Hallo Socrata!
Ich glaube auch nicht, dass es einen vollkommenen Menschen gibt, der immer 100 %ig nach der Vernunft lebt. Aber deshalb sollte man sich doch dennoch an diesem Ideal ausrichten. Es kommt mehr auf den Versuch als auch das Ergebnis an!
Ohne Vernunft und Moral sind wir nicht viel anders als intelligente Tiere. Amoralische Hedonisten haben wir schon genug.
Hallo Manuel,
ich will mich gar nicht pauschal gegen Ideale ausprechen, aber jedes Ideal muss, bzw. sollte Grenzen haben. Oder anders gesagt, mein höchstes Ideal ist es eher ein Ideal zu opfern, bevor Menschen für Ideale geopfert werden. Vielleicht haben wir auch einfach eine unterschiedliche Vorstellung von dem Begriff "Moral". Moral ist für mich etwas künstliches, ein Produkt einer Gesellschaft, die sich darauf verständigt hat, aber wenn diese Moral anfängt Menschen zu opfern, dann verstößt jene für mich gegen einen (ich kann es nicht besser ausdrücken) angeborenen Ethos, der nicht von Außen aufgezwungen wurde. Moral kann das Gewissen töten.
Um das Beispiel aufzugreifen, ich lüge nicht, weil ich es nicht muss, weil ich selbst nicht belogen werden möchte und das kein Vertrauen schafft. Ich/Wir leben hier aber in der privilegierten Situation, dass unsere Ehrlichkeit keine Menschenleben fordert, wie es in Diktaturen vielleicht der Fall wäre. Mit einer Lüge verstößt du dort dann zwar gegen die Moral der Gesellschaft, aber dieser Verstoß hat Menschenleben gerettet. Was wiegt nun mehr, die Moral oder das Menschenleben? Ich denke letzteres.
Oder um ein Beispiel aufzugreifen, das ich letztens erzählt bekommen habe. Es ging darum, dass eine Mutter im Supermarkt Babybrei geklaut hat und die Frage war, ob man das melden solle oder nicht. Im Sinne der Moral ganz einfach zu beantworten. Die Mutter hat gestohlen, gegen geschriebene Gesetze und einen ungeschriebenen Moralkodex verstoßen. Man kann sie melden und mit dem guten Gefühl nach Hause gehen, etwas moralisches getan zu haben und mitgeholfen zu haben, dass ein Moral/Gesetzesverstoß geahndet wurde.
Tja, was nun aber wenn die Mutter arbeitslos ist, sanktioniert wurde, verzweifelt war, weil sie sich kein Essen für ihr Kind kaufen konnte? Jetzt hat sie zusätzlich noch eine Anzeige, muss vlt Strafe zahlen, obwohl sie kein Geld hat und hat immer noch kein Essen für ihr Kind.
Ist dann immer noch ein gutes Gefühl da, weil man die Moral bewahrt hat?
Abstrakte in sich selbst gefangene Moral, abgeschnitten von konketreten Situationen und Lebensumständen find ich nicht schwer, manchmal ist der Konflikt zwischen Moral und Gewissen viel schwerer.
Edit: In der Geschichte und auch heute gibt es unzählige Beispiele, in denen Moral nützlich für Kollektive war, auf Kosten unzähliger Individuen.