Aus akademischer Perspektive kann ich die Kritik sehr gut nachvollziehen. Es kann nicht sein, dass manche Stände mit fragwürdigen Methoden einen Dr.-Titel bekommen. Das ist nicht i.O. und dort gibt es keine zwei Meinungen: Der Titel muss weg!
Aber was hat das mit dem Politiker zu Guttenberg zu tun?
Wenn man die Messlatte moralisch so hoch anlegen will, welcher FDP-Minister hätte es dann verdient, Minister zu bleiben? Westerwelle gibt Seminare, wie man Mitarbeiter aus der Gewerkschaft rauswerfen kann. Hierbei werden schon zum Teil grenzwertige Methoden gezeigt, die in einer rechtlichen Grauzone stattfinden. Wie die Hoteliers und anderen Lobbygruppen zeigen, ist Westerwelle auch käuflich. Aber wer gibt den Regierungsauftrag? Eigentlich doch die Wähler und nicht die Lobbygruppe, die am lautesten schreit?
Herr Rösler ist Artz - damit ist er eigentlich bereits im voraus disqualifiziert für das Amt des Gesundheitsminister. Die Lobby stellt die Minister? Wo soll das hinführen? Übrigens haben die Ärtze und Apothekenverbände immer Stände bei den Parteitagen der FDP...
Oder Herr Niebel, der andauernd in diverse Länder sogennante "Dienstreisen" macht. Vor der Wahl wollte er das Amt noch abschaffen, aber wenn er selbst auf Staatskosten reisen kann, darf das Amt gerne bleiben.
Herr Schäuble - der Verwalter der CDU-Spendengelder.
Herr Wulff, der für die 2. Klasse zahlt und seine Position ausnutzt um first class für lau zu fliegen.
Zu Guttenberg ist doch nun auch für den dt. Michel keine Ausnahmen mehr und findet seinen richtigen Platz im schmutzigen Geschäft der Politik.
Sicherlich muss er den Dr.Titel streichen.
Aber ansonsten erfüllt er doch das Profil des modernen Politikers. Er hat doch alle Schlüsselqualifikation, die er für seinen Beruf braucht? Gesellschaftlich wünschenswert wären andere Eigenschaften, aber die hat niemand, der aktiv Politik macht. In der Politik zählen andere Schlüsselqualifikation. Eine Portion Eigennutz, etwas Arroganz und eine gewissen Unberechenbarkeit sind dort schon ganz brauchbar - nur so kommt man voran.
Man darf so lange vorankommen, bis Mutti Angst um ihren Posten hat. Dann gibt es entweder eins auf den Deckel, oder man wird zurückgetreten, oder man wird EU-Kommissar oder Bundespräsident. Bei Oettinger war es der Posten des EU-Kommissar. Koch wurde zurückgetreten. Wulff wurde Bundespräsident und zu Guttenberg bekommt eins auf den Deckel. So ist das nunmal in der CDU - business as usual.
Warum sollte zu Guttenberg weg? Sein Glanz ist abgebröckelt, er ist jetzt nicht mehr viel besser als Westerwelle, aber auch nicht viel schlechter. Die beiden spielen jetzt in einer Liga. Wenn Westerwelle bleibt, dann kann auch zu Guttenberg bleiben. Nun ist zu Guttenberg dort, wo seine FDP-Kollegen auch sind - er ist angekommen. Endlich ist seine Sonderstellung beendet, nun kann er sich mit Westerwelle und den anderen im Dreck suhlen. ;-)