Wer schwer krank ist oder vollkommen fertig mit der Welt - der soll sich ruhig bei Gott ausruhen und sich verwöhnen lassen. Wer aber über ein größeres Handlungspotential verfügt, der sollte schon etwas dafür tun, dass Gott sich ihm wohlwollend zuwendet. Würdest Du jeden Menschen mit Glück überhäufen, wenn Du es könntest?
Das sehe ich etwas anders.
Jeder darf sich bei Gott ausruhen und bei ihm Kraft schöpfen - nicht erst, wenn er krank und fertig mit der Welt ist. Richtig ist natürlich, dass man nicht nur "den lieben Gott einen guten Mann sein lassen" sollte, wie es so schön heißt. Gott hat uns Talente geschenkt, damit wir sie zum Wohle anderer einsetzen und etwas daraus machen. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott". Aber dennoch kann man sich Gottes Liebe und Zuwendung durch noch so viel Wohlverhalten nicht "verdienen". Sie ist ein Geschenk, oftmals auch ein unverdientes.
Man kann sich bemühen, bemühen und noch mal bemühen, bis zur Erschöpfung - und dennoch den Eindruck haben, dass Gott dies nicht sieht und keine "Belohnung" von ihm kommt. Es ist sehr schwer, dann nicht zu hadern und nicht zu verzweifeln, noch dazu, wenn man mit ansehen muss, dass Menschen, die einen feuchten Kehricht um Gott und seine Gebote geben, scheinbar mehr Glück im Leben haben als man selbst. Das kenne ich bestens aus eigener Erfahrung.
Ich denke, das ist auch das Hauptproblem, das Bambieaugen im Moment mit Gott hat. Dafür gibt es auch keine Patentlösung. Höchstens, dass man Gott vertraut, auch wenn man ihn nicht versteht. Und dass man das Glück hat, wenigstens Phasen zu erleben, in denen man Gottes Nähe spürt, vielleicht auch und gerade im Leid.
Es ist für jeden schwierig, an einen gütigen Gott zu glauben, wenn man über sehr lange Zeit in seinem eigenen Leben keine Anzeichen dafür erkennen kann. Manche Menschen haben auch einfach feinere Antennen für diese Anzeichen als andere. Gott ist einfach rätselhaft. Aber gerade dadurch auch spannend.
🙂
Am sinnvollsten halte ich folgende Definition des Bösen: es ist der Mangel an Gutem.
Wenn es das Böse nicht gäbe, sondern nur das Gute, könnte man das Gute nicht als gut erkennen.