es aber selbstverständlich Augenmaß und Fingerspitzengefühl beim Einsatz von Sanktionen. In aller Regel ist dies gegeben: Befragungen von Vermittlern zeigen, dass diese Sanktionen nicht gerne und eher zurückhaltend einsetzen.

Die Arbeitsmarktreformen sind keinesfalls gescheitert. Aber es steht im Grundsicherungssystem auch nicht alles zum Besten. Es gibt einen klaren Weiterentwicklungsbedarf und es gibt Instrumente, die den aktuellen Herausforderungen besser gerecht werden und zielgerichteter Solidarität schaffen als das solidarische Grundeinkommen. Fünf Punkte sollte die neue Bundesregierung angehen:
Erstens muss es für die Menschen noch attraktiver werden, einen Job aufzunehmen, auch wenn dieser zunächst im Niedriglohnbereich liegt. Der gesetzliche Mindestlohn war ein richtiger Schritt in diese Richtung. Wir können aber noch mehr tun, um Arbeit zu belohnen. Zu denken ist hier an den Ausbau von Wohngeld und Kindergeldzuschlag genauso wie an niedrigere Steuern und Sozialabgaben für Geringverdiener. Auch könnten Erwerbstätige, die zusätzlich Hartz IV beziehen, bei steigender Stundenzahl mehr von ihrem Lohn behalten. Einen Beitrag zur Finanzierung kann der Abbau von Steuer- und Abgabenprivilegien bei Minijobs leisten, die einen Anreiz in die falsche Richtung setzen.

Zweitens sollte die aktuell gute Finanzsituation des Bundes dazu genutzt werden, um endlich den Jobcentern die notwendigen finanziellen Mittel für einen kleineren Betreuungsschlüssel zur Verfügung zu stellen, damit Langzeitarbeitslose gezielter, intensiver und ganzheitlicher beraten werden können. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Die Jobcenter waren in den letzten Jahren finanziell nicht ausreichend ausgestattet, um Arbeitslose intensiv zu betreuen und erforderliche Maßnahmen durchzuführen.

Drittens: Da dennoch nicht alle Hartz-IV-Empfänger sofort einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt finden werden - sei es aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen, fehlenden Qualifikationen oder schwierigen persönlichen Lebensumständen -, brauchen wir für diesen begrenzten Personenkreis einen sozialen Arbeitsmarkt. Es ist unbestritten, dass Arbeiten ein wichtiger Faktor ist für die soziale Teilhabe. Im Gegensatz zum solidarischen Grundeinkommen ist der soziale Arbeitsmarkt aber zielgerichtet für diejenigen zu reservieren, die in absehbarer Zeit keinen Job auf dem regulären Arbeitsmarkt finden können. Begleitet werden sollte die Einrichtung eines sozialen Arbeitsmarktes durch Coaches, die auf die individuelle Situation der Langzeitarbeitslosen eingehen können und gemeinsam mit ihnen an der sozialen Stabilisierung und Heranführung an reguläre Beschäftigung arbeiten.

Die Bekämpfung von Bildungsarmut muss im Vordergrund stehen
Viertens: Ein wichtiger zusätzlicher Faktor für mehr gesellschaftliche Solidarität ist der Ausbau der sozialen Infrastruktur. Hier gibt es viele Ansatzpunkte, Gerechtigkeit voranzubringen und Personen mit niedrigem Einkommen besserzustellen: beispielsweise durch bezahlbaren Wohnraum, günstige Betreuungs- und Pflegeangebote sowie stark ermäßigte öffentliche Verkehrsmittel. Mehr kostenlose Bildungs-, Sport und Freizeitangebote können zusätzlich dazu beitragen, dass Personen Kontakte knüpfen können und sogar ein funktionierendes Netzwerk etablieren können, das sie mitunter auch bei einem beruflichen Neustart unterstützen kann. All dies würde dazu beitragen, dass Menschen besser an der Gesellschaft teilhaben können und nicht abgekoppelt werden.

Fünftens und nicht zuletzt: Um den wachsenden Anforderungen des modernen Wirtschaftslebens auch künftig Rechnung tragen zu können, wird es noch mehr darauf ankommen, Prävention zu intensivieren und damit zu verhindern, dass Menschen ins Abseits geraten. Die Bekämpfung von Bildungsarmut steht dabei im Vordergrund. Insbesondere kommt es darauf an, Bildungsarmut möglichst schon im frühkindlichen Bereich zu verhindern. Folgeprobleme am Arbeitsmarkt könnten zudem vermieden werden, wenn im Erwerbsverlauf die Beschäftigungsfähigkeit durch lebenslanges Lernen erhalten wird. Das würde wiederum beim anderen Risikofaktor Gesundheit weiterhelfen. Denn so sind Personen, die eine körperlich oder mental stark belastende Tätigkeit nicht länger ausführen können, imstande, eine andere Tätigkeit aufzunehmen. Verantwortung beim Thema Prävention muss sowohl der Staat als auch Betriebe und jeder Einzelne übernehmen.
Mit all diesen Weiterentwicklungen kämen wir noch mal einen großen Schritt voran und könnten tatsächlich mehr Solidarität schaffen.
&&&&
Anzeige
Der Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Ulrich Walwei ist Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, der Forschungseinrichtung der Bundesanstalt für Arbeit.


Beides macht kein Sinn. Wir brauchen ein BGE.
 
Ach, deshalb hat kein Land ein BGE wirklich umgesetzt. Die möchten alle nicht wachsen und wirtschaftlich stabil sein. 😀

Du verwechselt leider wieder die Begrifflichkeiten.
Ein "Land" ist ein abstrakter Begriff, du müsstest vielmehr sagen... die Regierung oder die Politik.
Beides sind Institutionen, die gut am wildwuchernden Kapitalismus und Lobbyismus verdienen.

Man kann es auch anders sagen:
Sie verdienen am Einkommensgefälle im Land, am Billiglohn, am Leid der Menschen.

Und schon bei Adenauers Rentenlüge 1957 haben verantwortungsvolle Politiker vor den Folgen gewarnt.
Nur als ein Beispiel von vielen.

Aber ich dachte jetzt wirklich, dir könnte es gelingen außer rhetorischen Plattitüden mal ein ernsthaftes Argument zu bringen. 🙂

Regierungen betreiben Lobbyismus und vertreten nicht unbedingt das Wohl des einzelnen Bürgers.
Heute mehr denn je, die Interessen der Reichen. Das kann dir jeder Volkswirtschaftler sagen...
Außer vielleicht ein Prof. Sinn... der behauptet, dass nicht jeder Mensch Steuern bezahlen würde.

Und schau doch wie ein Herr Spahn sozialisiert wurde...
Er durchlief die Katholische Erziehung, volles Programm, und wurde er deshalb Prediger der Nächstenliebe und soziale Gerechtigkeit?

Wer hätte denn mehr Einkommen?
Glaubst du allen ernstes, der Angestellte im Kiosk, um die Ecke, könnte 14 Euro Stundenlohn aushandeln nur weil der Besitzer Druck verspürt, es könnten ihm die Arbeitnehmer weglaufen aufgrund dem Druckmittel "BGE - alles kann, nichts muss"! ?
Der Angestellte macht selbst einen Kiosk auf!? 🙂

Also erst einmal hätte der Angestellte im Kiosk, dem BGE sei Dank, doch seinen kompletten, wenn auch bescheidenen Lebensunterhalt mit der Daseinsvorsorge Wohnung und Krankenversicherung, usw.
Darüber hinaus hätte er den Lohn im Kiosk zur freien Verfügung...

Das müssten doch keine 14€ sein.
Der Markt würde das selbst regeln.
Aber vielleicht lohnen sich dann andere Geschäftsmodelle, die das System Kiosk, verändern, modernisieren.

Das ist Wunschdenken in Reinform.
Ich spreche da lieber von Intelligenz.
Die Menschheit wurde dem Tier nicht überlegen, weil es alles so ließ, wie es vorgefunden wurde.

Tja... Wenn ich so negativ denken würde, wie du es ausdrückst, dann sagte ich:
„Der Nachteil der Intelligenz besteht allerdings darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen!“

Intelligenz bedeutet für mich jedenfalls nicht, zu glauben, dass das jetzige System noch zu halten sei.
Wenn ein Hochtechnologieland mit massivem Exportüberschuss Suppenküchen und Tafeln als ständige Einrichtungen braucht, sie sogar als festen Bestandteil der Daseinsvorsorge braucht, dann muss ich nicht einmal besonders intelligent oder visionär sein, um Parallelen zur Weltwirtschaftskrise zu erkennen!

Auf der einen Seite willst du uns erklären ein BGE würde die Wirtschaft stärken.

Sorry, ich sprach von der Wirtschaft nur eingeschränkt, ich sprach von der Volkswirtschaft!
Wenn es Hoeneß und anderen sehr gut geht, wenn Reiche immer reicher werden... Geht es dann jedem oder Dir gut?

Auf der anderen Seite stehen dann Unternehmen die weit über dem Mindestlohn Leute beschäftigen müssten. Und das bezieht sich ja leider nicht nur auf die unterste Lohnebene.
Die ja von weitgehend von den Lohnnebenkosten befreit wären...
Schon vergessen?
(Der DM Chef möchte sie ja auch weitgehend von den Steuern entlasten, doch das ist ein anderes Thema.)

Das würde sich wie ein roter Faden bis zur Geschäftsführungsebene hochziehen. Und das in nahezu jeder Firma. Denn das Gehaltsgefüge müsste ja bestehen bleiben.

Das Gehaltsgefüge müsste bestehen bleiben?
Warum?
Sie bekommen doch auch das BGE und der Lohnabstand Niedriglohn zu Spitzenlohn, das kann niemand bestreiten, ist doch extrem ungerecht auseinander gedriftet.

Bei der Berechnung von Lohnstückkosten könnte man den Arbeitskraftwertezuwachs ganz einfach berechnen, du würdest dich wundern, welcher Wildwuchs da zutage treten würde.
Während nach unten gedrückt wurde, wird nach oben kräftig und schamlos hochgereicht.
Daran sind die Hartz-Gesetze nicht unschuldig!


Und das locker dreifache an Personalkosten würde dann die Wirtschaft stärken?
Lachhaft.

Verstehe ich nicht... Erkläre mal bitte.
Ich denke, dass Löhne (Brutto) sinken würden, Kaufkraft des Lohnes jedoch gesteigert würde.
Und wieso das Dreifache?

Schau doch erst einmal, wer was im Betrieb oder Konzern verdient.
Woher kommt denn dann das im Ausland geparkte Schwarzgeld in Höhe unseres Bundeshaushaltes?
Von den Mindestlöhnern?

Das einzige was du damit erreichen würdest ist die Tatsache, dass deutsche Produkte für In- und Weltmarkt NOCH teurer werden würden.

Auch die Logik verstehe ich nicht!
Wenn Lohnstückkosten niedriger werden, verkaufe ich dann teurer?


Schneller kann man sich selbst wirtschaftlich nicht ins Abseits schieben. Herzlichen Glückwunsch!!

Was verstehst du denn unter „Wirtschaft“?
Da wo es Bier gibt?

Ich spreche von Volkswirtschaft und da müsste man nur Vergangenes schauen, um nicht die gleichen Fehler zu begehen.
Weißt du PC, für mich bedeutet „Wirtschaft“ auch nicht, dass der Reiche auf Kosten der Armen und hart arbeitenden Bevölkerung in den unteren Lohngruppen, immer reicher wird.
Das ist gewissermaßen Raub und völlig unethisch.

Aber wir hatten diese Form der Diskussion doch schon einmal, als es um den Mindestlohn ging... 🙄
Man fürchtete, dass Deutschland in die Steinzeit, unter völliger Verarmung der Reichen, unter völligem Chaos des Lohngefüges zu leiden hätte.
Und was ist?
Die Reichen werden wegen der Minimalbesteuerung immer noch reicher, die Armen verdienen ihnen das Geld und zahlen noch mehr Steuern, (Immer Mehr Rentner zahlen Steuern) verlieren bisweilen sogar Sozialgelder.

Meinst du wirklich, es wäre ethisch und moralisch noch vertretbar (zumal unser Grundgesetz das sogar verbietet), dass man das Lohngefüge immer mehr spreizt und immer mehr bedenkenlos in den Mindestlohn abrutscht?

Nicht rechtzeitig vorsorgt, wenn Nähmaschinen, Webstühle und Förderungstechnik längst abgewandert sind und Hochtechnologie ebenfalls flüchtet?
Ich kenne als wirksames Mittel nur die Einführung des BGE und nicht das Geschwafel von immer neuen Wachstumsversprechen.

Unsere Volkswirtschaft läuft zunehmend auf Pump!
Die Menschen verschulden sich,
das Geld wird nicht reinvestiert,
Reiche lassen das Geld flüchten,
Generationen, bevor sie überhaupt geboren werden, werden hoch verschuldet!

Ein BGE würde wie ein Herzbypass des Geldes (der Volkswirtschaft) funktionieren.
Aber in deinen Augen ist ja alles easy und toll...

 
Nein, ich kann lesen. UND rechnen. Gerade deshalb habe ich dich ja gefragt, wie das finanziert werden soll.
Weisst du also nicht? Bist aber für ein BGE 😕

Also eine leere Google Standard Seite erklärt dein Ansinnen leider nicht.
Man ist es hier in diesem thread allerdings auch gewohnt, dass immer der Schwanz eingezogen wird, sobald von der Finanzierung die Rede ist. Und die drei welche dir auf deinen letzten Beitrag gedankt haben, wissen leider genauso wenig.

Ist das wirklich dein Ernst? Schreiben kannst du ja scheinbar aber bei Google "Finanzierung BGE" eingeben ist für dich zu viel? Ich bin doch nicht hier um dir den Sabberlatz umzubinden und dir alles vorzukauen.

Würden alle Experten einheitlich sagen, dass es nicht finanzierbar ist, was nach deiner Expertise ja absolut klar ist, würde das Thema wohl kaum so lange existieren und immer noch so diskutiert werden.
 
Wer ist denn wir?

Politik und Wirtschaft sehen das bisher ganz anders. Verfechter des BGE natürlich anders ... Bloß, die werden es nicht auf den Weg bringen können.


Natürlich sehen sie das so. Weil sie weiterhin Lohndumping machen können. Die Digitalisierung wird auch von vielen falsch eingeschätzt.
 
Natürlich sehen sie das so. Weil sie weiterhin Lohndumping machen können. Die Digitalisierung wird auch von vielen falsch eingeschätzt.

Verwunderlich für mich, dass es dann an den "notwendigen" Stellen niemanden gibt, der diese von so vielen selbsternannten Experten vieldiskutierten Erkenntnisse sozusagen zum Umsetzen bringt ...
 
Verwunderlich für mich, dass es dann an den "notwendigen" Stellen niemanden gibt, der diese von so vielen selbsternannten Experten vieldiskutierten Erkenntnisse sozusagen zum Umsetzen bringt ...

Die brauchen ja auch politische Unterstützung. Wenn die alle schlafen, was sollen die denn groß machen außer überzeugen?
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
Esox Ergebnis zu einer Studie zu einem Grundeinkommen Gesellschaft 41

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben