hallo liebe(s) 🙂 glashaus!
dein beitrag ist lange her und auch dein letztes post schon einige monate. ich bin erst vor kurzem auf das thema hier im internet gestoßen und hoffe sehr, dass du das liest. (werde dir auch eine pn schreiben, sobald das von meinem konto hier im forum möglich ist)
erstens mag ich zur sicherheit anmerken: ich nenne ungewollten sex, wenn auch geäußert wurde dass er nicht gewollt wird, hier mal der einfachheit halber vergewaltigung. moralisch ist es das für mich nämlich - auch wenn das gesetz hier differenziert.
ich kann dir wahrscheinlich nicht viel weiterhelfen, aber dir zumindest sagen, dass du nicht alleine bist. obwohl ich davon ausgehe, dass es sehr viele vergewaltigungen in beziehungen gibt, in denen die vergewaltigten sich nicht besonders vehement wehren, habe ich lange im netz gesucht, um irgendwas mehr oder weniger hilfreiches dazu zu finden. und bin dann auf deinen beitrag hier gestoßen.
obwohl die situation bei dir und mir verschieden war, gibt es doch einige parallelen. vielleicht ist mein "fall" noch viel irritierender... also mein verhalten. du fragst dich, warum du mit dem täter noch geschlafen hast, nachdem die sache passiert ist. ich frage mich, warum ich mit dem täter seit jahren in einer beziehung lebe, nachdem das passiert ist. ich scheue mich sehr davor, über all das zu sprechen, weil ich befürchte, verurteilt zu werden. ich verurteile mich ja auch selbst dafür...
ich hatte ein paar wochen lang eine affäre mit einem mann (ich nenn ihn mal max), der noch in einer (kurzen, lockeren) beziehung war. schon allein das ist untypisch für mich, ich bin für klare verhältnisse. damals habe ich mich eine zeit lang nicht entsprechend meiner wertvorstellungen verhalten. in dieser zeit ist "es" passiert.
wir kannten uns etwa 3 monate lang, waren wenige wochen in der "affäre". wir waren bei ihm zuhause, und haben gras geraucht. ich habe in meinem leben einige jahre lang sehr selten hin und wieder marihuana konsumiert - vielleicht alle paar monate mal (habe in meinem gesamten leben vielleicht 10 mal was geraucht.). ich hatte nur erfahrung mit joints, dh marihuana mit tabak gemischt. in der besagten situation hatte max ein pfeifchen, wo das gras pur geraucht wird. zuerst haben wir gelacht, es lief gute musik, wir hatten einfach spaß. es dauerte aber nur etwa eine halbe stunde und wenige züge aus dem pfeifchen und ich bin "abgestürzt". ich hatte zuviel erwischt, weil ich das "pur rauchen" nicht richtig abgeschätzt hatte. außerdem dürfte das marihuana von einer sehr dämpfenden qualität gewesen sein. mir war unglaublich schwindelig, mir war übel (ich musste mich aber nicht übergeben) und ich war mehr als "stoned". ich fühlte mich ängstlich (aber nicht panisch) und ganz schrecklich unwohl, alles war surreal. ich konnte mich kaum bewegen, mein körper war schwer wie stein, ich konnte kaum sprechen weil meine zunge so schwer war. ich wollte nur noch schlafen - also meinen rausch ausschlafen. diejenigen die marihuana schon mal konsumiert haben, kennen die dinge die ich beschreibe wahrscheinlich - nur war es in dieser situation viel heftiger als ich es kannte: ich konnte mich tatsächlich NICHT mehr bewegen. wenn ich meinen arm heben wollte, dauerte das minuten vollster konzentration und anstrengung, bis er sich vielleicht einen zentimeter hob. natürlich habe ich nichts mehr geraucht nachdem ich merkte wie es mir geht... aber wie auch bei starkem alkohol wirkt die droge nach der letzten "dosis" ja noch nach, dh mein letzter zug war geraucht aber hatte seine wirkung noch nicht entfaltet. ich wusste also, dass es in wenigen minuten noch schlimmer wird. wir saßen am rand des bettes, ich habs dann geschafft meine beine rauf zu heben und hab mich hin gelegt. natürlich hab ich max gesagt, dass es mir nicht gut geht... er war aber selber bekifft und hat darüber nur gelacht. bis dahin war für mich mein befinden zwar nicht angenehm, aber im endeffekt war alles in ordnung. ich hatte die situation gerade noch abgefangen, bevor ich einen kreislaufkollaps bekam oder mich übergeben musste. hinlegen, schlafen - und in ein paar stunden würde es mir wieder gut gehen. ich dämmerte schon vorher immer wieder halb weg, wenige minuten nach meinem letzten zug war es aber noch heftiger. mir war sehr übel, wollte nur dass mein zustand aufhört. ich lag auf der seite, von max abgewandt, versuchte mich aufs atmen zu konzentrieren um das angstgefühl weg zu bekommen und dämmerte weg...
als er anfing, mich anzufassen - er wollte mit mir schlafen. ich habe es geschafft, zu sagen "nein, jetzt nicht". er hörte nicht auf. ich lag mit dem gesicht zur wand, ganz dicht vor meinem gesicht die wand. es war eng. er lag dicht an mich gedrückt hinter mir, ich dachte ich dreh durch, es war so eng. da hatte ich panik. ich hatte das gefühl ich bekomm keine luft mehr, ich hatte irgendwie tatsächlich das gefühl, ich würde sterben (obwohl ich irgendwie noch wusste, dass das nicht real ist).
ich sagte - sehr langsam... und es war sooo anstrengend überhaupt zu reden.... "nein, bitte ich will nur schlafen mir gehts nicht gut." er hörte nicht auf. ich erinnere mich als ob es gestern gewesen wäre (es ist 6 jahre her!), dass ich sagte "bitte hör auf, i will nur schlafen, ich krieg gar nix mehr mit". seine antwort darauf "na da werden wir schon schaun, dass du was mitkriegst!".
es war schrecklich. es war... so schrecklich. mir war schwindelig, ich war in meinem zustand zu sexueller erregung überhaupt nicht fähig, seine berührungen waren nur lästig, ich empfand sexuell auch rein körperlich NICHTS... ich war sooo erschöpft und müde, ich konnte nicht mehr sprechen aber ich wollte dass er aufhört. eingequetscht zwischen wand und max... ich habe versucht mit meiner hand sein becken von meinem fern zu halten. ich habe es geschafft, meine hand hinter mein becken (also zu meiner pobacke) zu geben, spürte auf meiner handfläche seine leiste aber ich hatte keine kraft. ich konnte ihn nicht wegdrücken. meine hand war einfach zwischen meinem po und seiner leiste, ich spürte mich, ihn. er musste meine hand spüren, die ihn weg drängen wollte, aber es war keine kraft darin.
ich bin weg gedämmert... kurz wahrscheinlich, denn ich hatte noch einen "lichten" moment, als er mich noch missbrauchte und ich sagte sowas wie "nein hör endlich auf" - aber ich weiß nicht ob das laut genug war dass er es hören konnte. dann war ich wieder weg. mitten in der nacht kam ich zu mir. ich lag immer noch auf der seite, meine nase berührte die wand, das höschen war halb runter gezogen und ich war nass....
ich konnte es nicht .. fassen. ich konnte es einfahc nicht begreifen. ich stieg üb er ihn drüber, ging aufs wc und ins bad... ich ekelte mich so sehr! dann kamen ganz pragmatische gedanken: er hatte nicht verhütet... wo in meinem zyklus war ich... oh mein gott... hoffentlich war er gesund...
ich saß ewig auf dem klo, war ewig im bad. ich fühlte mich noch nicht gut genug um mit dem auto zu fahren, wollte mich aber nicht neben den schnarchenden max legen...
ich weiß nicht mehr, wie ich die nacht verbracht habe. sitzend auf einem stuhl oder im bad oder doch im bett... ich weiß nicht warum ich mich nicht dran erinnern kann. ich blieb jedenfalls in seiner wohnung. morgens ging er frühstück holen. ich redete kein wort. ich konnte es nicht fassen und auch nicht einordnen - er war bis dahin zwar sehr sex-orientiert aber immer nett gewesen. ein fürsorglicher typ einfach. ich konnte nicht einordnen was da passiert war. als vergewaltigung oder missbrauch hätte ich das geschehene nicht bezeichnet damals, einfach weil das irgendwie nicht möglich sein durfte, dass so ein netter kerl sowas tat... als max einkaufen war, rief ich eine freundin an und erzählte ihr von der situation. irgendwie war ich sicher dass sie schockiert sein würde. aber das war sie nicht wirklich. sie meitne, das wär schon arg und nicht ok, aber sowas könne passieren. sie fragte ob ich das gefühl hatte, dass er mir schaden wollte. nein, sagte ich, ich hatte nicht das gefühl dass er mir schaden wollte. er hat einfach nur ignoriert was ich sagte und dachte wohl, er würde es hin bekommen, dass wir beide spaß dran haben. meine freundin meinte dann eben, sowas könne passieren in nicht nüchternem zustand (bekifft oder alkoholisiert), dass sich ein mann da "überschätzt" und wenn es offensichtlich "nicht böse gemeint" war, würde sie die gerade entstehende beziehung deswegen nicht weg werfen.
ich wurde als kind sexuell missbraucht innerhalb der familie. damals traute ich mich nicht, nein zu sagen. und so dachte ich mir "na wenn es nicht so schlimm ist wie es sich jetzt anfühlt, dann bin ich wohl nur übersensibel aufgrund meiner vergangenheit/geschichte. und ich will mir nicht selbst eine vielleicht tolle beziehung zerstören".
max erwähnte, als er vom einkaufen zurück war, dass es "nicht ok war, was in der nacht passiert ist". ich nickte nur. in mir selbst fand ein krieg statt. es kämpfte der teil in mir, der sich dachte "war bestimmt nicht ok aber sicher auch nicht schlimm" mit dem teil der meinte "so etwas HAT nicht zu "passieren", es IST schlimm, ich habe deutlich mehrmals gesagt dass ich das nicht will...".
ich bin mit max zusammengeblieben, er hat sich kurz danach von seiner "noch-freundin" getrennt. ich lebe seit 6 jahren mit ihm zusammen. er hat sich nie wieder an mir vergangen, er hat mich nie geschlagen. aber verbal gab es so einige für mich sehr schlimme situationen. nein, ich bin nicht glücklich. der zwiespalt in mir ist nach wie vor da, es ist schlimm für mich. max kann supernett, lieb sein... aber auch ein richtiger A****. er ist aber fürsorglich... nur sex habe ich mit ihm seit 3 oder 4 jahren nicht mehr. ich KANN nicht, er widert mich irgendwie an. die ersten jahre hab ich das geschehene irgendwie immer beiseite geschoben. dann gab es eine "aussprache". ein riesen streit den ich vom zaun gebrochen habe, weil mir diese nacht nie aus dem kopf gegangen ist, obwohl ich den großteil des geschehens gar nicht mitbekommen hab. es war ein hässlicher strit, in dem er sachen sagte wie "du hast ja selber entschieden dass du was rauchst" (darum aber geht es nicht!!!!). und er sagte sogar "es gehören immer 2 dazu, i hab ihn dir reingesteckt und du hast hergehalten". auf diese aussage hin hab ich ihm eine ohrfeige verpasst. "hergehalten"?! ich habe NICHT HER GEHALTEN. ich habe gesagt dass ich es nicht will. ich habe versucht, der situation zu entkomen aber ich KONNTE körperlich mich nicht wehren. irgendwie ging der streit vorbei, er entschuldigte sich dann irgendwann irgendwie mehr oder weniger ...
ich weiß nicht genau warum ich mich nicht trennen konnte... ich fühlte und fühle mich schuldig, weil ich damals ja schon bei ihm geblieben bin. dann habe ich doch 6 jahre später nicht das recht, ihn zu verlassen... so irgendwie.
ich war in therapie aber habs bis jeztt nicht geschafft darüber zu reden. ich schäme mich. und jetzt steht das thema an in der therapie. diese woche werd ich das erste mal (nach dem telefonat mit meiner freundin) darüber reden. ich habe angst. riesige angst vor meiner schuld.
wenn er einfach "nur ein gewalttätiger A****" wäre, wärs irgendwie einfacher für mich... aber die welt ist nicht schwarz-weiß und max auch nicht. er hat so liebe seiten an sich, er ist kein "schlechter mensch". viele verhaltensweisen von ihm finde ich dagegen ganz schlimm und sind eigentlich ein "no go".
wenn ich als außenstehende das lesen würde, würd ich mir denken "voll bescheuert, die frau". aber irgendwie ist die sache in meinem empfinden komplizierter. eben nicht "schwarz-weiß".
das war meine geschichte, und deine, liebe glashaus, erinnert mich an meine. wobei du noch viel entschlossener warst als ich (du hast dich zuerst mal getrennt) - mein verhalten ist noch viel irrer gewesen. ich bin geblieben und hab dennoch jahrelang mit dieser "entscheidung" gehadert und habe auch nach vielen jahren noch immer probleme damit... sodenn, ich freue mich falls glashaus mir antwortet. auch auf sonstige antworten bin ich neugierig...
alles liebe,
schrittchen