Die meisten Menschen sind mir zu materiell, zu hohl und zu verletzend. Je älter ich werde, desto mehr frustriert mich dieser Umstand selbst. Viele Vorgesetzt halte ich für unfähig, ich halte mich für viel intelligenter als die meisten Menschen und verstehe oft nicht, warum man so miteinander umgeht. (...) Mich haben auch viele Menschen verletzt, mein Vater, meine Schulkameraden usw. ich habe mich niemals irgendwie zuhause gefühlt und mich plagt innere Unruhe.
Kann ich voll und ganz unterschreiben. Wobei bei mir das Studium eine Phase war, in der ich mich zum ersten und wahrscheinlich letzten Mal besser gefühlt habe - weit weg von Vater und Familie gab es im eher kleinen Studiengang einige doch herzliche, interessierte, gute Menschen. Ob es richtige Freunde waren, bezweifle ich mittlerweile auch, da die Kommunikation irgendwann recht einseitig wurde. Warum? Ich verstehe es nicht, aber bei vielen herrscht wohl eine "aus den Augen aus dem Sinn"-Mentalität vor. Ich würde jedoch nicht das Menschsein an sich verurteilen, es gibt ja durchaus gütige, sensible, treue Menschen mit Humor, Rückgrat, Hirn. Leider verblödet und verroht die große Masse immer mehr und die anderen werden wohl nicht nur gefühlt seltener.
Dazu hatte und habe ich selten das Glück, mit eben jenen anderen Menschen in Kontakt zu kommen oder gar Freundschaften aufzubauen. Ich denke zudem, dass unsere Wirtschaftsordnung viel mit dieser Problematik zu tun hat: In einer neoliberalen Welt setzen sich insbesondere egogetriebene Selbstdarsteller durch, die immer mehr Posten besetzen und ähnliche Gestalten fördern. Die ruhigen, sozial denkenden, solidarischen Menschen können noch so kompetent und fähig sein - sie haben in dieser Arbeitswelt immer weniger Chancen. Es ist mittlerweile alles in den Kampfmodus umgestellt, schon Schüler und Studierende konkurrieren untereinander. Völlig krank und zudem ziemlich dämlich, aber das ist das, was bestimmte "Leistungsträger" unter Leistung verstehen und vorgeben. Wenn ich die Gesellschaft insgesamt so betrachte, würde ich schon sagen, dass in den Köpfen vieler Menschen Notstandsgebiet herrscht. Oder, anders gesagt: Es fällt mir als Mensch, der recht sensibel ist, bestimmte Werte vertritt, Vorstellungen von menschlichem Umgang untereinander hegt und dazu noch sehr an den Dingen, der Welt an sich und nicht nur kleinen Fachidiotenwelten interessiert ist, heute extrem schwer, den Glauben an die Menschheit nicht zu verlieren.