digitus
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Und wenn der Partner ein gewissenhafter und verantwortungsbewusster Typ ist, wird er dran zugrunde gehen, denn er hat ein Versprechen abgegeben bei der Eheschließung. Soll ja Menschen geben, die ihre Versprechungen halten, bis...
Ich denke in der Tat, dass das der Grund für das gegenseitige Unverständnis hier ist. Nur wenn man die Ehe wirklich als unauflöslich, einmalig und endgültig begreift macht so was wie eheliche Pflichten und die daran gekoppelten Schuildfragen überhaupt erst Sinn - weil sich zu trennen dann eben keine Alternative ist. Sieht man die Ehe dagegen bloß als einen rein symbolischen Akt deren echter Gehalt bloß im trade-off zwischen Steuervorteilen vs. allfälliger per Scheidung abrufbaren Unterhaltverpflichtungen besteht und im Eheversprechen bloß eine rituelle Fromel ohne Verbindlichkeit, dann stellt sich die Sache natürlich ganz anders dar.
Es ist keine Frage, dass die Mehrheitsmeinung mittlerweile zu letzterer Interpretation neigt und deswegen zu denselben Konsequenzen rät wie sie bei einer nicht-ehelichen Partnerschaft angezeigt und vernünftig wären - nämlich der Trennung.
Ich denke, dass diese grundsätzliche Auffassungsunterschied über das Wesen der Ehe der wahre Grund für die hier zu tage tretenden unüberbrückbaren Meinungsdifferenzen und das gegenseitige Unverständnis ist.
Meine persönliche Auffassung dabei ist, dass ich die Ehe für einen Anachronismus halte, da sie zum einen wirtschaftlich obsolet geworden ist und zum anderen heute das gesellschaftliche und religiös unterfütterte Wertegerüst und der soziale Druck fehlen, der für das Funktionieren eines unnatürlichen Konzepts wie der lebenslangen Monogamie auf breite Front eine unabdingbare Voraussetztung ist.
Desungeachtet bin ich der Ansicht, dass man, gerade weil heute niemand mehr gezwungen ist zu heiraten, wenn man sich dennoch dazu verpflichtet, man die Verpflichtung auch ernstzunehmen und sich entsprechend zu verhalten hat solange der andere Partner es auch tut und solange nicht einvernehmlich etwas anderes vereinbart wurde. Und das schließt nunmal mit ein, dass man sich u.a. ggf. trotz eigener Lust sexuellen Kontakten mit dritten zu enthalten und ggf. trotz eigener Unlust die sexuellen Bedürfnisse des Ehepartners zu erfüllen hat - denn dass man, wenn man sich zu einem unnatürlichem "Projekt" wie einer lebenslangen momogamen Partnerschaft entschließt, man auch öfter gegen seine natürlichen Impulse handeln wird müssen liegt ja in der Natur der Sache und sollte beiden Seiten bei Eheschließung klar sein, denn so naiv kann ja keiner sein, zu glauben, dass man nie zu einem Seitensprung versucht wäre oder immer Lust auf den Ehepartner hätte. Um es provokant auszudrücken: Ehe ist, wenn mans trotzdem macht ... 😉
Ob man sich das "antun" will oder gar sollte steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Aber dann sollte man eben von vornherein nicht heiraten. Eine vernüftige alternative Lösung wäre vermutlich, wenn man die Zivilehe von vornherein als Partnerschaft auf Zeit anlegt, ohne gegenseitige Verpflichtungen die jederzeit ohne Rechtsfolgen zu kündigen ist und man das "... bis das der Tod Euch scheidet" inkl. der dann notwenigen Regeln für des eheliche Zusammenleben den jeweiligen Religionsgemeinschaften anheimstellt.
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