@Ratlos 200
Naja, da mir selbst regelmäßig der Kragen geplatzt ist und mir mein ganzes Umfeld inklusive Familie zum Ende der Beziehung hin auch mehr oder weniger ernst gesagt hat, dass es das nicht sein kann, ist mir auch ein Licht aufgegangen.
Aber auch erst, als wir schon zusammengewohnt haben und es immer schlimmer wurde...wir nicht mehr weggegangen sind und ich mich gefühlt habe, als lebe ich das Leben einer ca. 60 Jährigen.
Was mir ganz stark geholfen hat, waren damals meine Freunde, die mich immer wieder aus der eingeschlichenen Lethargie rausgeholt, mich auf Parties usw. geschleppt haben und mir damit regelmäßig gezeigt haben, dass es ein Leben ausserhalb von Mama und ihm gibt.
Dass meine Freunde damals nicht locker gelassen haben, hat mir mit Sicherheit eine lange Leidenszeit erspart. Sie waren wirklich immer da, haben auch innständig versucht, mit ihm klarzukommen...aber sein anfängliches "Ich mag deine Freunde" wurde ziemlich schnell nach dem Zusammenzug zu einem "Ich will die nicht hier haben." und dementsprechend hat er sich auch verhalten. Seine Mutter fand das auch vollkommen richtig. Ein Mädchen, das einen Freund hat, muss zuhause bleiben, anstatt mit irgendwelchen Dahergelaufenen um die Häuser zu ziehen - und schlimmschlimm - sogar noch Alkohol zu trinken.......
Als er mir zuletzt dann - sich vollkommen im Recht wähnend - den Umgang verbieten wollte und ich gefälligst wie eine brave Frau alla Mama es zu tun hat, zuhause bleiben soll, da war es dann zu viel.
Vorangehend war noch ein Verbot meines Berufswunsches vorangegangen, auf das ich Dussel sogar noch gehört habe - schließlich wollte Mister ja in Mamas Nähe wohnen und das geht nun mal nicht, wenn man einen Beruf erlernt, dessen Berufschancen auf dem Lande gegen null tendieren....das werfe ich mir heute noch vor...auch wenn ich gerade am Nachholen bin 🙂
Ich hab an dem Abend, als wir gestritten haben und ich mich am laufenden Band rechtfertigen sollte, warum ich überhaupt sowas überflüssiges wie Freunde habe, meine Sachen gepackt, habe meinen Vater angerufen und der hat mir um 23 Uhr nachts bis um drei noch geholfen meinen Kram zu packen und weg war ich (gottseidank stand ich nicht im Mietvertrag 😛). Das war das Ende der Geschichte. Auf die letzte Frage, ob ich ihn denn noch liebe, konnte ich auch nur sagen "Den Mann ohne Mutter ja, aber mit....nein danke."
Ehrlichgesagt musste ich nicht lange trauern. Es war eine Erleichterung gewesen. Ich war wieder ich selbst, konnte hingehen, wohin ich wollte, hab mir meine Haare gefärbt, mir einen DVD-Player gekauft (Das ist so lustig, weil: "Mama hat auch gemeint, wir brauchen sowas nicht...DVD wird sich eh nie durchsetzen.") und dieses Gefühl von Freiheit war ungemein gut. Ich bin mit ein paar Freunden dann zwar öfter als normal einen bechern, lach...aber es gab auch viel Nachzuholen und hat mir auch gezeigt, wie sehr ich mich selbst doch schon fast verloren hatte.
Gute Freunde sind sehr wichtig. Oder jemand, mit dem man dann reden kann, der einen aufbaut. In meinem Fall war es auch ziemlich bald soweit, dass wir herzlich lachen konnten (meine Freunde haben eine zeitlang jeden Satz mit "Meine Mutter meint aber..." begonnen....meine beste Freundin tut das heute noch manchmal 😀).
Ich glaube, es muss manchmal einfach der Punkt kommen, wo der Bogen überspannt und das Fass am überlaufen ist, damit man einen klaren Kopf bekommen kann. Und dann - so ist es zumindest bei mir - geht alles ruckzuck. Dann weiß ich, dass ich alleine besser dran bin. Dann weiß ich, dass ich alleine glücklicher sein kann. Dann kann ich relativ emotionslos reagieren - yeah, die "Queen der zerbrochenen Beziehungen" 😀.
Naja, ob dir das eine Hilfe ist? Ich hoffe, du bist nicht auch an einen "Meine Mutter meint..." geraten 🙂 Wenn doch....dann habt ihr bestimmt schon ein paar nette Gespräche gehabt und wenn du ein wenig nach deinem eigenen Leben und deiner eigenen Persönlichkeit strebst und er sich nicht ändern will, dann wird auch bei dir irgendwann der Punkt kommen, an dem der Bogen einfach überspannt ist....und dafür wünsch ich dir gute Freunde und eine liebe Familie.
LG,
vanDark